Sport bei Depression: Was Bewegung bewirken kann

Interessenverlust, gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, aber auch Konzentrationsstörungen oder Schuldgefühle, all das sind typische Symptome einer Depression. Zur Behandlung der Erkrankung werden in erster Linie Psychotherapie sowie Medikamente eingesetzt. „Doch auch körperliche Aktivität kann depressive Beschwerden durchaus lindern, wie zahlreiche Studien ergeben haben“, sagt Dr. Christiane Roick, stellvertretende Leiterin des Stabs Medizin im AOK-Bundesverband.

Zwei Frauen beim Gehen mit Walkingstöcken auf einem sonnigen Feldweg. Die Sonne scheint von einem klaren Himmel, und im Hintergrund sind Wiesen, Bäume und sanfte Hügel zu sehen.

Häufige psychische Erkrankung

Im Jahr 2022 waren in Deutschland nach einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) 9,5 Millionen Menschen ab dem zehnten Lebensjahr wegen Depressionen in ärztlicher Behandlung. Dies entspricht 12,5 Prozent der deutschen Wohnbevölkerung. Damit gehören Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Ältere Menschen sind häufiger betroffen als junge, Frauen öfter als Männer.

Ablenkung von negativen Gedanken

Für die positiven Effekte körperlicher Betätigung bei depressiven Erkrankungen spielen wahrscheinlich verschiedene Faktoren eine Rolle. So kann körperliche Aktivität von negativen Gedanken ablenken, der soziale Kontakt dabei kann zudem stimmungsaufhellend wirken. Durch die Verbesserung der eigenen körperlichen Fähigkeiten kann außerdem das Selbstwirksamkeitserleben erhöht werden, was auch das Selbstwertgefühl stärken kann.

Das Selbstwertgefühl hängt eng zusammen mit dem allgemeinen subjektiven Wohlbefinden und ist bei depressiven Erkrankungen häufig beeinträchtigt.

O-Töne von Dr. Christiane Roick, stv. Leiterin des Stabs Medizin und Ärztin im AOK-Bundesverband

Abbau des Stresshormons Cortisol

Körperliche Aktivität fördert zudem den Abbau des Stresshormons Cortisol und kann über die Ausschüttung weiterer Botenstoffe im Gehirn, wie Endorphine und Monoamine, zur Stimmungsaufhellung beitragen. Auch der Nervenwachstumsfaktor BDNF (brain-derived neutrophic factor) wird durch Sport positiv beeinflusst. Er beeinflusst die Neubildung von Nervenzellen sowie Umbildungen von Nervenzellverbindungen. Bei einer Depression sind die BDNF-Werte in bestimmten Hirnregionen verringert. „Mehrere methodisch hochwertige Studien zeigen einen moderaten positiven Effekt körperlicher Aktivität bei depressiven Erkrankungen. Genauer untersucht werden muss allerdings noch, wie groß der zusätzliche Effekt von körperlichem Training in Ergänzung zur Pharmako- und/oder Psychotherapie einer Depression ist und ob diese Verbesserung langfristig über die Dauer der Intervention hinaus anhält“, sagt Medizinerin Roick.

Wichtig ist Regelmäßigkeit

Geeignet sind Ausdauersportarten wie Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen, aber auch Teamsportarten. Einige Studien deuten jedoch darauf hin, dass mit Krafttraining oder einer Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining noch bessere Effekte erzielt werden können. „Eindeutige Erkenntnisse zur optimalen Art, Dauer und Intensität des körperlichen Trainings liegen bislang noch nicht vor“, so Ärztin Roick.

Klar ist jedoch, dass das körperliche Training regelmäßig erfolgen sollte. Wenn aus Sicht des behandelnden Arztes oder der behandelnden Ärztin nichts gegen körperliche Belastung spricht, empfehlen Fachleute ein regelmäßiges Training, beispielsweise drei Mal pro Woche. „Da der soziale Kontakt beim Training guttut und es vielen Menschen in einer Gruppe leichter fällt, sich selbst zu motivieren, kann man sich dazu auch örtlichen Lauftreffs oder Vereinen anschließen“, rät Medizinerin Roick. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet eine Übersicht über regionale Angebote.

Keine zu hohen Ansprüche an sich selbst stellen

Dabei sollte man aber keine zu hohen Ansprüche an die eigene Leistung stellen, meint Dr. Roick: „Das körperliche Training soll guttun und nicht als zusätzliche Belastung empfunden werden. Denn aufgrund der Energielosigkeit und Antriebsminderung, die bei Depressionen häufig auftreten, ist es für Betroffene besonders schwierig, sich für regelmäßige Aktivitäten zu motivieren.“ Wer sich zum Joggen oder Krafttraining nicht überwinden kann, sollte daher nicht mit sich hadern, sondern es beispielsweise mit regelmäßigen Spaziergängen versuchen. Auch diese können, wie Studien zeigen, Depressionssymptome lindern.“