Medizintechnik-Branche wünscht sich mehr Mut zur Innovation
Der Medizintechniksektor erwartet für dieses Jahr zwar mehr Umsatz, sieht die Gewinnentwicklung aber weniger optimistisch. Das geht aus der Herbstumfrage 2026 des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) hervor, die heute veröffentlicht wurde. Demnach erwarten die 120 befragten Unternehmen einen Umsatzanstieg um 3,9 Prozent gegenüber 2025. Die Gewinne der Branche stehen nach Worten von BVMed-Geschäftsführer Marc-Pierre Möll aber durch steigende Kosten etwa für Bürokratie und Zertifizierungen unter Druck. Erleichterung soll ein Zehn-Punkte-Plan bringen, den BVMed-Vorstandschef Mark Jalaß vorstellte. Die Branche fordert unter anderem einen Kabinettsbeschluss zur MedTech-Strategie und die Weiterentwicklung der EU-Medizinprodukte-Richtlinie (MDR) für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit.
„Die Leitwirtschaft Medizintechnik muss durch die anstehende MedTech-Strategie gestärkt und der begonnene MedTech-Dialog verstetigt werden“, erläuterte Jalaß vor der Presse in Berlin. Er beschrieb die Branche mit mehr als 210.000 Beschäftigten, 55 Milliarden Euro Umsatz und einem Anteil von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) von 93 Prozent als Schlüsselindustrie. Wolle Deutschland die Medizintechnik stärken, „muss sich dieser Anspruch in konkreten politischen Entscheidungen wiederfinden“. Weit oben auf der Forderungsliste steht laut Geschäftsführer Möll auch, die GBA-Verfahren zu überarbeiten und zu beschleunigen, die Krankenhausleistungen bedarfs- und ergebnisorientiert zu finanzieren, die Hilfsmittel-Versorgung und Homecare zu stärken und deren qualifizierte Fachkräfte einzubinden sowie Volkskrankheiten früher zu erkennen und zu behandeln.
Nach der Umfrage gehen 45 Prozent der Unternehmen für 2026 wegen höherer Kosten von einer schlechteren Gewinnsituation aus. 63 Prozent der Firmen beklagen sich über zunehmenden bürokratischen Aufwand, 60 Prozent über steigende Personalkosten sowie 58 Prozent über steigende Logistik- und Transportkosten. 55 Prozent der Befragten nannten Sparmaßnahmen im GKV-System, 52 Prozent den Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften und Klinikketten. Im Ergebnis stagnierten die Investitionen, berichtet der BVMed. 27 Prozent der Befragten verlagerten Investitionen ins Ausland, insbesondere in die USA, nach China und Indien. Dagegen wollten 33 Prozent ihre Investitionen für Forschung und Entwicklung in den nächsten fünf Jahren trotz allem steigern.
Für die Umfrage stellte der BVMed im August und September 2026 Mitgliedern online 29 Fragen. Von den 220 ordentlichen BVMed-Mitgliedern mit Stimmrecht beteiligten sich 120. (ter)
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