Verbände: Artenreichtum als Gesundheitsvorsorge begreifen
Zum heutigen Auftakt der Weltnaturkonferenz (COP17) in Armenien fordern mehr als 30 deutsche Organisationen, „Artenreichtum als Gesundheitsvorsorge zu berücksichtigen“. Die Allianz mit Vertretern aus dem Gesundheitswesen appelliert an Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) sowie Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), den Schutz biologischer Vielfalt als „eine gemeinsame Aufgabe von Umwelt-, Gesundheits-, Landwirtschafts- und Wirtschaftspolitik“ zu verstehen. In einem Papier beschreiben die Unterzeichnenden vier zentrale Handlungsfelder für die Politik.
Das Bündnis führt aus, dass naturbasierte Prävention, artenreiche Grünräume und intakte Ökosysteme zur Gesundheitsförderung beitragen können. Daher sollten ihre gesundheitlichen Wirkungen bei politischen Entscheidungen und Investitionen mehr Berücksichtigung finden. Die Allianz fordert, Gesundheit, Klima- und Biodiversitätsschutz zusammenzudenken. So könne etwa eine naturnahe Stadtentwicklung Hitzebelastungen reduzieren, mehr Bewegung fördern und das psychische Wohlbefinden stärken.
Um die 2022 von 196 Staaten vereinbarten Ziele zu erreichen, braucht es laut dem Bündnis ausreichende politische und finanzielle Ressourcen. Das Abkommen sieht unter anderem vor, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen weltweit unter wirksamen Schutz zu stellen und Umweltverschmutzung etwa durch weniger Plastik zu verringern.
In einem vierten Punkt mahnen die Akteure eine Stärkung des One-Health-Ansatzes an. „Die Gesundheit von Menschen, Tieren und unserer Umwelt ist untrennbar miteinander verbunden“. Biodiversitätspolitik sei deshalb auch Gesundheitspolitik. Ressort- und sektorübergreifende Zusammenarbeit müsse fester Bestandteil der Umsetzung der Biodiversitätsziele werden.
Vertreterinnen von Krankenkassen und Pflege untermauern den gesundheitspolitischen Handlungsbedarf. Die Gesundheit der Menschen sei untrennbar mit den natürlichen Lebensgrundlagen verbunden. „Wenn wir diese weiter vernachlässigen und zerstören, gefährden wir unsere Gesundheit und belasten das ohnehin stark beanspruchte Gesundheitssystem zusätzlich“, monierte die Vorständin des BKK-Dachverbandes, Anne-Kathrin Klemm. Die Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Christine Vogler, hob hervor: Pflegefachpersonen wüssten, „wie wichtig gesunde Lebensbedingungen für Prävention und Lebensqualität sind“. Die COP17 müsse den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen daher „verbindlich voranbringen“.
Bundesumweltminister Schneider will nach Angaben seines Hauses in der zweiten Konferenzwoche nach Armenien reisen. Er betonte: Mit einer intakten Natur würde auch die Nahrungsmittelversorgung gesichert. (imo)
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