Guter Hitzeschutz senkt Erkrankungen und Produktionsausfälle
Maßnahmen zum Hitzeschutz bieten ein erhebliches Potenzial für Prävention und den Erhalt der Arbeitsfähigkeit. Aktuelle Befragungen zeigten, dass sich ein erheblicher Teil der Beschäftigten durch Hitze stark belastet fühlte, berichten vier Wissenschaftlerinnen in der aktuellen G+G Wissenschaft. „Mit rund 46 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland im Jahr 2025 ist die Arbeitswelt eines der größten Präventionssettings“, schreiben die Autorinnen. „So berichtet etwa jede dritte erwerbstätige Person, dass Hitzewellen ihre Gesundheit spürbar beeinträchtigen und sich dies auch auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirkt.“ Zudem entstünden durch Hitze erhebliche wirtschaftliche Schäden.
Ein Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) schätzt demnach die betriebswirtschaftlichen Kosten pro Hitzetag in Deutschland auf 432 Millionen Euro. „Etwa 97 Prozent dieser Kosten entstehen durch Produktionsverluste, während nur ein vergleichsweise kleiner Anteil auf hitzebedingte Arbeitsunfähigkeiten oder Arbeitsunfälle zurückzuführen ist“, bilanzieren die Expertinnen aus den Fachgebieten Humanmedizin, Psychologie, Humangeografie beziehungsweise Erziehungswissenschaften.
Die Auswirkungen von Hitze variieren nach Angaben der vier Wissenschaftlerinnen deutlich nach Geschlecht, Alter und beruflicher Tätigkeit. Arbeitsunfähigkeit aufgrund direkter Hitzeeinwirkung sei bei Männern häufiger als bei Frauen. Das gelte zum Beispiel für Beschäftigte im Baugewerbe, in der Land- und Forstwirtschaft sowie in Verkehr und Lagerei. Kreislaufbezogene Diagnosen träten häufiger bei Frauen sowie im Gesundheits- und Sozialwesen und in der öffentlichen Verwaltung auf. „Auffällig ist zudem eine klare Altersabhängigkeit: Hitzeassoziierte Arbeitsunfähigkeiten betreffen überdurchschnittlich häufig jüngere Erwerbstätige, insbesondere unter 25 Jahren“, heißt es in dem Beitrag von Caroline Quartucci, Verena Kantrowitsch, Hannah Lehmann und Julia Hellmann.
Die Autorinnen verweisen darauf, dass die technischen Regeln für Arbeitsstätten klare Vorgaben für den Umgang mit der Raumtemperatur machen: Ab 26 Grad Celsius seien Vorkehrungen hilfreich, ab 30 Grad müssten verschiedene Maßnahmen ergriffen werden und ab 35 Grad sei ein Raum ohne Hilfsmittel wie Luftduschen und Wasserschleier nicht mehr zum Arbeiten geeignet. Sinnvoll seien auch betriebliche Hitzeschutzpläne, zu deren Erstellung es bereits betriebsunabhängige Handlungsempfehlungen im Rahmen eines vom BMAS geförderten Projekts gebe. „Wenn Beschäftigte erleben, dass Klimaanpassung im Arbeitsalltag tatsächlich funktioniert, und wenn Schutzmaßnahmen als hilfreich wahrgenommen werden, dann kann dies Vertrauen in die gemeinsame Bewältigung zukünftiger Herausforderungen stärken.“ (ink)
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