Kliniken verfügen kaum über klimatisierte Patientenzimmer
Der Hitzeschutz in den meisten deutschen Kliniken ist unzureichend. 59 Prozent der Krankenhäuser können keines ihrer Patientenzimmer kühlen, wie aus einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) hervorgeht. In den verbleibenden 41 Prozent der Einrichtungen lassen sich im Mittel elf Prozent der Räume kühlen, beispielsweise über Klimaanlagen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) als Auftraggeberin der Studie kritisierte fehlendes Geld.
Der Grund für den Geldmangel sei die seit Jahrzehnten unzureichende Investitionskostenfinanzierung der Länder, sagte DKG-Chef Gerald Gaß. Trotz gesetzlicher Pflicht, die tatsächlich anfallenden Kosten für zum Beispiel Bauten und technische Infrastruktur zu tragen, seien derzeit gerade 60 Prozent davon gedeckt. Entschiedenes Handeln sei jetzt notwendig, damit die Kliniken bis zum Sommer 2027 ihre Gebäude zügig mit Kühltechnik nachrüsten könnten. Der Erhebung zufolge fällt der Anteil von Kliniken mit aktiver Raumkühlung in den Allgemeinkrankenhäusern mit 44 Prozent deutlich höher aus als in den Psychiatrien (27 Prozent).
Auch über den Hitzeschutz zuhause wird weiter diskutiert. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig brachte mögliche Änderungen des Mietrechts ins Spiel. Vorstellbar seien beispielsweise Erleichterungen für Mieterinnen und Mieter, ihre Wohnungen mit Klimaanlagen oder Sonnenblenden auszustatten, sagte die SPD-Politikerin der „Rheinischen Post“ (RP). „Ein besserer Schutz vor den Folgen des Klimawandels muss insgesamt zu einem Schwerpunktthema der Politik werden.“
Zuletzt hatten sich die SPD-Bundesminister für eine Verankerung der Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz ausgesprochen. Hubig schloss sich dem explizit an. Die Union hingegen ist skeptisch.
Laut dem Robert-Koch-Institut gab es in diesem Sommer bereits rund 12.500 Hitzetote. Der größte Anteil hitzebedingter Sterbefälle entfiel auf die Altersgruppen ab 75 Jahren. „Es ist traurig, dass es erst mehr als zehntausend Hitzetote brauchte, bis die Politik das Problem überhaupt auf die Tagesordnung genommen hat. Jetzt heißt es, möglichst schnell aus der Diskussion heraus und ins Handeln zu kommen“, forderte Gaß. Für den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBFK) bestehen mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität erhebliche finanzielle Spielräume, um Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen auf die Folgen der Klimakrise vorzubereiten. (bhu)
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