Update

Notfallreform: AOK fordert mehr Mut zur Steuerung

09.07.2026 2 Min. Lesedauer

AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann fordert deutliche Nachbesserungen an der Notfallreform. Ohne eine verbindliche Steuerung der Hilfesuchenden in die passende Versorgungsebene drohten zusätzliche Kosten, ohne dass Notaufnahmen nachhaltig entlastet würden, sagte sie anlässlich der ersten Lesung des Gesetzes im Bundestag. Die Reform gehe insgesamt aber „in die richtige Richtung“. Die Debatte soll am späten Donnerstagabend stattfinden.

„Wir müssen für Patientinnen und Patienten in Akut- und Notfallsituationen endlich einen strukturierten und nachvollziehbaren Zugang zur Versorgung sichern“, sagte Reimann. Der Gesetzentwurf sieht dafür unter anderem digital vernetzte Integrierte Notfallzentren (INZ) und eine stärkere Koppelung der Telefonnummer 116 117 mit den Rettungsleitstellen unter der 112 vor.

Gerade bei den geplanten INZ sieht Reimann jedoch entscheidende Schwachstellen. In den geplanten Zentren sollen Krankenhaus-Notaufnahme, Notdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung und zentrale Ersteinschätzung gebündelt werden. Gleichzeitig sieht der Gesetzentwurf aber vor, dass auch Krankenhausstandorte ohne INZ weiterhin ambulante Notfallversorgung anbieten dürfen. Damit droht aus Sicht des AOK-Bundesverbandes, dass „mit viel Geld und Aufwand“ neue Strukturen aufgebaut werden, ohne die Versorgung tatsächlich konsequent zu bündeln und zu steuern.

Auch fehle die Möglichkeit, Hilfesuchende nach der Ersteinschätzung im INZ „gezielt und verbindlich in die reguläre vertragsärztliche Versorgung weiterzuleiten“, kritisierte die Vorständin. Eine nachhaltige Entlastung der Notaufnahmen sei daher nicht zu erwarten.

Kritisch bewertet Reimann zudem die mit der Reform verbundenen Einsparerwartungen. Es drohten sogar Mehrkosten, die durch den Aufbau der notwendigen Strukturen entstehen könnten. „Die erwarteten Einsparpotenziale können mittel- und langfristig nur realisiert werden, wenn die Notfallreform mit den anderen anstehenden Reformvorhaben, wie der Krankenhausreform oder der geplanten Einführung eines Primärversorgungssystems, verbunden wird“, sagte die AOK-Chefin. Sonst entstünden durch die Reform nur zusätzliche Kosten, ohne dass eine bessere Versorgung oder eine wirksame Steuerung der Hilfesuchenden in die richtige Versorgungsebene erreicht werde. (sr)

Optionale Felder sind gekennzeichnet.

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.