Jeder Dritte blickt skeptisch auf ein sehr hohes Alter
Die Vorstellung, 100 Jahre oder älter zu werden, stößt bei 32 Prozent der Deutschen auf eher negative Gefühle. Sorgen vor gesundheitlichen Einschränkungen, Pflegebedürftigkeit, finanzieller Unsicherheit oder sozialer Isolation sind dafür entscheidende Gründe, wie eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung PKV (WIP) und der Versicherungskammer zeigt. Zudem erkennen viele Befragte zwar die Bedeutung an, um gesund älter zu werden. Dennoch setzen viele davon diese Maßnahmen nicht konkret genug um.
So klafft besonders bei einer gesunden und ausgewogenen Ernährung eine große Lücke von minus 16 Prozent. Das heißt, deutlich mehr Menschen halten sie für geeignet, als diese nachher umzusetzen. Auch bei der Stressbewältigung (minus 14 Prozentpunkte) und Vermeidung ungesunder Stoffe wie Alkohol und Nikotin (minus 13 Prozent) gibt es erhebliche Diskrepanzen zwischen positiver Einschätzung und tatsächlicher Umsetzung. Zudem gaben laut der WIP-Studie zehn Prozent der Befragten an, keine Zeit während einer Woche in Gesundheitsvorsorge zu investieren, etwa durch Sport und Bewegung. 22 Prozent machten dies lediglich eine Stunde pro Woche. Durchschnittlich nehmen sich die Menschen zwei Stunden und 20 Minuten pro Woche Zeit für ihre Gesundheitsvorsorge. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt mindestens zwei Stunden 30 Minuten.
„Viele Menschen erkennen die Bedeutung von Vorsorge, aber handeln nicht entsprechend“, bilanzierte Frank Wild, Leiter des WIP und Mitautor der Studie. Die Gesellschaft sei auf ein langes Leben noch nicht ausreichend vorbereitet. „Gerade vor dem Hintergrund steigender Lebenserwartungen wird das zunehmend zu einer gesellschaftlichen Herausforderung“, unterstrich Wild.
Als Gründe, die einer stärkeren Investition in Gesundheitsvorsorge entgegensprächen, gaben 32 Prozent an, aktuell einen zu geringen finanziellen Spielraum zu haben, um noch mehr vorzusorgen. 21 Prozent der Befragten räumten ein, das Thema aufgrund der Priorisierung anderer Lebensbereiche oder negativer Gedanken aufzuschieben. Weitere 17 Prozent haben sich nach eigenen Angaben bislang zu wenig mit dem Thema beschäftigt oder sind zu wenig informiert.
Um im Alter gut abgesichert zu sein, geben die Befragten im Durchschnitt 184 Euro im Monat aus, die etwa für Zusatzversicherungen (Kranken-, Pflege-, Rente-, Leben-, Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung) oder zur Kapitalanlage verwendet werden. Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) sieht sich aufgrund zu geringer finanzieller Spielräume nicht in der Lage, mehr in die finanzielle Vorsorge zu investieren. (tie)
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