Bundesregierung beim Hitzeschutz zunehmend unter Druck
Die Bundesregierung gerät beim Thema Hitzeschutz immer stärker unter Zugzwang. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DSTGB) fordert einen „nationalen Kraftakt“ für Wasserversorgung und Klimaanpassung. Präsident Ralph Spiegler sprach sich in der „Rheinischen Post“ (RP) zudem für eine im Grundgesetz verankerte Gemeinschaftsaufgabe für Klimaschutz und Klimaanpassung sowie eine dauerhafte Finanzierung durch Bund und Länder aus. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt appellierte, Hitzeschutz als gesamtstaatliche Aufgabe zu begreifen.
Entscheidend sei, dass notwendige Maßnahmen zügig umgesetzt würden, um gesundheitliche Schäden und vermeidbare Todesfälle künftig zu verhindern, sagte Reinhardt im Deutschlandfunk. DSTGB-Präsident Spiegler betonte, bereits jetzt sei die Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte von akutem oder strukturellem Grundwasserstress betroffen. Trinkwasser müsse Vorrang haben. Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth sprach sich laut RP in diesem Zusammenhang unter anderem für Renaturierungen aus. Vorige Woche hatte der SPD-Politiker angekündigt, Deutschland werde bis zum kommenden Sommer einen nationalen Hitzeaktionsplan erhalten.
Nach Worten Reinhardts könnten viele hitzebedingte Todesfälle durch einen konsequenten Ausbau des Hitzeschutzes verhindert werden. Der Mediziner verwies auf aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts, wonach bis Ende Juli fast 12.000 Menschen infolge extremer Hitze gestorben sind. Neben kurzfristigen Maßnahmen in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen seien langfristige Investitionen in eine klimaresiliente Infrastruktur erforderlich. Dazu gehörten die Begrünung und Verschattung von Städten sowie eine bessere bauliche Anpassung von Gesundheitseinrichtungen.
Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand der Umweltorganisation Greenpeace, sagte dem „Handelsblatt“, notwendig sei ein „neuer Ernst im Umgang mit Klimaschutz und Klimaanpassung“. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) solle diesen Hitzesommer als „Weckruf“ begreifen und seine Politik auf eine durchdachte und konsequente Klimastrategie ausrichten.
Auch die „Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit“ (KLUG) fordert mehr Mittel für Hitzeschutz im Gesundheitswesen. In Europa fließe nur 0,07 Prozent des Fördergeldes zur Klimaanpassung in den Gesundheitsbereich, heißt es in einer gestern von KLUG und europäischen Partnerverbänden veröffentlichten Erklärung. (ter)
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