Dolmetscher für Gehörlose beim Arztbesuch

Gehörlose oder hochgradig schwerhörige Patienten brauchen beim Arztbesuch und bei medizinischen Behandlungen die Unterstützung eines vertrauten Familienmitglieds oder eines Gebärdensprachdolmetschers.

Eine blonde Frau übersetzt für einen gehörlosen Mann die gesprochenen Worte auf Gebärdensprache.© iStock / FatCamera

Inhalte im Überblick

    Wer hat Anspruch auf einen Gebärdensprachdolmetscher?

    Sie haben Anspruch auf einen Gebärdensprachdolmetscher bei medizinischen Behandlungen, wenn Sie in Ihrem persönlichen Umfeld mit der Gebärdensprache kommunizieren und

    • gehörlos (taub geboren oder bis zum siebten Lebensjahr ertaubt) sind
    • hochgradig schwerhörig sind
    • vollständig ertaubt (ab dem siebten Lebensjahr) sind

    Begleiten gehörlose Eltern ihr hörendes Kind zu einer medizinischen Behandlung, können sie die Unterstützung eines Gebärdensprachdolmetschers ebenfalls in Anspruch nehmen.

    Warum brauchen Patienten einen Gebärdensprachdolmetscher?

    Ein Gebärdensprachdolmetscher ermöglicht Versicherten eindeutig zu verstehen, was Arzt und Patient hinsichtlich Diagnostik, Therapieempfehlung, Einhaltung von Medikationen und Einwilligung in einen medizinischen Eingriff kommunizieren. Sein Auftrag ist es, mögliche Missverständnisse diesbezüglich durch eine fehlerfreie Übersetzung auszuschließen.

    Gebärdensprache: Wann übernimmt die AOK die Kosten für einen Dolmetscher?

    Die AOK übernimmt die Kosten für den Einsatz eines Gebärdensprachdolmetschers unter anderem in folgenden Fällen:

    • beim Arztbesuch
    • beim Zahnarztbesuch
    • bei ärztlich verordneten Therapien (wie Logopädie, Psychotherapie)
    • bei der Physiotherapie beim ersten und letzten Termin oder bei einem Wechsel der Behandlung
    • bei ambulanter Behandlung im Krankenhaus
    • bei stationärer Behandlung im Krankenhaus
    • beim Arztbesuch der hörenden Kinder (zum Beispiel ein Kinderarztbesuch), wenn Eltern gehörlos sind
    • bei Schwangerschaftsgymnastik und Rehabilitationssport (zu Beginn und am Ende der Maßnahme, zwischendurch nur nach Rücksprache mit der AOK)

    Der Gebärdensprachdolmetscher sollte dabei der nächstgelegene sein.

    Benötigen Sie bei der Kommunikation mit der AOK einen Gebärdensprachdolmetscher? Auch dann übernimmt die Gesundheitskasse die Kosten für den Dolmetschereinsatz.

    Welche Kosten tragen Gehörlose selbst?

    Nehmen Sie eine medizinische Leistung in Anspruch, die nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen wird, wie zum Beispiel eine kosmetische Behandlung oder ein schönheitschirurgischer Eingriff, tragen Sie die Kosten für den Dolmetscher selbst.

    Bei Gehörlosigkeit übernimmt die AOK die Kosten für einen Gebärdensprachdolmetscher der deutschen Gebärdensprache. Muss ein Fremdsprachendolmetscher hinzugezogen werden oder ist die Verwendung einer ausländischen Gebärdensprache nötig, kann die Gesundheitskasse diese zusätzlichen Kosten nicht tragen.

    Weitere Kommunikationshilfen für Gehörlose

    Neben der Unterstützung durch einen Dolmetscher können folgende Kommunikationshilfen bei medizinischen Behandlungen eingesetzt werden. Die Kosten dafür übernimmt die AOK, wenn sie medizinisch notwendig sind:

    Kommunikationshilfen

    Dazu zählen unter anderem:

    • Kommunikationshelfer
    • Kommunikationsmethoden wie zum Beispiel Lormen und ertastbare Gebärden
    • Kommunikationsmittel wie grafische Symbolsysteme oder akustisch-technische Hilfen

    Dolmetscher

    Dazu zählen:

    • Schriftdolmetscher
    • Simultanschriftdolmetscher
    • Oraldolmetscher

    Assistenten

    Dazu zählen:

    • Kommunikationsassistenten
    • Taubblindenassistenten

    Vertraute Person

    Als vertraute Person des Anspruchsberechtigten können Angehörige der Familie, Freunde und hilfsbereite Bekannte dienen.

    So erhalten Sie Hilfe durch einen Gebärdensprachdolmetscher

    Ist die Begleitung eines Gebärdensprachdolmetschers aus Sicht des behandelnden Arztes erforderlich, können Sie ihn eigenständig beauftragen. Es ist vorab keine Genehmigung durch die Krankenkasse erforderlich:

    • Nach der medizinischen Behandlung erhalten Sie vom Arzt eine Bescheinigung über die Notwendigkeit der Unterstützung durch einen Dolmetscher.
    • Diese Bescheinigung der Gebärdensprachdolmetscher reichen Sie bei der Krankenkasse ein, damit der Anspruch auf einen Dolmetscher geprüft werden kann.
    • Die Krankenkasse erstattet dem Dolmetscher die Kosten für seinen Einsatz beim Arztbesuch oder bei der medizinischen Behandlung der versicherten hörgeschädigten oder gehörlosen Person.
    Aktualisiert: 02.08.2021

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