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Notaufnahmen leiden vor allem unter Platz- und Personalnot

22.09.2026 2 Min. Lesedauer

Fast jede zweite Notaufnahme in Deutschland ist überlastet – teilweise so stark, dass die Patientensicherheit gefährdet ist. Rund die Hälfte aller Notaufnahmen beklagt zudem, die angespannte Situation habe sich in den vergangenen zwölf Monaten nochmals verschlechtert. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA) hervor, die „ZDF frontal" und dem „Spiegel" vorliegt. Hierfür befragte die DGINA 271 Notaufnahmen in allen Bundesländern zu ihrer Situation am Stichtag 2. Juni.

Demnach berichten 45 Prozent der Notaufnahmen für mindestens zwei Stunden überlastet gewesen zu sein. 8,1 Prozent davon erlebten eine schwerwiegende und 5,5 Prozent sogar eine kritische Überlastung. Für die Messung stützte sich die Gesellschaft auf eine international etablierte „Überlastungsampel“, den sechsstufigen Cedoc-Score. Der Grad der Auslastung reicht von Level 1 (entspannt) über Level 4 (stark) bis Level 6 (kritisch).

Laut DGINA-Befragung entsteht die Überlastung besonders häufig dadurch, dass Patienten nicht auf reguläre Stationen verlegt werden können, obwohl ihre akute Behandlung in der Notaufnahme abgeschlossen ist. 60,6 Prozent der befragten Häuser meldeten am Tag der Erhebung einen solchen „Exit Block“. Die Überlastung hängt auch mit der angespannten Personallage zusammen. Fast zwei Drittel der Krankenhäuser berichteten von unbesetzten Stellen in ihrer Notaufnahme im ärztlichen Dienst oder in der Pflege. Nur knapp ein Drittel bewertete die Personalausstattung mit Ärzten und Pflegekräften als ausreichend. DGINA-Präsident Martin Pin äußerte sich gegenüber dem ZDF erschrocken über den Befund. Aus großen internationalen Studien wisse man, dass „in solchen Belastungssituationen die Patientensicherheit gefährdet ist“.

Der Bundestag berät derzeit über einen Gesetzentwurf zur Reform der Notfallversorgung. Noch in diesem Herbst soll er im Bundestag verabschiedet werden. Trotz großer Einigkeit über die Notwendigkeit kritisierten die betroffenen Akteure bei der öffentlichen Anhörung vor knapp zwei Wochen im Bundestag vermeintliche Schwachstellen, wie etwa ungenügende Regelungen für die Ersteinschätzung Hilfesuchender. Diese müsse bundesweit standardisiert und qualitätsgesichert erfolgen, forderte der Gemeinsame Bundesausschuss.  Ärzte mahnten, die rund um die Uhr vorgesehenen Angebote zur ambulanten Notfallversorgung müssten sich angesichts knapper Personalressourcen am tatsächlichen Bedarf orientieren. Der AOK-Bundesverband warnte vor teuren und ineffizienten Doppelstrukturen. (bhu)

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