Verbändebündnis: Klimapolitik an Kindeswohl ausrichten
Angesichts der spürbaren Folgen der Klimakrise wie extremer Hitze fordern mehr als 80 Organisationen, das Kindeswohl zum Maßstab der Klimapolitik zu machen. „Kinder haben die Klimakrise nicht verursacht, sind aber besonders lange und schwer von ihren Folgen betroffen“, sagte Sabine Andresen, Präsidentin des Kinderschutzbundes. Nach Daten des EU-Klimadienstes Copernicus war der August weltweit der wärmste Monat seit Aufzeichnungsbeginn und der Sommer der bisher heißeste für Westeuropa.
In einem gemeinsamen Positionspapier appellieren die Verbände und Organisationen an Bund, Länder und Kommunen, ihre Klima- und Anpassungspolitik konsequent am Kindeswohl auszurichten. Das breite Bündnis, dem unter anderem die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), der Kinderschutzbund sowie die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) angehören, formuliert drei zentrale Forderungen: „Klimaschutz konsequent umsetzen, Klimaanpassung kindgerecht gestalten und Kinder sowie Jugendliche verbindlich beteiligen.“ Dazu zählen etwa Hitzeschutzkonzepte für Kitas und Schulen sowie gesunde und klimaresiliente Lebensräume für Kinder.
Die Expertinnen und Experten warnen vor den weitreichenden Folgen des Klimawandels. „Die Klimakrise ist längst eine Gesundheitskrise für Kinder und Jugendliche“, mahnte Ursula Felderhoff-Müser, Vorstandsvorsitzende des Bündnisses Kinder- und Jugendgesundheit. Diese gehörten zu den vulnerabelsten Bevölkerungsgruppen, weil ihre körperliche und psychische Entwicklung besonders empfindlich auf Hitze, Luftschadstoffe und Extremwetterereignisse reagiere.
Auch die Studie „2026 Europe Cities Report“ zählt Kinder und Jugendliche zu den Risikogruppen. Der Bericht weist auf zunehmende klimabedingte Gesundheitsgefahren in Europas Städten hin – etwa neue Infektionskrankheiten, der Anstieg von Allergien durch Pollen sowie mehr hitzebedingte Todesfälle. So sei die Zahl der Hitzetoten in allen untersuchten Städten um 98,7 Prozent von 2015 bis 2024 im Vergleich zu 1991 bis 2000 gestiegen. Laut Daten des Robert-Koch-Instituts starben hierzulande bis Ende August 16.300 Menschen im Zusammenhang mit Hitze.
Der Bericht für europäische Städte belegt daneben eine um 60 Prozent gestiegene Verbreitung von Nicht-Cholera-Vibrionen in Deutschland. Die Bakterien können unter anderem Wundinfektionen und Magen-Darm-Erkrankungen auslösen. Die Studienautoren sehen noch zu geringe Anstrengungen zum Schutz der Menschen. Es sei auch bedenklich, dass die Bedeckung mit Bäumen in deutschen Städten von 2000 bis 2020 durchschnittlich um knapp zwei Prozent abgenommen habe. Dabei kämen Stadtbäume der Gesundheit direkt zugute. Sie reduzierten Hitzestress, seien gut für die Psyche und verbesserten die Luftqualität. (imo)
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