Schon mehr als 5.000 Hitzetote diesen Sommer in Deutschland
Die zurückliegende Hitzewelle mit Temperaturen von mehr als 41 Grad hat zu einem drastischen Anstieg der Todesfälle in Deutschland geführt. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gab es diesen Sommer bis zum 28. Juni bereits 5.120 hitzebedingte Sterbefälle, wie aus dem heute veröffentlichten neuen Bericht hervorgeht. Eine Woche zuvor und damit vor der extrem heißen Periode waren 810 Hitzetote statistisch erfasst. Dem EU-Klimawandel-Dienst Copernicus zufolge war der vergangene Monat der heißeste Juni in Westeuropa und der zweitwärmste Juni weltweit seit Beginn der Aufzeichnungen.
Die Zahl der Hitzetoten in Deutschland übertrifft damit schon zur Jahresmitte die Werte der meisten Vorjahre. So lagen laut Bericht 2022 bis 2025 die Schätzungen jeweils bei rund 2.600 bis 4.900 Todesfällen. Bisher sind 2018 (8.400) und 2019 (6.900) die Jahre mit den höchsten hitzebedingten Sterbefallzahlen. Der größte Anteil an Todesfällen durch die warmen Temperaturen entfällt auf die Altersgruppe ab 75 Jahren. Bis zum 28. Juni erlagen demnach geschätzt etwa 1.320 Menschen im Alter zwischen 75 und 85 Jahren sowie 2.950 Menschen im Alter von 85 Jahren oder mehr der Hitze.
Die Folgen der Hitzewelle im Juni könnten noch größer sein, hieß es weiter vom RKI. Die vom Statistischen Bundesamt geschätzte Übersterblichkeit lag in der heißesten Woche vom 22. bis 28. Juni bei 6.800 Fällen. Übersterblichkeit bedeutet demnach, dass in einem bestimmten Zeitraum mehr Menschen sterben als normalerweise zu erwarten wäre. Die Schätzung des Instituts basiert unter anderem auf dem Monitoring der Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes und Daten des Deutschen Wetterdienstes.
Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katharina Dröge, sagte heute im Bundestag, die Klimakrise sei schon heute tödlich in Deutschland. Sie forderte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf, die Menschen mit einem Sofortprogramm vor der Hitze zu schützen. Dies gelte vor allem bei Betreuungseinrichtungen für ältere Menschen, Krankenhäusern und Schulen. Außerdem brauche es Hitzeschutzpläne für die Kommunen.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft forderte entschiedene Schritte, um Krankenhäuser an den Klimawandel und die zunehmenden Hitzeperioden anzupassen. So sprach sich der Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß für Investitionen in gekühlte Krankenzimmer aus. „In Deutschland sterben Menschen wegen einer Hitze, vor der sie niemand schützt. Jetzt bestätigt das Robert-Koch-Institut die Kausalität noch einmal“, sagte Gaß. Die Zahlen müssen „ein Weckruf für die Bundesregierung sein“, forderte die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Barbara Metz. „Sie muss jetzt schnellstmöglich einen Hitze-Krisengipfel einberufen, um wirksamen Hitzeschutz verbindlich zu verankern und vulnerable Gruppen zu schützen.“ (bhu)
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