Daten und Analysen Gesundheitssystem

Internationale Fachkräfte stützen die Gesundheitsversorgung

18.06.2026 Hilke Nissen 3 Min. Lesedauer

Der Fachkräftemangel in Medizin und Pflege verschärft sich. Dadurch wächst die Bedeutung von internationalen Fachkräften. Aktuelle Zahlen zeigen, wie stark Erwerbszuwanderung die Gesundheitsversorgung stabilisiert.

Lächelnde Pflegekraft in blauer Arbeitskleidung mit Tablet vor hellem Hintergrund. Rechts sind eine steigende Statistik-Grafik und ein gelbes Symbol für medizinische Fachkräfte mit Reisepass zu sehen.
Ausländische Fachkräfte aus Medizin und Pflege stabilisieren die Gesundheitsversorgung. Ohne sie wäre der Fachkräftemangel deutlich spürbarer.

Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist nicht nur drohendes Szenario, sondern spitzt sich jetzt schon zu. Der Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege beschreibt Fachkräfte im Gesundheitswesen als „knappe Ressource“ und warnt, dass der künftige Versorgungsbedarf in den bisherigen Strukturen voraussichtlich nicht gedeckt werden kann. Besonders knappe Personalressourcen zeigen sich in Pflege und Medizin.

Behebung von Fachkräftemangel als Daueraufgabe

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bestätigt einen „andauernden erheblichen Fachkräftemangel in Pflegeberufen“, der sich auf alle examinierten Pflegejobs einschließlich Pflegeassistenz erstreckt. Hier wächst der Bedarf besonders dynamisch. Mit der steigenden Zahl älterer und hochbetagter Menschen nimmt auch die Zahl der Pflegebedürftigen deutlich zu. Laut Pflegevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes könnte sie von rund fünf Millionen Ende 2021 auf etwa 6,8 Millionen im Jahr 2055 steigen. 

Auch in der Ärzteschaft verschärfen altersbedingte Renteneintritte, Teilzeit und regionale Unterschiede den Engpass. Die doppelte demografische Herausforderung schlägt zu: Stationäre und ambulante Versorgung müssen künftig mit weniger Personal eine steigende Zahl hochbetagter Patientinnen und Patienten versorgen.

Ohne internationale Fachkräfte geht es nicht mehr

Laut der aktuellen Ärztestatistik besaßen zum Stichtag 31. Dezember 2025 inzwischen 16 Prozent aller berufstätigen Medizinerinnen und Mediziner in Deutschland einen ausländischen Pass. Dieser Höchststand ist überwiegend auf den Zuzug von Ärzten aus Ländern außerhalb der Europäischen Union zurückzuführen (plus 7,6 Prozent zum Vorjahr). Die Zahl der Ärzte mit einer EU-Staatsangehörigkeit stieg lediglich um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt kommt die Mehrheit der zugewanderten Ärzte aus EU-Ländern (35 Prozent) oder anderen europäischen Staaten (21 Prozent) sowie aus Ländern des Nahen Ostens. Die drei häufigsten Herkunftsländer sind Syrien (7.959), Rumänien (4.617) und die Türkei (3.532). Ausländische Mediziner arbeiten überwiegend in Kliniken und sind zudem deutlich jünger als ihre deutschen Kollegen.

Auch in der Pflege stabilisieren internationale Beschäftigte das System. Inzwischen arbeiten mehr als 350.000 Pflegekräfte ohne deutschen Pass in Deutschland. Der Beschäftigungszuwachs in der Pflege geht laut dem Mediendienst Migration seit 2021 ausschließlich auf ausländische Pflegekräfte zurück. Aus dem europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz kommen nach der Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) immer weniger Pflegekräfte nach Deutschland. Arbeitgeber suchen daher schon länger Personal auch außerhalb der EU.

Liniendiagramm zur Entwicklung ausländischer Fachkräfte in Medizin und Pflege seit 2016. Der Index steigt bis 2025 bei Pflegekräften auf 291 und bei Ärztinnen und Ärzten auf 206.

Abwanderung von Ärzten bleibt ein Risiko

Aktuelle Abwanderungszahlen der Bundesärztekammer zeigen: Deutschland verliert trotz bestehendem Personalengpass zusätzlich jedes Jahr Mediziner mit deutscher Staatsangehörigkeit ins Ausland. 2025 verließen 2.234 Ärztinnen und Ärzte Deutschland, davon waren 1.236 Deutsche und 998 Ausländer. Die Schweiz ist nach wie vor das populärste Zielland für auswandernde Mediziner. In den vergangenen Jahren ist die Abwanderung von Ärztinnen und Ärzten aus Deutschland tendenziell angestiegen. Die Mehrheit der Ausgewanderten war 2025 mit rund 55 Prozent deutsche, rund 45 Prozent waren ausländische Ärzte. Der Nettoeffekt ist zwar positiv, doch die Abwanderung bleibt ein zusätzliches Risiko.

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