Experte fordert Schlafapnoe-Screening
Schlafstörungen bringen nicht nur gesundheitliche Nachteile, sondern verursachen auch hohe Kosten. Es koste mehr, etwa an Schlafapnoe Erkrankte nicht zu behandeln, als sie zu behandeln, betonte der Facharzt Winfried Randerath heute auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Der Experte forderte ein Screening, um Betroffene, die an nächtlichen Atemaussetzern leiden, gezielt aufzuspüren. Die Folgekosten der Erkrankung lägen laut einer aktuellen Studie europaweit jährlich bei etwa 180 bis 190 Milliarden Euro, sagte Randerath.
Die Erkrankung kommt laut Randerath vor allem im höheren Alter vor, betrifft aber alle Altersgruppen. Weltweit seien Schätzungen zufolge „eine Milliarde vom Säugling bis zum Greis“ betroffen. Der Atemstillstand in der Nacht habe erhebliche Folgen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Der Schlaf werde gestört durch Aufwachen. In der Folge komme es zu Tagesschläfrigkeit und Ausfallzeiten bei der Arbeit, so der Facharzt. Das Unfallrisiko erhöhe sich um ein Dreifaches. Insgesamt führe dies zu einer „ökonomischen Last“.
Wie bei vielen andern Krankheitsbildern auch, hätten Menschen „mit niedrigem sozialem Status ein erhöhtes Risiko“ für Schlafapnoe. Ebenso bleibe die Erkrankung bei Frauen häufiger unentdeckt als bei Männern. Ein Drittel der Betroffenen weltweit leide an mindestens vier Begleiterkrankungen. Der Sauerstoffmangel durch Atemstillstand im Schlaf wirke sich auf die verschiedensten Organe aus, „insbesondere auf das Herz-Kreislauf-System und das Gehirn“, erläuterte der Pneumologe. Auch die Sterblichkeit steige bei Schlafapnoe. Wichtigster Risikofaktor für eine Erkrankung sei Adipositas.
„Wir müssen investieren in Screening und Behandlung. Wir müssen die Patienten suchen, denn wir wissen, wenn wir sie finden und behandeln, dann spart das tatsächlich Geld“, lautete der Appell des Facharztes an die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik. Telemedizin könne zudem einen wichtigen Beitrag bei der Begleitung von Patientinnen und Patienten leisten. Hier fehle immer noch eine Vergütung.
Welche enormen Auswirkungen unzureichender Schlaf auch auf das Organ Haut hat, führte DGSM-Tagungspräsidentin und Dermatologin Caroline Mann vor Augen. So läge etwa eine Anfälligkeit für Schuppenflechte zwar in den Genen. Doch Schichtarbeit könne die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs steigern.
Die Zahl der Schlafstörungen, die als Erkrankung anzusehen sind, liegen laut DGSM-Tagungspräsident Hans-Günter Weeß bei zehn Prozent. In den vergangenen Jahren sei das Problem kontinuierlich größer geworden. Bei einer Forsa-Umfrage des AOK-Bundesverbandes gaben rund 70 Prozent der Befragten an, weniger als sieben Stunden pro Nacht zu schlafen. (imo)
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