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Mehr Unterstützung für pflegende Angehörige

30.07.2026 AOK-Bundesverband 4 Min. Lesedauer

Über sechs Millionen Menschen in Deutschland beziehen Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung (SPV). In der überwiegenden Mehrheit der Fälle übernehmen Angehörige die alleinige Pflegeverantwortung. Eine oftmals sehr belastende Arbeit, die mehr Unterstützung verdient hätte, wie der Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbandes betont.

Eine Frau hilft einer älteren Dame beim Treppensteigen und hält ihr dabei den Arm.
Pflege, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, ist für viele pflegende Angehörige eine tägliche Herausforderung.

„Pflegende Angehörige stehen unter einer enorm hohen physischen wie psychischen Belastung, die sie oft an ihre Grenzen bringt – und darüber hinaus“, sagt Annette Düring, die im Verwaltungsrat der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Bremen/Bremerhaven Versichertenvertreterin und Mitglied im Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbands ist. „Diese Menschen, die quasi unser größter Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… -dienst sind, verdienen unsere Hochachtung. Ohne sie würde unser Pflegesystem komplett zusammenbrechen.“

Leider bekämen sie aus der Politik aber nicht die Unterstützung und Wertschätzung, die sie verdienten, so Düring weiter. Denn die Rentenzuschüsse für pflegende Angehörige müssten sachgerecht eigentlich aus Steuermitteln finanziert werden. Der aktuelle Entwurf eines Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) sieht nun sogar noch weitere Kürzungen für pflegende Angehörige vor. Das sei nicht hinnehmbar. 

Umfrage macht Belastung klar

Aktuellen Umfrageergebnisse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ) zufolge fühlen sich 62 Prozent der pflegenden Angehörigen „stark“ oder „sehr stark“ belastet. Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung, die das WIdO im Mai 2026 mit dem WIdO-Monitor veröffentlicht hat, zeichnen ein klares Bild: Mehr als die Hälfte der Befragten ist von der Pflege körperlich erschöpft, ein Drittel berichtet von deutlichen psychischen Belastungen. Zwei Drittel der Hauptpflegepersonen (63,4 Prozent) geben an, jeden Tag in die Pflege eingebunden zu sein, mehr als jede zehnte befragte Person pflegt nach eigenen Angaben mindestens 40 Stunden pro Woche. Das WIdO stuft in seiner Analyse mehr als 40 Prozent der Befragten in die Kategorie der Hochbelasteten ein. 

„Oft fühlen sich pflegende Angehörige allein gelassen, ihnen fehlt die nötige Unterstützung.“

Annette Düring

Versichertenvertreterin im Verwaltungsrat der AOK Bremen/Bremerhaven und Mitglied im Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbandes

„Oft fühlen sich pflegende Angehörige allein gelassen, ihnen fehlt die nötige Unterstützung“, so Düring. Zwar habe der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren – etwa mit der Einführung der Pflegezeit und der Familienpflegezeit Die 2008 mit dem Pflegezeitgesetz eingeführte Pflegezeit ermöglicht es Beschäftigten, sich für… – durchaus versucht, die Situation für pflegende Angehörige zu verbessern. „Leider nehmen aber immer noch zu wenige Pflegende diese Angebote in Anspruch“, konstatiert Düring. 

So gaben in der WIdO-Befragung nur 12,5 Prozent der Erwerbstätigen an, die Möglichkeit mindestens einer Pflege-Auszeit genutzt zu haben. Jeder Vierte entschied sich aus finanziellen Gründen gegen diese Angebote. Weitere 25 Prozent der Befragten gaben an, dass sie diese Angebote gar nicht kennen. Für Düring ein klarer Hinweis, dass für diese Entlastungsangebote noch mehr geworben werden muss.

Frau mittleren Alters, die entleert aus dem Fenster blickt
Wer Angehörige pflegt, trägt oft über lange Zeit große Verantwortung. Neben körperlicher und psychischer Belastung bleibt dabei häufig wenig Raum für soziale Kontakte. Umso wichtiger sind niedrigschwellige Angebote, die Austausch ermöglichen und Vereinsamung entgegenwirken.
26.06.2026AOK-Bundesverband2 Min

Teilzeit wegen Pflege

Doch nicht nur die Pflegenden selbst stehen unter Druck. Ihre hohe Belastung hat auch Folgen für die Wirtschaft. Denn 59 Prozent der pflegenden Angehörigen in Deutschland sind der Umfrage zufolge erwerbstätig – davon arbeiten 31,3 Prozent in Vollzeit und 27,7 Prozent in Teilzeit. Von den in Teilzeit erwerbstätigen pflegenden Angehörigen gaben 45,2 Prozent an, ihre ursprüngliche Arbeitszeit aufgrund der Übernahme der Angehörigenpflege reduziert zu haben.

„Angesichts des bereits bestehenden Fachkräftemangels, der sich demografisch bedingt in den nächsten beiden Jahrzehnten noch verstärken wird, können wir uns solche Verluste auf dem Arbeitsmarkt einfach nicht leisten“, sagt Sven Nobereit, der im Verwaltungsrat der AOK Plus die Arbeitgeberseite vertritt und Mitglied im Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbands ist. „Die Analyse des WIdO zeigt zugleich, dass Unterstützungsangebote für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege von zentraler Bedeutung sind“, so Nobereit weiter.

„Pflegelotsen und Pflegelotsinnen sind speziell geschulte Team-Mitglieder innerhalb eines Unternehmens, die über gebündeltes Wissen zum Thema Beruf und Pflege verfügen.“

Sven Nobereit

Mitglied im Verwaltungsrat der AOK PLUS (Arbeitgeberseite) und Mitglied im Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbandes

Unterstützungsangebote der AOK

Um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Fall einer plötzlich eintretenden oder sich verschärfenden Pflegesituation besser unterstützen zu können, hat die AOK PLUS in Thüringen gemeinsam mit der Thüringer Agentur Für Fachkräftegewinnung (ThAFF) das Projekt der betrieblichen Pflegelotsen auf den Weg gebracht. „Pflegelotsen und Pflegelotsinnen sind speziell geschulte Team-Mitglieder innerhalb eines Unternehmens, die über gebündeltes Wissen zum Thema Beruf und Pflege verfügen. Sie wissen, wie und wo betroffene Kolleginnen und Kollegen Hilfe finden und kennen innerbetriebliche Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“, erklärt Nobereit. 

Mit dem Familiencoach Pflege stellt die AOK-Gemeinschaft zudem auch eine internetbasierte Unterstützung zur Verfügung, damit Betroffene den seelisch belastenden Pflegealltag besser bewältigen und sich vor Überlastung schützen können. Anhand von Tipps, interaktiven Übungen, Videos und Audios lernen sie, wie sie mit den Herausforderungen bei der Pflege eines Angehörigen besser umgehen können.