WIdO-Analyse: Hybrid-DRGs verfehlen ihr Ziel
Ambulante Einrichtungen und Kliniken haben 2025 mit sogenannten Hybrid-DRGs erneut mehr Leistungen erbracht und höhere Erlöse erzielt als im Jahr davor. Nach Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) wurden 2025 rund 17 Prozent mehr Fälle über die sektorengleichen Fallpauschalen abgerechnet als 2024. Für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) stiegen damit die inflationsbereinigten Ausgaben in dem Bereich um 14 Prozent, das entspricht 360 Millionen Euro. Angesichts der Ausgaben- und Mengenentwicklung forderte Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, nachzusteuern: „Die Hybrid-DRGs sind zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht.“ Für 2026 prognostiziert das WIdO einen weiteren Anstieg der Ausgaben und Behandlungsfälle.
Hybrid-DRGs sind Fallpauschalen, mit denen bestimmte Eingriffe in vertragsärztlichen Einrichtungen und Kliniken seit 2024 gleichermaßen vergütet werden. Die Verlagerung von Krankenhaus-Leistungen in den ambulanten Bereich, die gefördert werden soll, führe nicht zu der erwarteten günstigeren Versorgung, sagte Reimann. Für rund 1,3 Millionen Behandlungen, die 2025 über Hybrid-DRGs abgerechnet wurden, gaben die gesetzlichen Krankenkassen etwa 2,9 Milliarden Euro aus. Das berechnete das WIdO auf Basis eines „Warenkorbs“ entsprechender Leistungen. Die Verlagerung stationärer Fälle in den ambulanten Bereich blieb dabei aus.
„Bei den Vertragsärzten gibt es aufgrund der lukrativen Vergütung durch die Hybrid-DRGs starke Anreize für eine Mengenausweitung“, stellte Reimann fest. „Aber auch im Krankenhausbereich, wo insgesamt viel mehr Eingriffe durchgeführt werden, ist eine Mengensteigerung zu sehen.“ Während 2025 im vertragsärztlichen Bereich 65 Prozent mehr Hybrid-DRG-Fälle abgerechnet wurden als 2024, lagen die Fallzahlen im stationären Sektor ebenfalls sechs Prozent höher als im Jahr davor. Diese Effekte berechnete das WIdO auf der Basis von Routinedaten der AOK, die Ergebnisse wurden anschließend auf die gesamte GKV projiziert.
Die Studie zeige ein grundsätzliches Dilemma starker Vergütungsanreize, sagte Institutsleiter und Co-Autor David Scheller-Kreinsen: „Im Sinne eines lernenden Systems braucht es jetzt schnell Preisanpassungen, damit die günstigere ambulante Versorgung sich auch in niedrigeren Preisen widerspiegelt und starke Mengenanreize beseitigt werden.“ Erste Daten des Jahres 2026 deuten bereits auf weitere Mengen- und Ausgabeneffekte hin: Der Vergleich des ersten Quartals mit demselben Zeitraum des vergangenen Jahres zeigt ein erneutes Plus von fünf Prozent bei den Fallzahlen und von sieben Prozent bei den Ausgaben. Neben den wirtschaftlichen Aspekten suchten die Autoren auch nach Risiken der Versorgung. Hinweise auf qualitative Probleme der ambulanten Behandlung gab es dem WIdO zufolge aber nicht. (asc)
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