Mediziner machen Vorschläge für bessere Krisenvorbereitung
Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) mahnt eine bessere Vorbereitung auf die medizinische Versorgung im Krisen- und Bündnisfall an. Das geplante Gesundheitssicherstellungsgesetz müsse für klare Zuständigkeiten und Rechtssicherheit im Ernstfall sorgen, fordert die Fachgesellschaft in ihrem heute veröffentlichten Weißbuch „Traumatologische Versorgung in Katastrophe, Krise, Krieg (3K)“. Dafür könnten bestehende Traumanetzwerke in die nationale Krisenstruktur eingebunden werden. Medizinisches Personal müsse regelmäßig und gezielt trainiert, die Krankenhäuser müssten krisenfest gemacht werden.
„Gesundheitspolitik muss als Teil der nationalen Sicherheitsvorsorge verstanden werden“, betonte Sascha Flohé, Generalsekretär der Fachgesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Dafür brauche es keine Parallelstrukturen. Stattdessen ließen sich bewährte Verbünde wie die bestehenden DGU-Traumanetzwerke weiterentwickeln. Diese seien schon heute das Rückgrat der Schwerverletztenversorgung in Deutschland und könnten im Bündnisfall maßgeblich dazu beitragen, Kriegsverletzte und die zivile Bevölkerung bestmöglich zu versorgen, erläuterte DGOU- und DGU-Präsident Frank Hildebrand. Die Traumanetzwerke sind laut Fachgesellschaft „eine der größten und am besten strukturierten Versorgungsnetzwerke für Schwerverletzte weltweit“. Einbezogen seien mehr als 600 zertifizierte Kliniken in über 50 regionalen Verbünden.
Die Versorgung Schwerverletzter im Krisen-, Katastrophen- und Bündnisfall könne nur interdisziplinär und multiprofessionell gelingen, betonen die Autoren des Weißbuchs. An dessen Erarbeitung waren deshalb auch der Sanitätsdienst der Bundeswehr und weitere medizinische Fachgesellschaften beteiligt. Ein Vorbild für interdisziplinäre Kooperation seien die seit Juni 2026 zertifizierten orthoplastischen Kompetenzzentren Deutschlands. Dort arbeiteten Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Plastische und Rekonstruktive Chirurgie eng zusammen, um komplexe Explosions- und Mehrfachverletzungen bestmöglich zu versorgen.
Die Initiative für ein Gesundheitssicherstellungsgesetz geht auf den ehemaligen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zurück, der das Gesundheitswesen als Reaktion auf Pandemie und Russland-Krieg besser für Krisen und militärische Konflikte wappnen wollte. Durch das Aus der Ampel-Koalition wurde das Vorhaben nicht mehr umgesetzt. Lauterbach-Nachfolgerin Nina Warken (CDU) hatte es jedoch aufgegriffen und zuletzt für Spätsommer dieses Jahres einen Gesetzentwurf angekündigt.
Der Deutsche Ärztetag hatte die Bundesregierung im Mai aufgefordert, die Krisenvorbereitung nicht auf Bündnis- oder Verteidigungsfall zu beschränken, sondern auch Pandemien, Naturkatastrophen und eine Schädigung der kritischen Infrastruktur einzubeziehen. (bhu)
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