Artikel Gesundheitssystem

Debatte: Netzwerk für den Krisenfall

22.04.2026 Reinhard Nieper 2 Min. Lesedauer

Unser Gesundheitssystem ist unzureichend auf Notlagen vorbereitet, kritisiert Reinhard Nieper. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der BG Kliniken – Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung fordert Investitionen in die Infrastruktur und eine strategische Krankenhausplanung.

Sanitäter in roten Uniformen versorgen verletzte Soldaten auf Tragen in einem Feldlazarett, umgeben von medizinischer Ausrüstung.
Für den Krisenfall müssen Krankenhäuser, Katastrophenschutz und Bundeswehr enger zusammenarbeiten.
Foto: Porträt von Reinhard Nieper, Vorsitzender der Geschäftsführung der BG Kliniken – Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung
Reinhard Nieper ist Vorsitzender der Geschäftsführung der BG Kliniken – Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat eine Frage zurück auf die politische Agenda gehoben: Wie belastbar ist unser Gesundheitssystem im Bündnisfall? Krankenhäuser sind Teil der kritischen Infrastruktur. Sie müssen auch dann funktionieren, wenn andere Systeme bereits unter Druck geraten – etwa durch Cyberangriffe, Versorgungsengpässe oder großflächige Schadenslagen. Doch Resilienz entsteht nicht allein durch Technik, bauliche Maßnahmen oder IT-Sicherheit. Sie beginnt auch mit einer gesellschaftlichen Haltung: der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Belastungen gemeinsam zu tragen. Gesundheitspolitisch bedeutet das vor allem eines: Wir müssen die strukturelle Krisenfestigkeit unseres Systems stärker in den Blick nehmen. Das betrifft etwa die Frage ausreichender Behandlungskapazitäten, resilienter Lieferketten für Medikamente und Medizinprodukte sowie verlässlicher Finanzierungsstrukturen für Krankenhäuser.

Gleichzeitig braucht es eine bessere Verzahnung zwischen zivilem Gesundheitswesen, Katastrophenschutz und militärischem Sanitätsdienst. Deutschland verfügt mit Bundeswehrkrankenhäusern, BG-Kliniken und Universitätskliniken über hochspezialisierte Einrichtungen, deren Kompetenzen sich sinnvoll ergänzen. 

So gut wir damit in der Akut- und Rehamedizin am Patientenbett bereits gerüstet sind – strukturell ist diese Kooperation bislang erst in Ansätzen verankert. Für den Ernstfall benötigen wir klare Netzwerke, abgestimmte Prozesse und gemeinsame Planungen. Resilienz des Gesundheitswesens ist daher auch eine Aufgabe der Gesundheitspolitik. Sie erfordert Investitionen in Infrastruktur, eine strategische Krankenhausplanung und verlässliche Rahmenbedingungen für Kooperationen zwischen zivilen und militärischen Akteuren. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob wir uns mit solchen Szenarien beschäftigen möchten. Sie lautet, ob unser Gesundheitswesen darauf vorbereitet ist, wenn sie eintreten. Die Antwort darauf wird wesentlich darüber entscheiden, wie widerstandsfähig unsere Gesellschaft insgesamt ist.

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