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ZI: Mehr Arztkontakte als bisher gedacht

01.07.2026 2 Min. Lesedauer

Ambulante Arztkontakte in Deutschland liegen nach Einschätzung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) vermutlich deutlich höher, als bisherige Kennzahlen erkennen lassen. Eine aktuelle Analyse des Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass sogenannte Behandlungstage die tatsächliche Inanspruchnahme besser abbilden als Selbstberichte oder bislang übliche Abrechnungskennzahlen. „Die Diskussion über die Inanspruchnahme der ambulanten Versorgung braucht belastbare Daten“, machte der ZI-Vorstandsvorsitzende, Dominik von Stillfried, anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse deutlich.

Für die Studie hat das Institut erstmals selbstberichtete Arztkontakte aus dem „Sozio-oekonomischen Panel“ (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung systematisch mit vertragsärztlichen Abrechnungsdaten für das Jahr 2024 verglichen. Ziel war es, zu prüfen, welche Kennzahl die tatsächliche Inanspruchnahme ambulanter ärztlicher Leistungen am besten abbildet. Verglichen wurden Angaben von rund 27.000 SOEP-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern mit Abrechnungsdaten von knapp 74 Millionen gesetzlich Versicherten. Bundesweit gaben die Befragten im Schnitt 8,4 Arztkontakte pro Jahr an. In den Abrechnungsdaten lagen die Mittelwerte bei acht Behandlungsfällen, 8,1 Arztgruppenfällen und 9,5 Arztfällen je Person. Die Zahl der Behandlungstage lag dagegen bei durchschnittlich 14,2 Tagen. 

Das Institut wertet die Ergebnisse als Hinweis darauf, dass sowohl Befragungsdaten als auch etablierte Abrechnungskennzahlen Teile des Versorgungsgeschehens nicht vollständig erfassen. Selbstberichte könnten unter anderem durch Erinnerungsverzerrungen beeinflusst werden. In den Abrechnungsdaten würden mehrere Arztkontakte dagegen häufig in einem Fall zusammengefasst und seien damit statistisch nicht als einzelne Kontakte sichtbar. Die Auswertung zeigt zudem regionale Unterschiede.

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Strukturell höhere Werte fanden sich je nach Datengrundlage unter anderem in Berlin, Hamburg, Bremen oder im Saarland. Diese sollten allerdings nicht „vorschnell als Ausdruck von Über- oder Unterversorgung interpretiert werden“, gab von Stillfried zu bedenken. Sie lieferten vielmehr Hinweise darauf, dass Versorgungsstrukturen, Bevölkerungsalter, Morbidität und regionale Rahmenbedingungen stärker berücksichtigt werden müssten, um eine bedarfsgerechte und gleichwertige Versorgung sicherzustellen. 

Die Frage nach einer belastbaren Messung der ambulanten Inanspruchnahme ist auch mit Blick auf das geplante Primärversorgungssystem relevant, mit dem die Bundesregierung Patientinnen und Patienten effizienter durch die ambulante Versorgung steuern will. (ts)

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