Tabaksteuer steigt ab 2027
Zigaretten werden deutlich teurer. Der Bundestag hat gestern am späten Donnerstagabend einer Erhöhung der Tabaksteuer zugestimmt. Bis 2030 soll der Durchschnittspreis für eine Schachtel mit 20 Zigaretten um fast vier Euro auf knapp zwölf Euro steigen. Der Bund erwartet dadurch innerhalb von vier Jahren Steuermehreinnahmen von rund zwölf Milliarden Euro. Die Tabaksteuer soll ab 2027 schrittweise steigen. Politiker von Union und SPD sprachen von einer wichtigen Maßnahme für mehr Gesundheitsschutz.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil verteidigte die Erhöhung heute in der ARD und verwies auf die angespannte Haushaltslage – es müsse eine Lücke von 34 Milliarden Euro geschlossen werden. Zugleich seien die Kosten im Gesundheitssystem gestiegen. „Da die Kosten in den Griff kriegen, den Haushalt konsolidieren und auf einen Wachstumspfad zurückkommen“, nannte der SPD-Politiker als zentrale Aufgaben der Bundesregierung. Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Hendrik Streeck (CDU), begrüßte die Steuererhöhung als Erfolg für den Kinder- und Jugendschutz. „Nach Jahren kleiner Schritte wird Rauchen jetzt spürbar teurer. Das ist vor allem ein Gewinn für Kinder und Jugendliche“, erklärte er. Höhere Preise könnten auch Erwachsene zum Rauchstopp bewegen. „Mein Ziel ist mehr Gesundheit, die Mehreinnahmen sind ein Nebeneffekt.“
In der Bundestagsdebatte betonte Ingo Vogel (SPD), die Koalition wolle mit höheren Preisen den Einstieg in den Nikotinkonsum weniger attraktiv machen. Bei E-Zigaretten-Liquids habe sie die geplante Besteuerung verschärft. Heiko Hain (CDU) warnte vor Ausweichbewegungen auf andere Produkte und in den Schwarzmarkt. Ob die erwarteten Mehreinnahmen tatsächlich erzielt würden, bereite ihm „Bauchschmerzen“. Die Grünen befürworteten höhere Tabaksteuern grundsätzlich, lehnten das Gesetz aber ab. Der Grünen-Politiker Sascha Müller kritisierte, dass Feinschnitt trotz der Steuererhöhung weiterhin deutlich niedriger besteuert werde als Fabrikzigaretten und damit ein günstigeres Ausweichprodukt bleibe. Auch die Linke stimmte gegen das Gesetz. Die Parlamentarierin Doris Achelwilm warf der Bundesregierung vor, Menschen mit geringem Einkommen zusätzlich zu belasten. „Wer Gesundheit will, finanziert aber Prävention“, sagte sie.
Nach dem Bundestag hat heute am frühen Nachmittag auch der Bundesrat der Erhöhung der Tabaksteuer zugestimmt. Dem Statistischen Bundesamt zufolge rauchte 2025 in Deutschland knapp jeder Fünfte (19,1 Prozent) ab 15 Jahren zumindest gelegentlich. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum starben 2023 rund 131.000 Menschen an den Folgen tabakbedingter Erkrankungen. (ts)
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