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Bosch-Studie warnt vor 12.000 freien Hausarztsitzen bis 2040

20.07.2026 3 Min. Lesedauer

Die stark sinkende Zahl von Hausärztinnen und Hausärzten gefährdet laut einer Studie der Robert-Bosch-Stiftung die von der Bundesregierung geplante Primärversorgung mit Hausarztpraxen als zentraler Anlaufstelle für alle medizinischen Anliegen. Nach der vom Iges-Institut durchgeführten Analyse, die G+G vorliegt, könnten bis zum Jahr 2040 mehr als 12.000 Hausarztsitze vakant sein. Damit wären fast 20 Prozent aller Landkreise hausärztlich unterversorgt, weitere 15 Prozent befänden sich an der Grenze zur Unterversorgung, erläutern die Autoren. Als Lösung empfehlen die Autorinnen und Autoren „eine stärker interprofessionelle und mit den regionalen Strukturen kooperierende Versorgung“.

Besonders stark wären laut Prognose Landkreise in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz betroffen. Die demografische Entwicklung ist nicht neu. Auch Iges führt an, dass bereits 2025 ein Drittel der praktizierenden Hausärztinnen und Hausärzte 60 Jahre alt oder älter war. Zugleich sorge die Präferenz des Medizinernachwuchses für flexible Arbeitsmodelle mit angestellter Tätigkeit oder Teilzeitmodellen dafür, dass trotz leicht steigender Hausarztzahlen die Versorgungsdichte abnehme. Laut Prognose könnte sie bis zum Jahr 2040 fünf Prozent niedriger liegen als derzeit.

Untersucht wurde in der Studie außerdem die Entwicklung der nichtärztlichen Gesundheitsberufe in Baden-Württemberg. Diesen kommt im von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geplanten Primärversorgungsmodell mit interprofessioneller Teamarbeit große Bedeutung zu. Der Analyse zufolge sind in den Praxen in Baden-Württemberg rund 1.600 sogenannte nichtärztliche Praxisassistentinnen und -assistenten (NäPA) tätig. Zudem arbeiten in 65 Prozent der Praxen, die an der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) im Land teilnehmen, 3.600 Personen als „Versorgungsassistenz in der Hausarztpraxis“ (Verah).

Eine Lösung der Probleme durch weniger Hausärzte erwarten die Studienautoren „am ehesten von einer konsequenten Umsetzung der Kernfunktion einer umfassenden Primärversorgung“. Dafür müssten die Rahmenbedingungen für eine stärker interprofessionelle und mit den regionalen Strukturen kooperierende Versorgung geschaffen werden. Auch die Bertelsmann-Stiftung hatte in einer Studie vom März dieses Jahres festgestellt, dass sich der Hausärztemangel beheben lasse, wenn qualifizierte Gesundheitskräfte in größerem Umfang ärztliche Aufgaben übernähmen. Die Studie wird am Abend bei einer Veranstaltung der Bosch-Stiftung in Stuttgart vorgestellt.

Die AOK Baden-Württemberg, die das Modell der HzV bereits vor 17 Jahren eingeführt hatte, verweist auf deutliche Vorteile durch eine hausärztliche Steuerung. Laut der im Januar vorgestellten jüngsten Evaluation gab es 2022 rund 1,36 Millionen weniger unkoordinierte Facharztbesuche ohne Überweisung. Zudem sei eine bessere Versorgungsqualität bei geringeren Kosten erreicht worden. (tie)

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