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Viele Erwachsene mit angeborenem Herzfehler unterversorgt

06.08.2026 2 Min. Lesedauer

Rund zwei Drittel der 350.000 Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH) in Deutschland sind Experten zufolge unterversorgt. Die Deutsche Herzstiftung und Herzspezialisten für EMAH zeigen sich angesichts dieser Zahlen alarmiert. Eine fachgerechte Nachsorge durch einen Spezialisten sei lebenswichtig, erläuterte Bernhard Schwaab, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. Die Organisation startete heute eine bundesweite Informationskampagne zum Thema. Aus Sicht der Herzstiftung sind mehr spezialisierte und zertifizierte Nachsorge, bessere Übergänge aus der Kinder- in die Erwachsenenmedizin, stärkere Aufklärung von Betroffenen und Hausärzten sowie ein Ausbau von Reha-, Präventions- und Vernetzungsstrukturen nötig.

Die Ursachen für die Versorgungslücke sind laut Herzstiftung vielfältig. So fühlten sich Betroffene gesund und unterschätzten die Bedeutung der lebenslangen Nachsorge. Viele wüssten zudem nicht, dass sie lebenslang regelmäßige Kontrolluntersuchungen benötigten. Auch betreuende Ärzte der Grundversorgung wie Haus- und Allgemeinärzte, Internisten, allgemeine Kardiologen sowie weitere Fachärzte seien oft nicht ausreichend über die Notwendigkeit einer spezialisierten Nachsorge und über die vorhandenen spezialisierten Versorgungsstrukturen informiert, kritisierte die Stiftung.

Darüber hinaus sei der Übergang von der Kinderkardiologie zur Versorgung Erwachsener nicht immer strukturiert und lückenlos gewährleistet, sodass die spezialisierte Betreuung zu oft mit dem Ende der kinderkardiologischen Betreuung ende. Im Grenzbereich könne dieser Übergang für die heranwachsenden Patienten belastend sein, „weil sie die seit ihrer Kindheit vertraute Versorgungsumgebung und den bestens mit ihrem Herzfehler vertrauten Kinderkardiologen verlassen“, berichtete die Freiburger Kinderkardiologin Brigitte Stiller vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. „Umso wichtiger ist deshalb eine intakte und flächendeckend funktionierende Transitionsstruktur für diesen Übergang.“ 

Nach Angaben der Herzstiftung kommen jährlich etwa 7.000 Neugeborene mit einem Herzfehler zur Welt. Dank medizinischer Innovationen in Kinderkardiologie, Herzchirurgie und durch Fortschritte in der medikamentösen Therapie erreichten heute über 95 Prozent der Kinder mit angeborenem Herzfehler das Erwachsenenalter. „Wir erleben eine historische Trendwende, indem jetzt mehr Erwachsene als Kinder mit einem angeborenen Herzfehler leben“, unterstrich Schwaab. (bhu)

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