Debatte: Prävention ist eine Frage der Biologie
Das Belohnungssystem im Gehirn erschwert gesundheitsbewusstes Verhalten, sagt Daniela Berg. Die Neurologin empfiehlt, in der Prävention Verständnis für die biologischen Zusammenhänge zu vermitteln.
der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.
Die meisten Menschen wissen, was ihrer Gesundheit guttut: ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, guter Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress. Trotzdem gelingt es oft nicht, diese Vorsätze dauerhaft umzusetzen. Diese „Lebensstil-Dissonanz“ zeigt sich besonders deutlich bei Ernährung und Bewegung. Unser Gehirn ist evolutionär darauf programmiert, kalorienreiche Nahrung und energiesparendes Verhalten attraktiv zu finden. Früher war das ein Überlebensvorteil. Heute erschweren dieselben Mechanismen häufig einen gesunden Lebensstil.
Denn unser Gehirn bevorzugt unmittelbare Belohnungen. Ein Stück Schokolade, ein gemütlicher Abend auf dem Sofa oder die nächste Folge der Lieblingsserie sorgen sofort für ein gutes Gefühl. Dahinter steckt das Belohnungssystem des Gehirns, das unter anderem über den Botenstoff Dopamin arbeitet. Gleichzeitig gibt es ein zweites, langsamer arbeitendes System im vorderen Teil des Gehirns, dem präfrontalen Kortex. Hier werden langfristige Ziele wie Gesundheit, Vorsorge und Selbstkontrolle abgewogen. Dieses System hilft uns zwar, gute Entscheidungen zu treffen, braucht aber mehr Zeit und Übung, um sich gegen die schnelle Belohnung durchzusetzen. Deshalb fällt es oft schwer, sich im Alltag für das Gesündere zu entscheiden.
„Wer versteht, warum Veränderungen schwerfallen, kann gelassener damit umgehen.“
Dieses Wissen lässt sich für Gesundheitsprogramme nutzen. Kleine Erfolgserlebnisse, spielerische Elemente oder gemeinsame Aktivitäten können gesundes Verhalten attraktiver machen. Neben diesen neuronalen Mechanismen erschweren Gewohnheiten aus der Kindheit gesundes Verhalten. Wer beispielsweise mit Süßigkeiten getröstet oder belohnt wurde, verbindet Essen später häufig mit Trost oder Entspannung. Solche Verknüpfungen lassen sich jedoch verändern. Präventionsstrategien sollten die biologischen Zusammenhänge stärker vermitteln. Appelle wie „Bewegen Sie sich mehr“ reichen oft nicht aus. Sinnvoller sind kleine, realistische Ziele, feste Routinen und Geduld mit sich selbst. Wer versteht, warum Veränderungen schwerfallen, kann gelassener damit umgehen und langfristig erfolgreichere Strategien entwickeln.
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