Warum es im Leben auch mal bitter schmecken sollte
Schon beim Gedanken an den bitteren Geschmack von Pampelmuse, Radicchio oder Chicorée verziehen viele das Gesicht, denn Menschen essen lieber süß oder salzig. Das hängt auch damit zusammen, dass es für unsere Vorfahren lebenswichtig war, giftige Pflanzen am oft bitteren Geschmack zu erkennen. Warum es dennoch öfter mal bitter schmecken sollte und welche positive Wirkung Bitterstoffe auf die Gesundheit haben, erklärt Semra Köksal, Diätassistentin und Ernährungsberaterin bei der AOK.
Speichelfluss wird angeregt
Der Begriff Bitterstoffe steht für unterschiedliche Substanzen, denen allen gemeinsam ist, dass sie bitter schmecken. Bitterstoffe kommen in vielen Pflanzen und Pflanzenprodukten vor – in verschiedenen Gemüse- und Obstsorten, Kräutern oder Gewürzen wie Kurkuma, Kümmel, Salbei und Ingwer oder in Getränken wie Kaffee und grünem Tee. Ein bitterer Geschmack regt den Speichelfluss an, fördert die Ausschüttung von Verdauungssäften und aktiviert die Magen-Darm-Bewegungen. „Daher sollten auch bitter schmeckende Nahrungsmittel wie Rucola, Radicchio, Chicorée, Rosenkohl oder Artischocken auf unserem Speiseplan stehen“, sagt Ernährungsexpertin Köksal.
Bitterstoffe können beim Abnehmen helfen
Darüber hinaus können Bitterstoffe beim Abnehmen helfen: Funktioniert die Verdauung besser und schneller, nimmt gleichzeitig das Hungergefühl ab. Aus vielen Pflanzen wurden jedoch Bitterstoffe zugunsten eines milderen Geschmacks herausgezüchtet. Auf Bauernmärkten oder Bio-Höfen gibt es aber noch Salat-, Obst- oder Gemüsesorten mit relativ vielen Bitterstoffen, zum Beispiel Frühlingszwiebeln oder Löwenzahn.
Training für Bitteres
Bitteres zu mögen, kann man sich antrainieren: Um Kleinkinder an einen Geschmack zu gewöhnen, müssen manche beispielsweise eine Gemüsesorte bis zu zehn Mal probieren, bis sie den Geschmack wiedererkennen. „Durch abwechslungsreiche Kost steigt die Akzeptanz auch für bitter schmeckende Speisen. Kommt immer nur Ähnliches auf den Tisch, ist das der Geschmacksentwicklung dagegen nicht förderlich“, so AOK-Expertin Köksal.
Bittere Beispiele – Zubereitung und Lagerung
Um den bitteren Geschmack etwas abzumildern, gibt es ein paar Tricks. Hier einige Beispiel zur Zubereitung und Lagerung:
- Rosenkohl: Die gekochten Röschen verlieren ihre Bitterkeit, wenn sie gesalzen werden.
- Chicorée: am besten im dunklen Kühlschrank lagern, da Licht den Bittergeschmack intensiviert. Ist Chicorée zu bitter, hilft es, den Strunk zu entfernen. Kombiniert man Chicorée mit Orangen oder Äpfeln, mildert das ebenfalls den bitteren Geschmack.
- Rucola und Radicchio: Wem diese Salate pur zu bitter sind, der kann eine Handvoll milde Gartensalate untermischen oder dazu eine Honig-Senf-Vinaigrette reichen.
- Pomelos oder Grapefruit sind reich an Bitterstoffen und Vitaminen. Doch Grapefruit beispielsweise enthält auch den Bitterstoff Naringin, der in den Leberstoffwechsel eingreift. Dadurch kann es zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Medikamenten kommen. Ein Blick auf den Beipackzettel gibt Auskunft darüber, ebenso eine Nachfrage in der Arztpraxis oder Apotheke.
Bitter kann auch gefährlich sein
Es gibt jedoch auch giftige Bitterstoffe: So können Zucchini- und Kürbispflanzen bei heißem und trockenem Wetter verstärkt Bitterstoffe bilden. Zudem nimmt der Bitterstoffgehalt während der Fruchtreife zu. Zucchini werden daher am besten möglichst jung geerntet. Sie sollten auch nicht in der Nähe von Zierkürbissen angepflanzt werden, da diese eine sehr hohe Konzentration an Bitterstoffen haben. Je nach aufgenommener Dosis kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Magenkrämpfen und Durchfall kommen.