Update

Forscher: Klimakrise als Welt-Gesundheitsnotstand einstufen

28.10.2026 3 Min. Lesedauer

Trotz kleiner Fortschritte im Kampf gegen den Klimawandel steigen die weltweiten Gesundheitsgefahren für Menschen durch Hitze, Extremwetter und Infektionskrankheiten immer stärker an. Davor warnt ein Forschungsteam in seinem heute in „The Lancet“ veröffentlichten Bericht. Die Fachleute fordern deshalb, die Klimakrise als „globalen Gesundheitsnotstand“ offiziell anzuerkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Die bisherigen Anstrengungen seit Inkrafttreten des Pariser Abkommens 2016 zum Klimaschutz reichten nicht aus.

Laut dem Bericht, der unter der Leitung des University College London in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO erstellt wurde, waren die zurückliegenden elf Jahre die heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen. So stieg die Zahl hitzebedingter Todesfälle 2023 weltweit auf einen Rekordwert von 710.000 Menschen. Mehr als 70 Prozent davon seien auf den von Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen. Die durchschnittliche jährliche Anzahl an Hitzetoten erhöhte sich dem Report zufolge in den Jahren nach dem Pariser Abkommen im Vergleich zum vorherigen Jahrzehnt um fast 36 Prozent.

Die Folgen der Klimakrise wirkten sich daneben negativ auf die Wirtschaft aus. Hitzewellen schmälerten die Produktivität der Menschen und kosteten die globale Wirtschaftsleistung 2025 schätzungsweise 1,07 Billionen US-Dollar. Extreme Dürre habe in den vergangenen Jahren ebenfalls zunehmend Probleme bereitet. 2025 war mehr als die Hälfte der Landfläche mindestens einen Monat davon betroffen. Das sei der zweithöchste Stand seit Beginn solcher Erhebungen. Die Lebensgrundlagen vieler Menschen seien dadurch gefährdet, mahnen die Autoren.

Der Bericht führe vor Augen, dass der Klimawandel schon jetzt die Gesundheit in allen Regionen der Welt schädige und sich viele dieser Auswirkungen beschleunigten, unterstrich Diarmid Campbell-Lendrum, Leiter der WHO-Abteilung Klimawandel, Luftqualität, Energie und Gesundheit. Klimaschutzmaßnahmen stellten somit auch eine Gesundheitsmaßnahme dar, betonte der WHO-Experte.

Illustration einer stark aufgeheizten Stadtstraße in Rot- und Orangetönen. Mehrere Menschen suchen Schutz vor der Hitze, halten Wasserflaschen oder beschatten sich, während die Sonne zwischen den Gebäuden steht.
Auf über 41 Grad kletterte das Thermometer Ende Juni 2026 an einigen Orten in Deutschland. Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass die Temperaturrekorde dieses Sommers mehr als 16.300 Menschenleben gekostet haben. Der Hitzeschutz braucht deshalb dringend mehr Verbindlichkeit.
15.09.2026Silke Böttcher11 Min

Obwohl die Studie zwar Fortschritte in den Bereichen erneuerbare Energien, Vorsorge der Gesundheitssysteme und gesundheitsschützende Regulierung dokumentiere, reiche das nicht aus, heißt es vonseiten des mitwirkenden Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Denn die Maßnahmen seien nach wie vor zu langsam und zu wenig aufeinander abgestimmt, um die wachsenden Gesundheitsrisiken auszugleichen. 

Das mehr als 140-köpfige Team des Lancet-Berichts fordert daher, gesundheitliche Aspekte in alle Entscheidungen zu Klimaschutz, -anpassung und -finanzierung zu integrieren. Zu den Prioritäten gehörten eine schnellere Reduzierung von Treibhausgasemissionen sowie mehr Investitionen, um die Resilienz von Gesundheitssystemen zu stärken. Kritisch sieht das Forschungsteam den Rückzug der USA aus dem Pariser Abkommen, die erheblich zu Treibhausgasemissionen beitragen. (imo)

Optionale Felder sind gekennzeichnet.

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.