Cannabis auf Rezept: für Schwerstkranke in Ausnahmefällen

Schwerstkranke wie zum Beispiel Schmerz- oder Krebspatienten können Arzneimittel auf der Basis von Cannabis auf Rezept bekommen – allerdings nur in eng begrenzten Ausnahmefällen. Der Arzt prüft Nutzen und Risiko des Arzneimittels für den Patienten. Die AOK muss dem Einsatz von Cannabis vor Therapiebeginn zustimmen. In der Regel wird der Medizinische Dienst (MD) bei der Beurteilung des Leistungsanspruchs und der Prüfung der Anträge hinzugezogen.

Ein Arzt sitzt im Sprechzimmer. Er kann bei verschiedenen Krankheiten Cannabis auf Rezept verschreiben. © AOK

Inhalte im Überblick

    Wann Sie ein Cannabis-Arzneimittel erhalten können

    Der behandelnde Arzt entscheidet, ob eine Behandlung mit Cannabis für den einzelnen Patienten möglich und sinnvoll ist. Vor der Erstverordnung stellt er mit dem Patienten einen begründeten Antrag auf Kostenübernahme bei der AOK. Die AOK übernimmt die Kosten für eine Therapie mit einem cannabishaltigen Arzneimittel, wenn drei Bedingungen zutreffen:

    1. Es handelt sich um eine schwerwiegende Erkrankung.
    2. Andere Therapien stehen nicht zur Verfügung beziehungsweise können im Einzelfall nicht angewendet werden.
    3. Es liegt eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbar positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome vor.

    Abgabemenge von Cannabis aus der Apotheke ist begrenzt

    Bei Arzneimitteln auf Cannabisbasis handelt es sich um Betäubungsmittel. Die Verordnung erfolgt daher auf einem Betäubungsmittelrezept (nur sieben Tage gültig). Der Arzt muss die in der Betäubungsmittelverordnung festgesetzten Höchstmengen beachten. Sie dürfen für einen Patienten innerhalb von 30 Tagen nicht überschritten werden, es sei denn, es liegt ein besonders schwerwiegender Erkrankungsfall vor. Dann kann der Arzt einen Bedarf auch für mehr als 30 Tage ausstellen. Die 30 Tage beziehen sich nicht auf die maximale Verordnungsmenge insgesamt, sondern auf die Höchstmenge, für die in einem bestimmten Zeitraum ein Rezept ausgestellt werden darf.

    Medizinisches Cannabis gibt es ausschließlich in der Apotheke.

    Hanf auf Rezept: Ambulante Versorgung voraussichtlich ab Herbst 2022

    Um belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse über den medizinischen Einsatz von Cannabis zu erhalten, war die Versorgung der Patienten mit cannabishaltigen Arzneimitteln zunächst an eine fünfjährige Begleitstudie geknüpft. Diese Studie endete planmäßig zum 31. März 2022.

    Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wertet nun die Ergebnisse der Studie aus, um festzulegen, wann eine Therapie mit Cannabis sinnvoll ist. Regelungen für die ambulante Versorgung von Patienten mit Cannabis gibt der G-BA voraussichtlich bis Ende September 2022 bekannt.

    In diesen Fällen darf der Arzt ein Rezept für Cannabis ausstellen

    Ein cannabishaltiges Arzneimittel erhalten nur Patienten, auf die Folgendes zutrifft:

    • Sie leiden an einer schwerwiegenden Erkrankung wie zum Beispiel Multiple Sklerose oder Krebs.
    • Keine zugelassene und verfügbare Therapieform hat einen Erfolg erzielt.
    • Andere Therapieformen sind nach Einschätzung des Arztes für den betreffenden Patienten nicht geeignet.

    Ob ein Versicherter eine ärztliche Verordnung erhält, hängt von seiner individuellen Situation ab. Darüber hinaus müssen Erkenntnisse vorliegen, dass sich eine Behandlung mit Cannabis spürbar positiv auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome auswirken könnte.

    Mögliche Nebenwirkungen einer Therapie mit Cannabis

    Arzneimittel auf Cannabisbasis sind stark wirksam. Die Einnahme von Cannabis aus der Apotheke kann unter anderem folgende unerwünschte Reaktionen hervorrufen:

    • kurzfristige Veränderungen der Wahrnehmung oder des Denkens und Fühlens
    • psychotische Symptome wie Überempfindlichkeit, Verwirrtheit, Angst, Halluzinationen, Angststörungen, Depression und Schizophrenie bei regelmäßigem, langfristigen Gebrauch
    • Herzrasen, Übelkeit oder Schwindel
    • langfristig psychische Abhängigkeit
    • gestörtes Kurzzeitgedächtnis
    • Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit, zum Beispiel Aufmerksamkeit, Konzentration, Lernfähigkeit und der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr.
    Aktualisiert: 29.07.2021

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