Lebensmittel

Chicorée und Co.: So gesund sind Bitterstoffe

Veröffentlicht am:25.02.2021

aktualisiert am 01.06.2026

12 Minuten Lesedauer

An den Geschmack von Bitterstoffen müssen sich die meisten Menschen erst gewöhnen, aber es lohnt sich. Denn bitter ist gesund. Vor allem haben diese Nahrungsbestandteile positiven Einfluss auf die Verdauung und können indirekt sogar beim Abnehmen helfen.

Frischer Chicorée steckt voller natürlicher Bitterstoffe.

© iStock / pilipphoto

Was sind natürliche Bitterstoffe?

Unter dem Begriff „Bitterstoffe“ versammelt sich eine ganze Reihe unterschiedlicher chemischer Verbindungen, die gemeinsam haben, dass sie bitter schmecken. Sie kommen in zahlreichen Kräutern, Gemüsesorten, Salaten, Gewürzen und Früchten vor.

Warum schmecken manche Lebensmittel bitter?

Mit Bitterstoffen wehren Pflanzen Fressfeinde ab, denn viele Tiere vermeiden bitteren Geschmack. Der Mensch ebenfalls: Wir nehmen Bitteres über 25 verschiedene Geschmacksrezeptoren im Mund wahr – sogenannte TAS2R- Rezeptoren. Dies ist ein angeborenes Warnsystem, denn Bitterstoffe signalisieren oft giftige Stoffe in der Nahrung.

Passende Artikel zum Thema

Enthält unsere Nahrung zu wenig Bitterstoffe?

Zu wenig Bitterstoffe gibt es nicht, denn ein täglicher Bedarf ist nicht bekannt – ebenso wenig Nachteile durch eine geringe Aufnahme. Tatsächlich enthalten viele Gemüse- und Obstsorten heute weniger Bitterstoffe als früher, da sie aus Geschmacksgründen häufig herausgezüchtet wurden.

Wann bitter gefährlich wird

Wenn Zucchini, Gurken oder andere Gemüsesorten aus dem eigenen Garten, die eigentlich mild schmecken sollten, in rohem oder gegartem Zustand bitter schmecken, dann sollten Sie sie nicht essen: In solchen Fällen können sie hohe Mengen an Cucurbitacinen enthalten. Diese Bitterstoffe kommen natürlicherweise in Kürbisgewächsen vor und sind in größeren Mengen giftig.

Schädliches Cucurbitacin: Vorsicht bei bitter schmeckenden Zucchini, Gurken und Co.

Sind Bitterstoffe gut bei Diabetes?

Die Wirkaussagen sind widersprüchlich. Einerseits sollen Bitterstoffe bei Diabetes und Prädiabetes helfen, den Hunger zu verringern. Andererseits werden bitterstoffhaltige pflanzliche Arzneimittel auch für das Gegenteil eingesetzt – nämlich zur Behandlung von Appetitlosigkeit.

Helfen Bitterstoffe beim Abnehmen?

Indirekt ja: Viele Gemüse-, Salat- und Kräutersorten unterstützen durch ihre Bitterstoffe die Verdauung und regen die Bildung von Gallenflüssigkeit sowie Magensäure an. Dadurch kann Fett besser verdaut werden. Gleichzeitig können Bitterstoffe das Hungergefühl und die Lust auf Süßes reduzieren – das erleichtert die Umstellung auf eine ausgewogene Ernährung.

Wirken sich Bitterstoffe positiv auf den Blutzuckerspiegel aus?

Darauf gibt es Hinweise: Eine Studie ergab, dass die Pflanzenstoffe der tropischen Bittergurke möglicherweise bei Menschen mit Prädiabetes den Glukosespiegel senken können. Bitterstoffe könnten den Blutzuckerspiegel beeinflussen.

Eine Person hackt frische Brennnesseln und andere Wildkräuter auf einem rustikalen Holzbrett mit einem großen Messer.

© iStock / diephosi

Natürliche Bitterstoffe sind in heimischen Kräutersorten wie Brennnessel, Löwenzahn oder Giersch enthalten.

Wann sollte man Bitterstoffe als Tropfen einnehmen?

Durch wissenschaftliche Studien konnte bislang nicht belegt werden, dass die Einnahme eines bitteren Pulvers oder Safts den Heißhunger auf Süßes stillt. Möglicherweise lässt sich der Effekt auch mit bitteren Lebensmitteln erreichen, doch auch das wurde noch nicht belegt.

Bitterstoffe als Sprays und Tropfen: Können sie schaden?

Tropfen und Sprays enthalten als Hauptzutat Alkohol sowie einige zusätzliche Konservierungsstoffe. Bei Zutaten wie Wermut oder Artemisia ist Vorsicht geboten, da ihre genaue Wirkungsweise noch nicht geklärt ist – unerwünschte gesundheitliche Wirkungen sind nicht auszuschließen. Bei erstmaliger oder übermäßiger Einnahme können Bitterstoffe Übelkeit auslösen und abführend wirken.

Was können Bitterstoffe?

Studien zeigen: Bitterstoffhaltige Lebensmittel können unter anderem dazu beitragen, hohe Blutfettwerte, Bluthochdruck und einen zu hohen Blutzuckerspiegel zu vermeiden. Außerdem können sie Entzündungen und Tumorbildungen hemmen, Bakterien bekämpfen und die Nervenzellen vor Schäden bewahren.

Gesunde Ernährung mit der AOK

Mit Ihrer Ernährung können Sie großen Einfluss auf Ihr körperliches Wohlbefinden nehmen. Die AOK unterstützt Sie dabei – zum Beispiel in Form von Ernährungsberatungskursen.

Wie ist die Wirkung von Bitterstoffen auf den Körper?

Da sich hinter dem Begriff Bitterstoffe viele verschiedene Substanzen verbergen, ist es nicht verwunderlich, dass auch die Wirkung unterschiedlich ist. Zusammenfassend: Natürliche Bitterstoffe haben einen positiven Einfluss auf die verschiedenen Stationen der Verdauung.

Die wichtigsten Wirkungsweisen:

  • Bitterstoffe regen den Appetit an.
  • Sie fördern den Speichelfluss.
  • Die Produktion des Magensaftes wird verbessert.
  • Natürliche Bitterstoffe erhöhen die Produktion der Gallenflüssigkeit, was die Fettverdauung erleichtert.
  • Bestimmte Bitterstoffe führen zu einer erhöhten Insulinproduktion.
  • Die Darmtätigkeit wird angeregt.

Derzeit wird erforscht, ob Bitterstoffe möglicherweise sogar zu einer Verbesserung bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn beitragen können.

Welche weiteren positiven Effekte haben Bitterstoffe?

Natürliche Bitterstoffe werden vor allem für eine gesunde Verdauung empfohlen. Tatsächlich sollen einige von ihnen weitere Eigenschaften haben. Das ist in Studien noch nicht eindeutig wissenschaftlich belegt, es gibt aber entsprechende Hinweise:

  • Bitterstoffe stärken vermutlich die Abwehrkräfte.
  • Sie können dazu beitragen, Fieber zu senken.
  • Es gibt Hinweise auf eine antidepressive Wirkung.
  • Eingesetzt werden sie teilweise auch bei Erschöpfung, Müdigkeit und Stress.
  • Saponine, die ebenfalls zu den Bitterstoffen gehören, können vermutlich das Wachstum von Krebszellen behindern. Sie kommen zum Beispiel in Hülsenfrüchten, Hafer und Lakritz vor.
  • Natürliche Bitterstoffe haben vermutlich einen positiven Einfluss auf Hautkrankheiten wie Neurodermitis.

Passende Artikel zum Thema

Wo sind natürliche Bitterstoffe enthalten?

Natürliche Bitterstoffe stecken vor allem in:

  • Salaten wie Chicorée, Rucola, Endiviensalat,
  • heimischen Kohlsorten wie Grünkohl, Blumenkohl und Rosenkohl,
  • grünen Gemüsesorten wie Mangold oder Spinat,
  • Kräutern, wie Löwenzahn, Brennnessel oder Giersch,
  • „bitteren“ Gewürzen wie Kurkuma, Senfkörnern, Thymian, Estragon oder Zimt,
  • Artischocken, Ingwer, Oliven, Radicchio und Auberginen.

Bitterstoffe lassen sich übrigens auch trinken, als Kaffee, Salbeitee, Grapefruitsaft oder als grüner Tee.

Ist Chicorée gut für die Verdauung?

Endivien- und Chicorée-Salat enthalten den natürlichen Bitterstoff Intybin. Er regt die Tätigkeit des Magens an und fördert die Produktion der Magensäure. Außerdem verbessert er den Gallenfluss, was wiederum wichtig für die Fettverdauung ist.

Ein paar Kirschtomaten, ein paar Kartoffeln, Parmesan zum Überbacken: Für dieses leckeres Chicorée-Gratin sind nicht viele Zutaten nötig.

Helfen natürliche Bitterstoffe gegen einen Blähbauch?

Bitterstoffen wird häufig eine Wunderwirkung gegen den Blähbauch nachgesagt, allerdings unbegründet. Es gibt es keine Beweise dafür, dass Bitterstoffe bei Blähungen nennenswerte Effekte erzielen.

Wer wiederholt unter Blähungen leidet, sollte sich an seinen Hausarzt oder seine Hausärztin wenden.

Passende Angebote der AOK

Fachlich geprüft
Fachlich geprüft

Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.


Waren diese Informationen hilfreich für Sie?

Noch nicht das Richtige gefunden?