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Fachleute dringen auf Verbesserung der Long-Covid-Versorgung

01.10.2026 3 Min. Lesedauer

Long-Covid-Erkrankte erhalten nach Einschätzung von Experten in Deutschland nach wie vor zu wenig medizinische Hilfe. Viele Betroffene seien langanhaltend krank, teils an Haus und Bett gebunden, sagte Immunologin Carmen Scheibenbogen von der Charité heute in Berlin. „Viele warten lange auf eine Diagnose oder erhalten eine Fehldiagnose oder gar keine Diagnose.“ Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Verbesserung der Versorgungsstruktur sei bis heute kaum umgesetzt. Um die Versorgungslücken zu schließen, legte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina eine Stellungnahme mit 35 Handlungsoptionen vor.

Rund 1,5 Millionen Menschen leben aktuellen Studien zufolge in Deutschland mit den postinfektiösen Erkrankungen Long-Covid oder dem Erschöpfungssyndrom ME/CFS und sind auf umfassende medizinische Versorgung angewiesen. Die Hausärzte stehen laut Scheibenbogen vor der großen Herausforderung, „dass adäquate Versorgungsstrukturen fehlen". Sie hätten es teilweise mit schwer kranken, komplexen Patienten zu tun, aber nicht die Möglichkeit, diese in Spezialambulanzen weiterzuschicken.

Von den mehr als 30 Empfehlungen der Leopoldina stünden unter anderem vier Punkte im Fokus, stellte Vizepräsidentin Regina Riphahn heraus. Um postinfektiöse Erkrankungen besser zu diagnostizieren und zu behandeln, brauche es eine bessere Datenlage, um zum Beispiel Biomarker für Long-Covid zu identifizieren. Das sei eine wichtige Voraussetzung für die Diagnose sowie die Forschung an Medikamenten und Therapien, betonen die Autoren. Daher sollte die Möglichkeit von Datenspenden über die elektronische Patientenakte breit ausgerollt werden, so Riphahn. Darüber hinaus sei es wichtig, „ein nationales medizinisches Register für die ganze Breite der postinfektiösen Erkrankungen aufzubauen". 

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Bei der Verknüpfung von Daten müssten auch nichtmedizinische Merkmale nutzbar sein wie Bildung, Familienstand und Migrationshintergrund. Nur so lasse sich die Ungleichheit bei Betroffenheit und Versorgung erforschen oder über die Arbeitsmarktfolgen der Erkrankung für Personen und Betriebe etwas lernen, unterstrich Riphahn. „Um dies zu ermöglichen, müssen die Gesundheitsdaten in den Anwendungskreis des geplanten Forschungsdatengesetzes eingebracht werden." Dieses Gesetz stehe auf der Agenda der Regierung und könne schnell beschlossen werden. Darüber hinaus müssten Impfdaten besser verfügbar sein.

Mit Blick auf künftige Pandemien könnten nach Einschätzung der Leopoldina-Vizepräsidentin die Erfahrungen mit Long-Covid auch dazu beitragen, schneller Strategien zu entwickeln. Das helfe auch gesamtgesellschaftlich: „Langfristig werden die wirtschaftlichen Kosten postinfektiöser Erkrankungen auf 0,1 bis 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt.“ (imo)

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