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Was ist wirklich dran am Kurkuma-Effekt?

Kurkuma wird in der Naturheilkunde zunehmend beliebter. Welche Effekte hat das Gewürz und wogegen hilft das gelbe Pulver wirklich?

© iStock / Madeleine_Steinbach

Lesezeit: 4 Minuten25.11.2020Aktualisiert: 11.01.2022

Es ist ein Gewürz, das in jedem Supermarkt zu haben ist. Seit einiger Zeit feiert Kurkuma jedoch einen bemerkenswerten Siegeszug in der Naturheilkunde – vielleicht auch zukünftig bei der Behandlung bestimmter Erkrankungen. Eine Trendzutat auf dem Prüfstand.

Inhalte im Überblick

    Kurkuma – ein Wundermittel?

    Sie ist der Star am Superfood-Himmel: Kaum ein Gewürz wird derzeit so gefeiert wie die Curry-Zutat Kurkuma, auch Gelbwurz genannt.

    Angepriesen als „Zauberknolle“, „Gewürz des Lebens“ oder „Power-Wurzel“, soll ihr Extrakt – der gelbe Farbstoff Curcumin – bei zahlreichen Beschwerden und Zivilisationskrankheiten wie Arthrose, Alzheimer oder sogar Krebs helfen. Doch wie gesund ist Kurkuma für den Menschen – und bei welchen Leiden kann es helfen? Höchste Zeit, Licht ins Dunkel zu bringen. Denn die Medizin beschäftigt sich schon seit Jahren mit dessen Wirkung auf den menschlichen Körper. Hier der Faktencheck.

    Kleine Kurkuma-Kunde

    Die ursprünglich aus Indien stammende Pflanze gehört zur Gattung der Ingwergewächse. Kurkuma ist eine wichtige Zutat in Curry-Mischungen. Für die gelbe Farbe ist der Farbstoff Curcumin verantwortlich. Der Wurzelstock wird frisch oder getrocknet und gemahlen als Gewürz sowie als Farbstoff  etwa für Senf, Butterzubereitungen oder Wurst verwendet. Kurkuma-Pulver schmeckt leicht würzig und ein bisschen erdig-bitter. Es enthält ätherische Öle, Eiweiße, Zucker und etwa fünf Prozent des wertvollen Inhaltsstoffs Curcumin.

    Kurkuma-Effekt - ein Gewürz im Faktencheck

    © iStock / PixelsEffect

    Superfood Kurkuma? Auf die Dosis kommt es an

    Als Gewürz aus dem Supermarktregal wird der Wurzelstock meist als gemahlenes Pulver, in einigen Läden auch frisch angeboten. Allerdings kann es als eigenständige Kochzutat kaum als Heilmittel wirken. Hintergrund: Curcumin ist kaum wasserlöslich und wird vom Körper kaum aufgenommen, was auch „geringe Bioverfügbarkeit“ genannt wird. Es gelangt also nur wenig dorthin, wo es wirken soll: in die Zellen. Das lässt vermuten, dass man große Mengen Kurkuma essen müsste, um tatsächlich gesundheitsfördernde Effekte im Körper zu erzielen.

    Dann hilft viel auch viel? Nein, diese Rechnung geht so nicht auf. Von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt es Reglementierungen für die Einnahme des Wirkstoffs Curcumin. Sie empfiehlt, täglich nicht mehr als zwei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zu verzehren. Bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen sind das 140 Milligramm Curcumin pro Tag, etwa in Form eines Nahrungsergänzungsmittels. Wird das Gewürz oder das Extrakt höher dosiert, können je nach Empfindlichkeit Nebenwirkungen wie Blähungen, Durchfall, Übelkeit oder Schmerzen im Verdauungstrakt auftreten.

    Wogegen Kurkuma hilft – die Studienlage

    Aber kann Kurkuma in dieser Konzentration wirklich wie oft behauptet auch eine Geheimwaffe gegen schwerwiegende Erkrankungen wie Diabetes, Arthrose, Alzheimer oder sogar Krebs sein? Der Inhaltsstoff Curcumin wurde in Hunderten von wissenschaftlichen Untersuchungen getestet – und in vielen davon gab es durchaus Erfolg versprechende Effekte. In Versuchen in der Petrischale mit Krebszellen wirkt Kurkuma wachstumshemmend und löst den frühzeitigen Zelltod aus. In Tierversuchen bessert Curcumin die Hirnleistung und verhindert experimentell erzeugte Alzheimer-Veränderungen im Gehirn. Die Ergebnisse sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da Daten aus Zellkultur- und Tierversuchen selten auf den Menschen übertragbar sind.

    Zur Überprüfung der Ergebnisse sind klinische Studien am Menschen notwendig. Zwar zeigt Curcumin auch hier positive Wirkungen, wie antientzündliche, knorpelschützende und cholesterinsenkende Eigenschaften. Aber: Nur wenige Studien sind dabei aussagekräftig. Viele Arbeiten weisen eine zu geringe Teilnehmerzahl auf oder es gab keine Kontrollgruppe, die einen Zufallseffekt hätte ausschließen können. Ein weiteres Problem: In den meisten klinischen Studien wurden sehr viel höhere Tagesdosierungen als empfohlen eingesetzt – bis zu acht Gramm des Pulvers oder ein Gramm des Wirkstoffs Curcumin.

    Was aber klar ist: Kurkuma wird seit vielen Jahren eingesetzt, um positive Effekte auf den Magen-Darm-Trakt zu erzielen. Darmträgheit oder ein Völlegefühl nach dem Essen sind laut dem Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der European Medicines Agency langjährige Anwendungsgebiete von Kurkuma-Pulver. Denn das Gewürz regt die Verdauungssäfte an.

    Kurkuma kann die Wirkung von Medikamenten verändern

    Auch sind Fälle von Arzneimittelwechselwirkungen mit Curcumin bekannt und darum ist Vorsicht geboten. Die meisten Medikamente werden über Enzyme in der Leber abgebaut, die sogenannten Cytochrom-P450-Enzyme. Sie sind für die Biotransformation von Arzneimitteln zuständig. Nicht ausscheidbare Stoffe werden dabei in ausscheidbare Stoffe umgewandelt. Curcumin kann auch mit diesen Enzymen in der Leber interagieren und so die wirksame Blutkonzentration von Arzneimitteln verändern – das heißt erhöhen oder verringern. So wurde möglicherweise eine Wechselwirkung von Curcumin und Krebsmitteln beobachtet, die zu niedrigeren Blutkonzentrationen führte. Das Krebsmittel konnte somit weniger gut wirken.

    Untersuchungen zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln sind deutlich weniger ausführlich als bei Arzneimitteln. Darum ist auch bei Curcumin-Präparaten Vorsicht geboten. Sollten Sie regelmäßig Curcumin-Extrakte zu sich nehmen und Medikamente einnehmen, informieren Sie unbedingt Ihren Arzt oder Apotheker.

    Curcumin-Produkte mit verbesserter Bioverfügbarkeit

    Da Kurkuma schlecht über den Darm aufgenommen wird, werben einige Curcumin-Produkte mit einer verbesserten Aufnahme (Bioverfügbarkeit). Als Zusätze sollen zum Beispiel schwarzer Pfeffer (Piperin) helfen. Die Datenlage über Nebenwirkungen und Toxizität der neuen Produkte ist jedoch dünn und bereits vorliegende Informationen von reinem Curcumin lassen sich nicht auf die neueren Produkte übertragen. Darum gilt es zu bedenken: Curcumin-Produkte mit verbesserter Bioverfügbarkeit sind noch nicht als sichere Lebensmittel eingestuft.

    Auf einen Blick

    Curcumin-Extrakte mit Vorsicht genießen.

    Als Gewürz in üblichen Mengen gilt Kurkuma als sicheres Lebensmittel. Allergische Reaktionen treten nur vereinzelt auf. Sollten Sie starke und lang anhaltende Magen-Darm-Beschwerden nach einer Curry-Mahlzeit oder nach curcuminhaltigen Kapseln verspüren, sprechen Sie mit einem Arzt. 

    Wichtig ist: Kurkuma selbst ist kein zugelassenes Arzneimittel. Auch ist Werbung für Lebensmittel mit gesundheitsförderlichen Effekten in Deutschland verboten. Und bisher gibt es noch keinen eindeutigen Beweis, dass Kurkuma bei bestimmten Krankheiten helfen kann. 

    Wer sollte Curcumin-Extrakte meiden?

    • Personen mit bekannter Allergie gegen Curcumin
    • Schwangere und Stillende (als Gewürz stellt es aber kein Problem dar)
    • Personen mit Gallensteinen (Curcumin fördert die Bildung und Sekretion von Gallensaft, was eine Gallenkolik zur Folge haben kann)
    • Kinder

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