Artikel Gesundheitssystem

Fester Job hält gesund

20.10.2026 Johanna Baumgardt 3 Min. Lesedauer

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland macht sich Sorgen um die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung. Das zeigt eine Befragung im Rahmen des Fehlzeiten-Reports 2026. Eine vertrauensbildende Führungskultur stärkt die mentale Gesundheit.

Foto: Eine Frau mit dunklen Haaren schaut aus dem Fenster. Das Foto ist von unten und linksbündig aufgenommen.
Wenn der Arbeitsplatz in Gefahr ist, leidet das psychosoziale Wohlbefinden.

Die mentale Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist maßgeblich für Produktivität, Innovation, Effektivität und Effizienz einer Organisation. Die Beschäftigten-Befragung zum Fehlzeiten-Report aus dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) fokussiert deshalb in diesem Jahr die arbeitsbezogene mentale Gesundheit. Am Telefon beantworteten die Beschäftigten Fragen zu ihren Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft, zur Arbeitsplatzunsicherheit, organisationaler Fürsorge und arbeitsbedingten psychischen Beeinträchtigungen.

Über die Hälfte der Befragten (51,9 Prozent) machte sich im Frühjahr 2026 „viele“ bis „sehr viele“ Sorgen um die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung. Hohe Relevanz für das psychosoziale Wohlbefinden hat die Arbeitsplatzsicherheit. Zwar gab nur ein sehr kleiner Teil der Befragten an, Angst zu haben, in nächster Zeit arbeitslos zu werden. Gleichzeitig waren 8,4 Prozent der Befragten in den zurückliegenden fünf Jahren bereits selbst beziehungsweise 15,4 Prozent mittelbar durch Angehörige von Arbeitslosigkeit oder Kündigung betroffen.

Abstieg ist selten

Von Umstrukturierungen des eigenen Arbeitsplatzes oder der Organisation innerhalb der letzten fünf Jahre berichtete knapp die Hälfte der Befragten (45,2 Prozent). Etwas mehr als ein Viertel (26,9 Prozent) erlebte in diesem Zeitraum finanzielle Probleme der eigenen Organisation. Allerdings musste nur ein kleiner Teil der Befragten (6,5 Prozent) in den zurückliegenden fünf Jahren einen beruflichen Abstieg oder schwere berufliche Misserfolge verkraften. Fast drei Viertel (72,9 Prozent) der Befragten gaben an, dass ihr Arbeitgeber Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten anbietet, die die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern.

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass mehr wirtschaftliche Sorgen mit mehr arbeitsbedingten psychischen Beeinträchtigungen einhergingen. Am stärksten drückte sich dies in Angstgefühlen, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen aus. Angst vor Arbeitsplatzverlust korrelierte mit höheren, durch die Arbeit entstandenen psychischen Beeinträchtigungen. Die stärksten Zusammenhänge zeigten sich im Hinblick auf Angstgefühle vor, bei oder nach der Arbeit, Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und Niedergeschlagenheit. Ein hoher Stellenwert des Arbeitsplatzerhalts im Unternehmen ging mit geringerer Angst vor Arbeitslosigkeit, geringeren Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation, um die wirtschaftliche Entwicklung des Arbeitgebers sowie um die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung einher.

Die Ergebnisse der Befragung unterstreichen, dass Arbeitgeber Angebote zur Weiterbildung oder Beschäftigungssicherung vorhalten sollten. Darüber hinaus geht es um eine vertrauensbildende Führungskultur, die Sicherheit vermittelt und arbeitsplatzbezogene Unsicherheiten früh adressiert. Ein Instrument zur Ermittlung und Bewertung mentaler Stressoren am Arbeitsplatz ist die psychische Gefährdungsbeurteilung. Nachdem spezifische Stressoren am Arbeitsplatz identifiziert wurden, können geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen umgesetzt werden.

Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen sind weiter auf dem Vormarsch und verursachen oft lange Ausfallzeiten von Beschäftigten. Den Betroffenen fällt die Rückkehr nach der wochen- oder monatelangen Arbeitsunfähigkeit häufig schwer. Viele von ihnen sind verunsichert und wissen nicht, wie belastbar sie sind. Experten raten daher…
13.10.2025Thorsten Severin7 Min

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