Artikel Versorgung

Wie Kliniken resilienter werden

11.05.2026 Anja Schnake 3 Min. Lesedauer

In Krisensituationen haben Krankenhäuser Aufgaben im Bevölkerungsschutz. Derzeit sind weder die Strukturen noch die medizinische Versorgung darauf ausgelegt. Generalstabsarzt Johannes Backaus fordert im „Blickpunkt Klinik“ mehr Vorbereitung und klare Zuständigkeiten.

In einem Krankenhauszimmer stehen zwei Personen nebeneinander: Eine Ärztin mit Klemmbrett und ein Bundeswehrsoldat in Uniform. Im Hintergrund liegt ein verwundeter Soldat mit Kopfverband im Krankenhausbett.
Um die Kliniken krisenfest zu machen, fehlen Investitionen in Milliardenhöhe.

Militärische Konflikte, Angriffe auf kritische Infrastrukturen, Cyberattacken und Extremwetterlagen: Die Krisenfestigkeit von Infrastruktur und Gesundheitsversorgung rückt derzeit in den Fokus der Politik. Das Problem: Im föderal organisierten System Deutschlands sind Zuständigkeiten verteilt und Entscheidungswege oft unklar. Im Ernstfall fehlt es bislang an einer zentralen Koordination, etwa für ein bundesweites Lagebild. Zwar setzt der Bund den rechtlichen Rahmen im Zivil- und Katastrophenschutz, die operative Umsetzung liegt jedoch bei den Ländern – eine Aufgabenteilung, die Risiken birgt: Fachleute sehen nicht nur strukturellen Reformbedarf, sondern auch erhebliche Investitionslücken. Nach Berechnungen im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft wären zweistellige Milliardenbeträge notwendig, um die Kliniken krisenfest aufzustellen.

„Wir müssen das gesamte Gesundheitswesen resilienter gestalten.“

Porträt: Dr. med. Johannes Backaus, Generalstabsarzt.

Dr. med. Johannes Backaus

Generalstabsarzt

Sanitätsfahrzeuge und Kliniken sind nicht mehr sicher

Über diese Themen wird im Sanitätsdienst der Bundeswehr schon länger nachgedacht. Generalstabsarzt Dr. med. Johannes Backaus verweist in der neuen Ausgabe des „Blickpunkt Klinik“ auf aktuelle militärische Konflikte: „In der Ukraine zeigt sich, dass Sanitätsfahrzeuge und Krankenhäuser unmittelbar angegriffen werden – das Schutzzeichen ‚Rotes Kreuz‘ bietet keine Sicherheit mehr.“ Daraus ergeben sich neue Anforderungen: „Wir brauchen mobile, geschützte Behandlungseinrichtungen und gesicherte Transportwege.“

Auch für Deutschland sieht Backaus Handlungsbedarf, denn im Kriegsfall stünde das Land vor neuen Aufgaben, in der Versorgung wie in der Logistik. „Dafür brauchen wir Vorbereitung, Kapazitäten und Ausstattung, außerdem klare Strukturen und geregelte Zuständigkeiten.“ Die Kliniken stünden vor Herausforderungen durch die Aufgabe, verwundete Soldaten zu behandeln, und auch durch die Komplexität der Verletzungen. Seine Folgerung ist klar: „Gesundheitsversorgung in einer solchen Lage ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir müssen das gesamte Gesundheitswesen resilienter gestalten – personell, materiell und infrastrukturell.“

„Gesundheitssicherheit ist Teil der nationalen Sicherheit.“

Porträt: Sascha van Beek, gesundheitspolitischer Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion.

Sascha van Beek

Mitglied des Deutschen Bundestages – CDU/CSU-Fraktion

Sichere Gesundheitsversorgung als nationale Aufgabe

Der Perspektivwechsel hat auch den Bundestag erreicht. Sascha van Beek, gesundheitspolitischer Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion: „Gesundheitssicherheit ist keine reine Gesundheitspolitik. Sie ist Teil der nationalen Sicherheit.“ Entsprechend fordert er eine engere Verzahnung von Gesundheits-, Innen- und Verteidigungspolitik, denn: „Krankheitserreger, Terroristen und Aggressoren interessieren sich nicht für Ressortzuständigkeiten.“

Ein zentraler Ansatzpunkt sei eine verbesserte Koordination im Krisenfall. „Bund, Länder, Bundeswehr, Katastrophenschutz und Krankenhäuser müssen enger zusammenarbeiten und klare Abläufe entwickeln“, so van Beek. Vor diesem Hintergrund rückt auch die Finanzierung in den Fokus. Sollte Deutschland künftig stärker in seine Sicherheitsarchitektur investieren, müsse dies die Gesundheitsversorgung einschließen. „Mittel aus dem Sondervermögen sollten auch in widerstandsfähigere Strukturen der Gesundheitsversorgung fließen“, fordert van Beek.

Mitwirkende des Beitrags

Optionale Felder sind gekennzeichnet.

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.