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Neue Aufklärungskampagne bei Darmkrebs

Experten warnen vor Versorgungslücke

25.10.2018

Darmkrebs ist besonders tückisch: Die Krebsart entwickelt sich meist langsam aus zunächst gutartigen Veränderungen und ohne Schmerzen. Darmkrebs wird daher oft zu spät erkannt. Dabei könnten rund 90 Prozent der Patienten geheilt werden, wenn sie die Diagnose frühzeitig bekommen. So erfolgreich ist kaum eine Früherkennungsmaßnahme. Doch die Darmspiegelung wird zu wenig genutzt: Knapp die Hälfte der Frauen und gerade mal ein Siebtel der Männer gehen zu den Vorsorgeuntersuchungen.

Gesetzlich Versicherte haben ab 55 Jahren Anspruch auf eine Dickdarmspiegelung – die sogenannte Koloskopie, bei der bereits Vorstufen von Darmkrebs erkannt werden können. Jeder zehnte Erkrankte ist jedoch noch keine 50 Jahre alt. Experten sehen hier eine Versorgungslücke. Besonders gefährdet sind Menschen, in deren Familien Darmkrebs bereits aufgetreten ist. Das bayernweite Modellprojekt FARKOR nimmt daher Betroffene und ihre Angehörigen in den Fokus. Die Abkürzung steht für „Vorsorge bei familiärem Risiko für das kolorektale Karzinom“. Auf Initiative der Felix Burda Stiftung haben sich unter Leitung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) nahezu alle bayerischen Krankenkassen zusammengefunden. Auch die AOK Bayern unterstützt das Projekt.

Ziel der Initiative ist es zunächst, Menschen mit einem familiär erhöhten Darmkrebsrisiko in Bayern frühzeitig – also bereits im Alter von 25 bis 49 Jahren – zu identifizieren. Dazu schreiben die Krankenkassen erstmals die an Darmkrebs erkrankten Versicherten an und informieren sie über das erhöhte Risiko ihrer direkten Verwandten. Zugleich werden den betroffenen Angehörigen kostenlose Vorsorgemaßnahmen angeboten. Allein die AOK Bayern verschickt rund 4.000 Briefe. „Wenn es uns dadurch gelingt, Menschen vor einer Darmkrebserkrankung zu bewahren, dann wäre dies ein großer Erfolg“, sagt Klaus Schwarzer, Fachbereichsleiter Ärzte bei der AOK Bayern.

Das Modellvorhaben läuft bis März 2020 und wird wissenschaftlich begleitet. Ist die neue Aufklärungskampagne ein Erfolg, könnte die Darmkrebs-Vorsorge auch für Jüngere mit familiärem Risiko in die Regelversorgung aufgenommen werden.