Hitze: Ruf nach gekühlten Heimen und Kliniken wird lauter
Mit der Hitzewelle hat sich der Druck auf Bund und Länder erhöht, Pflegeheime, Kliniken, Kitas und Schulen besser gegen hohe Temperaturen zu schützen. „Das rettet Menschenleben“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge im Deutschlandfunk. Sie forderte, solche Einrichtungen mit Klimaanlagen auszurüsten. Für die Finanzierung verwies sie auf das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität und verlangte ein „Abkühl-Sofortprogramm“.
Klimaanlagen sollten möglichst mit Solaranlagen kombiniert werden, so Dröge, damit der Strom gerade an heißen Tagen günstig erzeugt werde. Bund und Länder müssten die Kommunen unterstützen. Diese könnten den Umbau von Heimen, Kliniken, Schulen und Kitas nicht allein schultern. Aus Sicht der Grünen ließen sich Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen binnen zwei Jahren umrüsten, wenn die Finanzierung geklärt sei.
Nach der Bundestagsdebatte über baulichen Hitzeschutz rückt damit die Frage der Umsetzung in den Vordergrund. Der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, sieht hier vor allem die Politik in der Pflicht. Es gebe seit Jahren Hitzetote, sagte er im ARD-„Brennpunkt“. Notwendige Investitionen in Pflegeheime und Krankenhäuser fänden „de facto nicht statt“. Kliniken könnten sie selbst nicht finanzieren. Die Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Nicola Buhlinger-Göpfarth, forderte in der „Berliner Morgenpost“ ebenfalls mehr Unterstützung für Pflegeheime beim Hitzeschutz.
Auch der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warb für einen Kurswechsel. „Vorbehalte gegen Klimaanlagen sind falsch“, schrieb er auf X. Klimageräte könnten künftig Leben retten, gerade von ärmeren Menschen in heißen, kleinen Wohnungen. Der Stromverbrauch sei im Zeitalter erneuerbarer Energien kein Hindernis im Kampf gegen den Klimawandel.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sieht zunächst Länder und Kommunen in der Verantwortung. Sie seien für Investitionen in den Hitzeschutz zuständig und hätten dafür 100 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen erhalten, sagte er im Deutschlandfunk. Zugleich kündigte Schneider an, sich weiter für eine Beteiligung des Bundes einzusetzen.
Auch die WHO mahnte mehr Vorsorge an. Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bezifferte auf der Plattform X die Zahl der zusätzlichen Todesfälle in Europa seit dem 21. Juni auf mehr als 1.300. Wie akut die Lage in Deutschland ist, zeigen Einsätze der vergangenen Tage: In Krefeld etwa kollabierten mehrere Senioren in einer Pflegeeinrichtung. In Dormagen mussten Bewohner eines überhitzten Heims ins Krankenhaus gebracht werden. Im Gebäude herrschten 35 Grad. In Berlin setzte die Polizei Wasserwerfer ein, um mit Sprühnebel zu kühlen. (sr)
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