Lipödem: Symptome, Diagnose und Behandlung

Beim Lipödem tritt an den Beinen, und seltener auch an den Armen, eine Fettgewebsvermehrung auf. Betroffene leiden in diesen Körperbereichen unter Schmerzen und Schweregefühlen. Erfahren Sie, wie Sie ein mögliches Lipödem erkennen und wie es sich behandeln lässt.
Eine Frau im weißen Kittel mit Brille und Notizblock sitzt an einem Holztisch einer anderen Frau gegenüber.© iStock / Kemal Yildirim / KI-bearbeitet

Inhalte im Überblick

    Symptome: Woran man ein Lipödem erkennt

    Ein Lipödem ist eine chronische Störung der Fettverteilung, die vor allem die Beine und seltener auch die Arme betrifft. Sie ist meist mit erheblichen Schmerzen verbunden und kommt fast ausschließlich bei Frauen vor. Die Fettverteilung ist dabei zwischen Körperstamm (Rumpf) und Gliedmaßen ungleich verteilt, tritt aber symmetrisch an beiden Beinen, Armen oder beidem auf. An den Füßen und Händen kommt das Lipödem nicht vor. Auch Kopf, Hals und das Körperzentrum sind nicht betroffen.

    Das Lipödem ist nicht mit Adipositas zu verwechseln, die durch einen übermäßig hohen Fettanteil des Körpers charakterisiert ist, sich auf den ganzen Körper verteilen kann und typischerweise keine Schmerzen verursacht.

    Erste Lipödem-Beschwerden treten häufig in Zeiten hormoneller Veränderungen auf – zum Beispiel in der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren.

    Typische Beschwerden bei einem Lipödem

    Man geht heute davon aus, dass das Lipödem grundsätzlich keine fortschreitende Erkrankung ist. Bei etwa zwei Dritteln der Erkrankten bleibt das Lipödem stabil und nur bei einem Drittel nimmt das Volumen der betroffenen Gliedmaßen zu. In diesen fortschreitenden Fällen hat eine Studie aus Spanien einen Zusammenhang mit einer allgemeinen Zunahme des Körpergewichts festgestellt. Zudem wurde beobachtet: Wer abnimmt, kann dadurch oft auch das Volumen der vom Lipödem betroffenen Beine und Arme reduzieren.

    Das Lipödem ist immer schmerzhaft. Typische Beschwerden bei einem Lipödem sind Schmerzen bei Druck oder Berührung, Schmerzen ohne erkennbaren Anlass sowie ein ausgeprägtes Schweregefühl in den betroffenen Gliedmaßen. Wenn Sie glauben, ein Lipödem zu haben, sollten Sie das von einer Ärztin oder einem Arzt untersuchen lassen, die oder der sich gut damit auskennt. Hierbei hilft die AOK-Arztsuche. Mit ihr finden Sie beispielsweise Fachärztinnen und Fachärzte mit einer Spezialisierung auf Phlebologie (Venenheilkunde) oder Angiologie (Gefäßheilkunde) oder Fachärztinnen und Fachärzte für Dermatologie (Haut- und Geschlechtskrankheiten) oder Physikalische und Rehabilitative Medizin in Ihrer Nähe.

    Die unterschiedlichen Ausprägungen des Lipödems

    Auf Basis der äußerlich wahrnehmbaren, unterschiedlich starken Ausprägungen von Lipödemen ist das Krankheitsbild in verschiedene Typen oder Stadien unterteilt worden. Bislang gibt es jedoch keine einheitliche Typisierung der äußerlichen Merkmale. Mittlerweile besteht Einigkeit darin, dass eine äußerlich beschreibende Stadieneinteilung nicht als Schweregradeinstufung verstanden werden kann. Eine Schweregradeinteilung für die mit dem Lipödem verbundenen Beschwerden gibt es bislang nicht.

    Da sich die Diagnosekriterien für das Lipödem in den letzten Jahren geändert haben, gibt es bislang keine aktuellen und belastbaren Daten zur Häufigkeit der Erkrankung. Auch die Häufigkeitsangaben anhand älterer Diagnosekriterien sind wenig zuverlässig, da die Erhebungen oft an kleinen und nur eingeschränkt repräsentativen Stichproben durchgeführt wurden.

    Mögliche Ursachen

    Das Lipödem ist eine Erkrankung, die mit spezieller fachärztlicher Expertise diagnostiziert wird und gut von anderen Krankheitsbildern abgegrenzt werden muss. Obwohl die Krankheit in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit bekommen hat, ist es weiterhin schwierig, sie von anderen Erkrankungen mit teilweise ähnlichen Beschwerden zu unterscheiden – einen spezifischen Laborwert oder Biomarker, mit dem sich ein Lipödem eindeutig nachweisen lässt, gibt es bisher beispielweise nicht. Die Ursachen für das Lipödem werden derzeit noch erforscht. Fachleute vermuten als mögliche Ursache unter anderem Veränderungen in der Adipogenese, also bei der Bildung und Entwicklung von Fettzellen. Auch Erkrankungen kleinster Blutgefäße (Mikroangiopathien) sowie Störungen des Lymphflusses könnten eine Rolle bei der Entstehung des Lipödems spielen. Da das Lipödem fast ausschließlich Frauen betrifft, nehmen Fachleute an, dass Störungen auf dem X-Chromosom und spezifisch weibliche hormonelle Störungen an der Krankheitsentstehung beteiligt sind. In neueren Studien wurden beispielsweise Genbereiche entdeckt, die mit der äußerlichen Ausprägung eines Lipödems in Zusammenhang stehen könnten. Welcher Mechanismus dabei zum Tragen kommen könnte, ist aber noch nicht geklärt.

    Wie sich das Lipödem behandeln lässt

    Welche Therapie geeignet ist, sollten spezialisierte Fachärztinnen und -ärzte mit der Patientin besprechen – unter Berücksichtigung des individuellen Leidensdrucks, des Erfolgs bisheriger Therapieschritte und möglicher Nebenwirkungen medikamentöser oder invasiver Behandlungsansätze. Zu den Behandlungsoptionen zählen neben einer umfassenden Patientinnenaufklärung und Lebensstilanpassungen zunächst konservative Therapiemaßnahmen. Wenn sich mit diesen keine hinreichende Linderung der Beschwerden erreichen lässt, ist unter bestimmten Voraussetzungen auch eine operative Behandlung mittels Liposuktion möglich.

    • Patientinnenaufklärung

      Betroffene sollten sich von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt genau darüber informieren lassen, was ein Lipödem ist und dass es sich dabei um eine chronische Erkrankung handelt. Wichtig ist zudem eine differenzierte Aufklärung über die Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten sowie darüber, was Betroffene selbst aktiv tun können. Auch emotionale Unterstützung ist hilfreich, da Lipödem-Patientinnen zusätzlich unter psychischen Belastungen leiden können, unter anderem aufgrund von Schmerzen. In Ergänzung zum ärztlichen Gespräch sollten Patientinnen Informationsmaterial erhalten und wenn gewünscht auch Kontakt zu Selbsthilfegruppen.

    • Lebensstilanpassungen

      Für Lipödempatientinnen sind gesunde Ernährung und ein möglichst aktiver Lebensstil besonders wichtig. Körperliche Aktivität kann bei der Gewichtskontrolle helfen und die allgemeine Gesundheit und Stimmung verbessern. Auch eine Linderung der durch das Lipödem verursachten Schmerzen ist so möglich.

      Wer seine Ernährung anpasst, sollte auf kurzfristige Diäten verzichten. Stattdessen gilt es vielmehr, die Essgewohnheiten dauerhaft umzustellen auf eine individuell angepasste, gesunde Ernährung. Der gesunde Lebensstil soll in Verbindung mit einem gezielten Gewichtsmanagement dazu beitragen, die Beweglichkeit und Funktionalität des Körpers zu erhalten oder wiederzuerlangen und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Betroffene mit Übergewicht oder Adipositas können durch eine Gewichtsreduktion oft auch das Volumen der Gliedmaßen etwas reduzieren, die vom Lipödem betroffen sind. Da eine Adipositas ein Risikofaktor für das Voranschreiten eines Lipödems ist, muss diese unbedingt mit in die Behandlung einbezogen werden. 

    • Konservative Therapie

      Bei der konservativen Behandlung geht es in erster Linie darum, Beschwerden zu lindern – nicht darum, die Körperform sichtbar zu verändern. Zu den typischen Maßnahmen gehören manuelle Lymphdrainage und eine Therapie mit medizinischen Kompressionsstrümpfen. In Ergänzung dazu ist eine Bewegungstherapie mit gezielten Übungen zur Verbesserung der Lymphzirkulation sinnvoll. Zusätzlich sollte auf eine gute Pflege der Haut an den betroffenen Gliedmaßen geachtet werden.

      Falls mit diesen Maßnahmen keine ausreichende Linderung der Beschwerden gelingt, kann unterstützend auch eine intermittierende pneumatische Kompressionstherapie (IPK) in Erwägung gezogen werden.

      Die AOK übernimmt die Kosten für medizinische Kompressionsstrümpfe und -strumpfhosen sowie für Lymphdrainagen, sofern diese ärztlich verordnet wurden. Patientinnen tragen bei einer Lymphdrainage lediglich die gesetzliche Zuzahlung, die sich auf zehn Prozent der Heilmittelkosten und zehn Euro pro Verordnung beläuft. Dazu ist eine ärztliche Verordnung notwendig.

    • Operative Therapie (Liposuktion)

      Lassen sich die Krankheitsbeschwerden trotz einer mindestens sechs Monate kontinuierlich durchgeführten konservativen Therapie nicht hinreichend lindern, kann eine Liposuktion (Fettabsaugung) als Option geprüft werden. Unter bestimmten Bedingungen übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten. Dazu gehört, dass in den sechs Monaten vor der Indikationsstellung zur Liposuktion keine Gewichtszunahme erfolgt ist und der Body-Mass-Index (BMI) der Betroffenen nicht größer als 35 kg/m² sein darf. Die Fettabsaugung soll mit der Tumeszenz-Technik durchgeführt werden, da diese schonender für das Gewebe und die Lymphgefäße ist als die sogenannte trockene Liposuktion. Bei der Tumeszenz-Liposuktion wird zunächst eine größere Menge einer speziellen Lösung in das Unterhautfettgewebe gespritzt. Weil das Gewebe anschwillt und sich die Blutgefäße verengen, lässt sich das Fett leichter absaugen. Das minimiert den Blutverlust.

      Erste Ergebnisse einer in Deutschland durchgeführten Erprobungsstudie der Liposuktion haben gezeigt, dass die operative Fettgewebsreduzierung Vorteile gegenüber einer alleinigen nichtoperativen Behandlung hat. Die Studie ist bislang allerdings noch nicht abgeschlossen, sodass noch weitere Ergebnisse aus der Nachbeobachtung der Teilnehmerinnen erwartet werden, unter anderem zur Notwendigkeit von Wiederholungseingriffen.

    Häufige Fragen zum Lipödem

    • Lässt sich das Lipödem heilen?

      Nein, ein Lipödem ist aktuell nicht heilbar. Die Symptome lassen sich jedoch durch konservative und operative Therapien wie Lymphdrainage, Kompressionsbehandlung und Fettabsaugung lindern. Zudem kann der Krankheitsverlauf dadurch verlangsamt oder gestoppt werden, was zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führt.

    • Was kann man selbst bei einem Lipödem tun?

      Wichtig ist, in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt eine Therapie wahrzunehmen. Die Kompressionstherapie kann Spannungs- und Schweregefühle in den Beinen und Armen lindern und Schmerzen reduzieren. Eine Lymphdrainage sorgt für kurzfristige Entlastung und Schmerzreduktion. Gesunde Ernährung, Bewegung und ein gezieltes Gewichtsmanagement sind zudem wichtig, um die Beweglichkeit und Funktionalität des Körpers zu erhalten oder wiederzuerlangen und ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Es kann hilfreich sein, Übergewicht abzubauen, um die Gelenke zu entlasten. Auch das Volumen der vom Lipödem betroffenen Gliedmaßen lässt sich so unter Umständen reduzieren.

    Aktualisiert: 01.07.2026

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