„Lenkungssteuern können den Konsum wirksam eindämmen“

Mit der Veröffentlichung des Public Health Index (PHI) 2025 hat der AOK-Bundesverband 2025 gezeigt, wie groß der Nachholbedarf bei der Prävention hierzulande ist. Inzwischen hat die Bundesregierung mehrere präventionspolitische Maßnahmen angekündigt oder auf den Weg gebracht. Oliver Huizinga, Leiter der Abteilung Prävention im AOK-Bundesverband, zieht im Interview eine erste Zwischenbilanz.

Eine gestaffelte Steuer auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke hat in Großbritannien zu einer erheblichen Verringerung der Zuckermenge in Softdrinks geführt.
Oliver Huizinga ist Abteilungsleiter Prävention im AOK-Bundesverband.

Im PHI, den der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Bundesverband gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) im Dezember 2025 erstmals veröffentlicht hat, schnitt Deutschland im europäischen Vergleich besonders schlecht ab und landete auf Rang 17 von 18 untersuchten Ländern. In den Handlungsfeldern Tabak, Alkohol und Ernährung belegte Deutschland jeweils hintere Ränge, lediglich bei der Bewegung sah es etwas besser aus. Die Autorinnen und Autoren des PHI kritisierten die zögerliche Haltung Deutschlands und den mangelnden politischen Willen zum Umsteuern in puncto Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… .

Inzwischen gibt es bei mehreren Lenkungssteuern konkrete politische Vorhaben, wie Präventionsexperte Huizinga, Mitautor des PHI, im Audio-Interview mit Kristin Sporbeck hervorhebt. So soll voraussichtlich ab 2027 eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke eingeführt werden. Das im Juli 2025 verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht dafür ein weiteres Gesetzgebungsverfahren vor. Solche Lenkungssteuern seien „sehr wirksame Instrumente“, um beispielsweise den Konsum von Tabak oder Alkohol einzudämmen, so Huizinga. Gleichzeitig generierten sie Einnahmen, die zur Stabilisierung der Gesundheitssysteme Der Zugang aller Bürger zu einer umfassenden gesundheitlichen Versorgung unabhängig von ihrem… oder im besten Fall für Prävention eingesetzt werden könnten.

Oliver Huizinga im Gespräch mit Kristin Sporbeck:

Neben Fortschritten sieht Huizinga allerdings auch Schwächen bei den bisherigen Vorhaben. Die geplante Erhöhung der Tabaksteuer über mehrere Jahre könnte einen „relevanten präventiven Effekt haben“. Wenn der vorliegende Entwurf gelinge oder sogar noch verbessert werde, „dann hätten wir hier wirklich einen Meilenstein erreicht“, sagt Huizinga. Nach seiner Einschätzung könnten dadurch langfristig Tausende Krebsneuerkrankungen verhindert werden.

Bei der geplanten höheren Besteuerung von Alkohol fällt seine Bilanz dagegen kritischer aus. Umgerechnet auf einzelne Getränke würde die Steuererhöhung lediglich zu einer Verteuerung um wenige Cent führen, etwa bei Longdrinks, kritisiert Huizinga. Hinzu komme, dass Bier und Wein von der geplanten Erhöhung ausgenommen seien, obwohl sie Huizinga zufolge rund drei Viertel des Alkoholkonsums ausmachen.

Warum Einnahmen aus Lenkungssteuern der GKV zugutekommen sollten und weshalb Prävention bei mittel- bis langfristigen Maßnahmen zur Stabilisierung der GKV-Finanzen eine größere Rolle spielen sollte, erläutert Oliver Huizinga im Audio-Interview. 

Tabak, Alkohol, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel: Der Public Health Index (PHI) zeigt erstmals, wie europäische Länder gegen die größten Risikofaktoren vorgehen. Die Ergebnisse zeigen, wo Deutschland im europäischen Vergleich bei Gesundheitsschutz steht und wo es besser werden kann.
04.12.2025AOK-Bundesverband8 Min