Neue Debatte um Kostenübernahme für Ozempic, Wegovy & Co.
Die Diskussion um eine Kostenübernahme für Abnehmspritzen und -pillen durch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) auch bei Übergewicht flammt neu auf. Der Deutschlandchef des Pharmakonzerns Eli Lilly, Alexander Horn, forderte nun in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), dass die GKV die Mittel für Patienten mit schwerer Fettleibigkeit erstatten solle. Ähnlich hatte sich zuvor die neue Unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), Sonja Optendrenk, geäußert. Die Krankenkassen befürchten eine Kostenlawine.
Im Extremszenario könnten der GKV Mehrausgaben von bis zu 45 Milliarden Euro im Jahr drohen, hatte der AOK-Bundesverband bereits zu Beginn der Diskussion um die Abnehmspritzen erläutert. Zum Vergleich: 2025 gaben die Kassen für alle Arzneimittel zusammen etwa 56 Milliarden Euro aus. Bisher gibt es die Präparate mit Handelsnamen wie Ozempic oder Wegovy nur für Diabetespatienten auf Kassenrezept. Bei Übergewicht gelten sie als Lifestyle-Arzneien und sind damit laut Sozialgesetzbuch von der Erstattung ausgeschlossen.
Optendrenk machte sich für eine Neubewertung stark. „Es wäre überlegenswert, Abnehmmittel unter bestimmten Bedingungen als Kassenleistung anzuerkennen“, sagte sie dem „Spiegel“. Die Debatte in Deutschland kritisierte sie als „rückständig“. Länder wie Großbritannien hätten anerkannt, dass chronische Fettleibigkeit eine echte Krankheit sei. Allein die direkten medizinischen Kosten für Adipositas und Folgeerkrankungen würden in Deutschland auf etwa 29 Milliarden Euro geschätzt. Der GBA entscheidet, welche Medikamente die 74 Millionen Kassenversicherten auf Rezept erhalten.
Ähnlich wie die GBA-Chefin argumentiert Horn mit möglichen Einsparungen. In Deutschland seien 17 Millionen Erwachsene übergewichtig, sagte er laut FAZ. Der Pharmamanager bezifferte die Adipositas-Kosten mit 63 Milliarden pro Jahr. Er plädierte dafür, die Mittel zunächst für Patienten mit einem Body-Mass-Index von über 35, also einer schweren Fettleibigkeit, als Kassenleistung freizugeben. Abnehmspritzen und -pillen bezeichnete er als Teil der Prävention. Adipositas erhöhe auch das Risiko für Schlaganfälle und Bluthochdruck. „Wir müssen weg von der Krankheitsverwaltung hin zur Gesundheitserhaltung“, so Horn.
Aus Sicht der AOK fehlen Langzeitstudien zu Risiken der neuen Präparate. Präventionspolitisch sei es sinnvoller, bei der Vermeidung von Adipositas anzusetzen, etwa durch einen gesunden Lebensstil und eine gesunde Ernährung, nicht bei ihrer Behandlung. Die Medikamente greifen in den Hormon- und Insulinhaushalt ein. Studien zeigen, dass viele Patienten nach dem Absetzen der Mittel wieder massiv zunehmen, es also zu einem Jo-Jo-Effekt kommt. (cm)
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