StatAMed: Kurzstationäre, allgemeinmedizinische Versorgung bei akutem Behandlungsbedarf

Das Projekt StatAMed etabliert eine im deutschen Gesundheitssystem vollkommen neue, interdisziplinäre Versorgungsebene. Diese schlägt eine Brücke zwischen ambulanter Praxis und hochspezialisierter Klinik.

Eine ältere Frau liegt in einem Krankenbett.© iStock / svetikd

Inhalte im Überblick

    Versorgungsbedarf erkennen und steuern

    Die Notaufnahmen deutscher Kliniken verzeichnen in den letzten Jahren stetig steigende Fallzahlen. Nicht bei allen dieser Patientinnen und Patienten handelt es sich jedoch um Notfälle.

    Hochbetagte Menschen, die an mehreren chronischen Grunderkrankungen leiden, werden bei akuten Erkrankungen häufig per Rettungsdienst in die Notaufnahme gebracht. Oft ist in solchen Fällen aber keine notärztliche Behandlung erforderlich. Stattdessen wäre eine frühzeitige sektorenübergreifende und allgemeinmedizinisch orientierte Versorgung mit intensivierter Nachsorge angezeigt.

    Ideale Ausstattung für die kurzstationäre Versorgung

    Die im Projekt StatAMed etablierte neue Versorgungsform umfasst eine kurzstationäre allgemeinmedizinische Behandlung in strukturschwachen ländlichen und städtischen Regionen.

    Die StatAMed-Einrichtung besteht aus einer kleinen Klinik mit einer allgemeinmedizinischen Abteilung (und je nach regionalem Bedarf wenigen weiteren Betten) ohne Notaufnahme. Die Klinik verfügt über eine medizintechnische Basisausstattung und eigene Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin und Innere Medizin sowie Pflegekräfte.

    Hand in Hand für bedarfsgerechte Versorgung

    Das Modell StatAMed sieht eine sektorenübergreifende Behandlungsplanung sowie ein Fallmanagement (Case-Management) vor, mit dem die interdisziplinäre Versorgung koordiniert wird. Dazu gehört unter anderem eine telemedizinische Nachsorge, die sich an die stationäre Versorgung anschließt.

    Mit dem StatAMed-Netzwerk verbundene Ärztinnen und Ärzte werden über telemedizinische fachärztliche Konsile eingebunden. Sogenannte „flying nurses“ übernehmen die bedarfsorientierte poststationäre häusliche Versorgung der Patientinnen und Patienten.

    Ziele und Perspektiven der Neuausrichtung

    Im Ergebnis hilft das Modell, die Über-, Unter- und Fehlversorgung im Übergang zwischen der ambulanten und stationären Versorgung zu vermeiden und die Versorgungsqualität und Patientensicherheit zu erhöhen.

    Das Modell bietet zudem Perspektiven für die Versorgung in ländlichen Regionen, die sich vor ähnliche Herausforderungen gestellt sehen: Krankenhäuser lassen sich dort vielfach nicht mehr wirtschaftlich betreiben, sodass es neue innovative Versorgungskonzepte braucht, um Schließungen zu vermeiden. Der im Projekt StatAMed geplante neue sektorenübergreifende Patientenpfad stellt eine Alternative dar und offeriert den Menschen vor Ort ein bedarfsgerechtes Angebot.

    Erfahrungswerte in der kurzstationären Versorgung

    StatAMed baut auf dem Modell der allgemeinmedizinischen kurzstationären Versorgung auf, wie es die Stadtteilklinik Hamburg (SKH) bereits erfolgreich umsetzt. Auch hier wird auf der Grundlage einer sektorenübergreifenden Kommunikation zwischen den Behandlungspartnern im strukturschwachen Hamburger Stadtteil Billstedt eine bedarfsorientierte Versorgung der Patientinnen und Patienten sichergestellt.

    An welche Personengruppe richtet sich das Angebot von StatAMed?

    StatAMed ist insbesondere für ältere Patientinnen und Patienten mit zum Beispiel akuten Infekten oder chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herzschwäche geeignet. Voraussetzung ist, dass eine niedrigschwellige stationäre Behandlung erforderlich ist, die jedoch nicht hochspezialisiert in einem Akutkrankenhaus oder in einer Geriatrie erfolgen muss.

    Vor der stationären Aufnahme des Patienten führen der einweisende Haus- oder Facharzt und der medizinische Koordinator der Klinik ein strukturiertes Einweisungsgespräch. Dabei legen sie gemeinsam das Behandlungsziel und den Behandlungsplan fest, um einen nahtlosen Behandlungsübergang zu ermöglichen. So wird individuell abgestimmt, ob die Versorgung in StatAMed passend ist oder ob zum Beispiel für eine umfangreichere Diagnostik ein anderes Krankenhaus gewählt werden sollte.

    Vorteile für die Patientinnen und Patienten

    StatAMed legt den Fokus neben der medizinischen Behandlung auf die Berücksichtigung der Lebensumstände und bezieht dabei alle an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen ein. Durch diese Ausrichtung auf das Patientenwohl können sogenannte Überdiagnosen von Krankheiten, die sich ohne eine Untersuchung nie bemerkbar gemacht und keine Beschwerden ausgelöst hätten, vermieden werden. So entfallen auch unnötig lange Verweildauern in den Krankenhäusern. Die Patientinnen und Patienten erhalten eine berufsgruppenübergreifende und vernetzte Versorgung, die sich an ihren individuellen Bedürfnissen orientiert.

    Teilnehmende Kliniken

    Diese Klinikstandorte in Niedersachsen wurden für das Projekt gewählt:

    • Norden:

      Durch den geplanten Bau des Zentralklinikums in Georgsheil im Landkreis Aurich werden die Krankenhausstandorte Aurich, Norden und Emden zusammengeführt. Im Rahmen des StatAMed-Projektes wird der Standort in Norden schrittweise umstrukturiert, um dort ein Angebot für niedrigschwellige stationäre Versorgung zu erproben.

    • Sulingen:

      Ähnlich gestaltet es sich für den Standort des Krankenhauses Sulingen mit dem geplanten Neubau in Twistringen-Borwede  im Landkreis Diepholz, in dem die drei Kliniken Bassum, Diepholz und Sulingen zusammengeführt werden.

    • Bad Gandersheim:

      Auch für Bad Gandersheim im Landkreis Northeim zeichnet sich neuer Versorgungsbedarf ab. Hier wird die Universitätsklinik Göttingen (UMG) die StatAMed-Klinik umsetzen.

    Wie kann das Angebot in Anspruch genommen werden?

    An jedem Standort wird ein Netzwerk aus StatAMed-Klinik, niedergelassenen Ärzten, Rettungsdienst und Pflegeanbietern entstehen. Diese werden die für StatAMed geeigneten Patientinnen und Patienten auf die Möglichkeit zur Teilnahme ansprechen und nach dem strukturierten Einweisungsgespräch eine Aufnahme ermöglichen.

    Laufzeit des Projekts

    Das Projekt StatAMed: kurzstationäre, allgemeinmedizinische Versorgung“ wird ab Sommer 2023 durch den Innovationsfonds gefördert. Die Umsetzung erfordert eine Vorbereitungsphase, in der zum Beispiel die regionalen Netzwerke aus Arztpraxen, Rettungsdienst, Pflegeeinrichtungen, Klinikärzten und Pflegefachkräften aufgebaut werden. Der StatAMed-Klinikbetrieb wird dann sukzessive im Jahr 2024 beginnen.

    Aktualisiert: 09.01.2023

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