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Gesundheitsatlas Diabetes

Regionale Unterschiede im Saarland

Diabetes mellitus Typ 2 ist eine Erkrankung mit bundesweit vielen Betroffenen

Nach den Ergebnissen des vorliegenden Gesundheitsatlas für das Jahr 2017 ist jeder zwölfte Einwohner in Deutschland betroffen. In Deutschland leben insgesamt 7,1 Millionen Menschen mit dieser Erkrankung und eine aktuelle Prognose geht davon aus, dass im Jahr 2040 bis zu zwölf Millionen Menschen in Deutschland an Typ-2-Diabetes erkrankt sein werden. Die erwartete Steigerung kann nur verhindert werden, wenn es mit effektiven Präventionsmaßnahmen gelingt, die Neuerkrankungen deutlich zu reduzieren.

Der aktuelle Blick ins Land

Zwischen den Regionen im Saarland gibt es nur moderate Unterschiede beim Anteil der Diabetiker unter der Bevölkerung: Während im Regionalverband Saarbrücken 9,7 Prozent der Einwohner 2017 einen vom Arzt diagnostizierten Typ-2-Diabetes hatten, lag der Anteil in Neunkirchen mit 11,1 Prozent geringfügig höher. Landesweit liegt das Saarland mit einem Diabetikeranteil von 10,1 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt von 8,6 Prozent. Das zeigt der neue „Gesundheitsatlas Saarland“, in dem das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) mithilfe neuer Berechnungsverfahren erstmals die Häufigkeit des Diabetes mellitus Typ 2 für die sechs Städte und Kreise darstellt.

Im bundesweiten Vergleich offenbart das Saarland Handlungsbedarf und der Gesundheitsatlas zeigt, dass es in den Regionen noch Potential besteht. „Die Auswertungen mit Kennzahlen auf Kreisebene können Landräten und Bürgermeistern helfen, ihre regionale Situation einzuordnen und Ansätze zu entwickeln, um die gesundheitliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu verbessern“, so Christiane Firk, Landesgeschäftsführerin Saarland der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse.

Insgesamt leben 101.000 Menschen im Saarland mit Typ-2-Diabetes. Mehr als die Hälfte sind über 70 Jahre alt. Bekanntlich steigt mit zunehmendem Alter das Risiko der sogenannten „Zuckerkrankheit“ deutlich an. In den Altersgruppen zwischen 75 und 90 Jahren sind im Saarland mehr als 35 Prozent davon betroffen. Das liegt über den bundesweiten Werten.

„Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland engagiert sich seit Jahren für eine bessere und strukturierte medizinische Versorgung von Typ-2-Diabetikern. So ist das Disease-Management-Programm (DMP) „AOK-Curaplan“ für Diabetiker ein fester Bestandteil unseres Angebots. Insgesamt haben sich 2018 rund 100.000 Versicherte der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland für dieses Programm entschieden. Im DMP sind unter anderem regelmäßige Kontrolluntersuchungen zur Vermeidung von Folge- und Begleiterkrankungen vorgesehen“, erklärt Firk. „Wir als Gesundheitskasse sind nicht nur im Krankheitsfall für unsere Kundinnen und Kunden da, sondern tragen durch vielfältige Präventionsangebote, gerade im Bereich Ernährung und Bewegung dazu bei, dass vermeidbare Gesundheitsbelastungen erst gar nicht entstehen. Ebenso unterstützen wir vielfältige Selbsthilfeangebote und setzen uns auf allen Ebenen zur Steigerung der Gesundheitskompetenz ein.“

Modellrechnung zum „fairen“ Vergleich der Regionen

Der Gesundheitsatlas für das Saarland bietet neben einem Vergleich der tatsächlichen Krankheitshäufigkeit auch eine Modellrechnung, die einen „fairen“ Vergleich zwischen den Regionen ermöglicht: Hierbei werden die Unterschiede herausgerechnet, die durch die verschiedenen Alters- und Geschlechtsstruktur der Bevölkerung in den einzelnen Kommunen des Landes entstehen. In diesem „fairen“ Vergleich schneidet der Saarpfalz-Kreis am besten ab und liegt mit seiner niedrigen Erkrankungsrate noch vor dem Regionalverband Saarbrücken. Schlusslichter bilden auch in dieser Modellrechnung Neunkirchen und St. Wendel. „Insgesamt bleiben die moderaten regionalen Unterschiede bei der Krankheitshäufigkeit im fairen Vergleich bestehen, allerdings verschiebt sich die Erkrankungsrate in Regionen mit mehr älteren Bewohnern wie Neunkirchen und St. Wendel deutlich nach unten“, sagt Firk.

Häufiger Diabetes in benachteiligten Regionen

Auch einen weiteren Zusammenhang, der bereits aus zahlreichen Studien bekannt ist, bestätigt der Gesundheitsatlas: Materiell und sozial benachteilige Menschen erkranken häufiger an Typ-2-Diabetes als Menschen mit einem vergleichsweise hohen ökonomischen und sozialen Status. In Regionen, die nach dem Deprivationsindex des Robert Koch-Instituts einen Mangel an materiellen und sozialen Ressourcen unter Berücksichtigung von Faktoren wie Einkommen, Beschäftigung oder Bildung aufweisen, gibt es auch überdurchschnittlich viele Typ-2-Diabetiker. Bundesweit liegt der Anteil der Typ-2-Diabetiker in diesen ökonomisch und sozial benachteiligten Regionen Deutschlands bei 11,3 Prozent. In Regionen, die im Deutschlandvergleich die beste materielle und soziale Ausgangssituation haben sind nur 7 Prozent Typ-2-Diabetiker zu finden. Diese deutlichen Unterschiede können nur zu einem geringen Teil über die regional unterschiedliche Alters- und Geschlechtsstruktur erklärt werden. Vermutlich spielen verschiedene weitere Faktoren eine Rolle – zum Beispiel das lokale Ernährungsangebot, die Lärmbelastung oder das Angebot an Grünflächen und Sportanlagen, die körperliche Bewegung ermöglichen. Hier gibt es noch weiteren Forschungsbedarf. 

Neues Verfahren ermöglicht Aussagen auf lokaler Ebene

Für den Gesundheitsatlas ist erstmals ein neues Hochrechnungsverfahren verwendet worden, das für diesen Zweck vom Wissenschaftlichen Institut der AOK in Zusammenarbeit mit der Universität Trier entwickelt wurde. Es erlaubt auf Basis der Abrechnungsdaten der AOK-Versicherten zuverlässige Aussagen zu Krankheitshäufigkeiten in der Gesamtbevölkerung bis auf die lokale Ebene. Unterschiede zwischen den AOK-Versicherten und der Gesamtbevölkerung in Bezug auf Alter, Geschlecht und Krankheitshäufigkeit werden dabei durch ein innovatives statistisches Verfahren herausgerechnet. Erklärtes Ziel dieser Analysen ist es, den Akteuren vor Ort fundierte Informationen über das Krankheitsgeschehen in ihrer Region bereitzustellen.

Den Gesundheitsatlas Saarland finden Sie hier (PDF, 1,2 MB)

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