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Frauenrat fordert mehr geschlechtersensible Versorgung

29.04.2026 2 Min. Lesedauer

In Politik und Gesundheitsversorgung fehlt noch immer ein umfassendes Verständnis von Gesundheit, Diversität, Intersektionalität und Barrierefreiheit. Dieses Fazit hat Regine Rapp-Engels, Vorstandsmitglied des Deutschen Frauenrat, auf der gestrigen digitalen Veranstaltung des Vereins zum Thema „Gesundheit und Geschlecht“ gezogen. „Trotz Datenlücken haben wir kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Der Health-in-all-Policies-Ansatz sei in der Gesundheitsversorgung und in der Politik noch nicht verbreitet, monierte die Medizinerin Rapp-Engels.

Darauf, dass Frauen in vielen Studien unterrepräsentiert sind, verwies die Pharmakologin Petra Thürmann von der Universität Witten/Herdecke. Als Beispiel führte sie eine schwedische Herzinfarkt-Studie an, an der vornehmlich Männer teilnehmen durften. Ein Grund dafür: Menschen hätten nach Herzerkrankungen vermehrt Depressionen, von Depressionen seien Frauen generell stärker betroffen und Menschen mit Depressionen würden von Studien meist ausgeschlossen. Auch bei Darmkrebsstudien würden wenig Frauen inkludiert, obwohl sie häufiger daran erkrankten als Männer.

„Die Stärkung der Frauengesundheit und der geschlechtersensiblen Medizin habe ich zu einem Schwerpunkt meiner Arbeit gemacht“, sagte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, die auch Vorsitzende der Frauenunion der CDU ist, in einem Grußwort. Anfang 2026 seien zwei Förderrichtlinien mit einem Umfang von zusammen bis zu zehn Millionen Euro gestartet. Das Bundesgesundheitsministerium fördere zum einen Projekte für eine stärker patientinnenzentrierte Versorgung und zum anderen den Aufbau wissenschaftlicher Nachwuchsgruppen in der Versorgungsforschung für Frauen. Auch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt unterstützt seit 2017 geschlechtersensible Forschung. Seit 2025 hat es ein Referat für Frauengesundheit.

Bunte Illustration einer Frau, die auf einem OP-Tisch liegt mit Klinikpersonal um sie herum
Ob bei Diagnostik oder Therapien: Noch immer werden Frauen nicht optimal versorgt – mit teilweise gravierenden Folgen. Die Geschlechtersensible Medizin soll Nachteile verringern.
19.02.2024Vera Laumann12 Min

Die Berliner Medizinerin Gabriele Kaczmarczyk plädierte auf der Veranstaltung unter anderem für mehr Frauen in den Editorial Boards wissenschaftlicher Publikationen und im Gemeinsamen Bundesausschuss sowie für mehr Gendermedizin in der Lehre. Wichtig seien außerdem mehr weibliche Versuchstiere in Tierversuchen und eine Aufschlüsselung von Nebenwirkungen nach Geschlechtern bei der Meldung entsprechender Vorfälle. (ink)

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