Mehr Check-ups und gezielte Angebote – Warken startet Präventionsoffensive
Deutschland schneidet bei der Prävention bisher schlecht ab. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will nun umsteuern. Gemeinsam mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) und der Bundesärztekammer (BÄK) rief die CDU-Politikerin eine Präventionsoffensive aus. Ziel sei es, Prävention auf breiter Front auszubauen und zentrale Akteure einzubinden. „Wir wollen Gesundheit stärker fördern, Krankheiten verhindern und Prävention stärker im Alltag der Menschen verankern“, sagte Warken zum Auftakt. „Das Gesundheitssystem kann hier besser werden, aber auch nicht alles leisten.“ Prävention sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, betonte Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-SV, gegenüber G+G. „Um alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen, müssen auch andere Akteure Verantwortung übernehmen.“ Das gelte etwa für Bund, Länder und Kommunen.
Bereits beim ersten Deutschen Präventionsgipfel des AOK-Bundesverbandes Anfang März hatte Warken die Rolle der Prävention betont. Laut dem „Public Health Index“ von AOK und Deutschem Krebsforschungszentrum rangiert Deutschland bei Präventionsmaßnahmen auf dem vorletzten Platz unter 18 untersuchten Staaten Zentral- und Nordeuropas. Obwohl sich Deutschland das teuerste Gesundheitswesen der EU leistet, liegen die Deutschen bei Lebenserwartung und gesunder Lebenszeit unter dem Durchschnitt. Einem Konzeptpapier aus dem Bundesgesundheitsministerium zufolge erreichen sie gerade 62,4 gesunde Lebensjahre, der EU-Schnitt hingegen 65,2.
In den kommenden Monaten will Warken mit beteiligten Akteuren Handlungsfelder identifizieren. Sie will das Präventionsgesetz von 2015 so weiterentwickeln, dass Ressourcen stärker auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet sind. Dazu sollen der Leistungsauftrag der Kassen konkretisiert sowie individualisiert und ihr Handlungsspielraum erweitert werden. Angedacht sind etwa ein verpflichtendes Einladewesen für Kinder und Jugendliche zu Vorsorgeuntersuchungen, ein „Check-up 60+“ für Ältere und gezielte Angebote der Kassen für Versicherte auf Basis ihrer Daten. In der Fort- und Weiterbildung von Gesundheitsberufen soll Prävention eine größere Rolle spielen. „Wer heute in wirksame Prävention investiert, verhindert morgen vermeidbare Erkrankungen“, sagte Bäk-Präsident Klaus Reinhardt.
Als weiteren Baustein sieht Warken das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG). Bei Entlassung von Pflegebedürftigen aus Klinik oder Reha-Einrichtung soll die Pflegekasse den Entlassungsbericht auch an die neue Pflegebegleitung übermitteln können. Kleine und mittlere Betriebe sollen mehr Unterstützung bei der Gesundheitsförderung erhalten. Bei Präventionsmaßnahmen sollen die Kassen Versicherten auf die Angebote der Rentenversicherung hinweisen dürfen. Bund, Länder und Kommunen sollen bei politischen Entscheidungen die Auswirkungen auf die Gesundheit stärker berücksichtigen. (cm)
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