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Was ist wirklich dran am Kurkuma-Effekt?

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 25.11.2020

Eigentlich ist es ein Gewürz, das in jedem Supermarkt zu haben ist. Aber seit kurzem feiert Kurkuma einen bemerkenswerten Siegeszug in der Naturheilkunde – als vermeintliches Heilmittel gegen Arthrose, Alzheimer oder sogar Krebs. Eine Trend-Zutat auf dem Prüfstand.

Inhalte im Überblick

    Was ist Curcumin?

    Sie ist der Star am Superfood-Himmel: Kaum ein Gewürz wird derzeit so gefeiert wie die Curry-Zutat Kurkuma, auch Gelbwurz genannt. Angepriesen als „Zauberknolle“, „Gewürz des Lebens“ oder „Power-Wurzel“ soll ihr Extrakt – der gelbe Farbstoff Curcumin – bei zahlreichen Beschwerden und Zivilisationskrankheiten helfen.

    Doch bei neu propagierten Wundermitteln ist zunächst einmal Skepsis geboten. Zwar beschäftigt sich die Medizin seit Jahren schon mit ihrer Wirkung auf den menschlichen Körper, dennoch gilt die Heilkraft von Kurkuma bislang für viele Erkrankungen als wissenschaftlich nicht geklärt.

    Höchste Zeit, Licht ins Dunkel zu bringen: Wie gesund ist Kurkuma für den Menschen wirklich – und bei welchen Leiden kann es tatsächlich helfen? Ein Fakten-Check.

    Superfood Kurkuma? Auf die Dosis kommt es an!

    Als Gewürz aus dem Supermarkt-Regal wird der Wurzelstock meist als gemahlenes Pulver, in ausgewählten Läden auch frisch angeboten. Allerdings kann es als eigenständige Kochzutat kaum als Allheilmittel wirken.

    Hintergrund: Curcumin ist fettlöslich und wird vom Körper nur sehr schlecht aufgenommen. Es gelangt also nur sehr wenig dorthin, wo es wirken soll: in die Zellen. Das lässt vermuten, dass man wohl große Mengen Kurkuma essen müsste, um tatsächlich gesundheitsfördernde Effekte im Körper zu erzielen.

    Dann hilft viel auch viel? „Nein, diese Rechnung geht so nicht auf“, erklärt die Naturmedizinerin Professor Sigrun Chrubasik-Hausmann. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin verfügt über eine Zusatzausbildung in Naturheilverfahren und ist Koordinatorin des Schwerpunkts „Phytotherapie“ im Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg im Breisgau. Zur Gesundheitsvorbeugung nimmt Chrubasik-Hausmann selbst täglich Kurkuma-Extrakt ein. 

    „Kurkuma hat ein enorm hohes Potenzial und dieses gilt es zu nutzen.“

    Professor Sigrun Chrubasik-Hausmann
    Fachärztin für Allgemeinmedizin

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt als Tages-Dosis bis zu drei Gramm Kurkuma-Pulver aus dem getrockneten Wurzelstock – das entspricht etwa der Menge von etwa 1 TL des Gewürzes. Diese Gabe gilt als gesundheitlich unbedenklich. Auch von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt es Reglementierungen für die Einnahme des Wirkstoffs Curcumin.

    Sie empfiehlt täglich nicht mehr als 2 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zu verzehren. Bei einem 70 Kilo schweren Menschen sind das 140 mg Curcumin pro Tag, etwa in Form eines Nahrungsergänzungsmittels. Wird das Gewürz oder der Extrakt höher dosiert, können je nach Empfindlichkeit Nebenwirkungen wie Blähungen, Durchfall, Übelkeit oder Schmerzen im Verdauungstrakt auftreten.

    Wogegen Kurkuma wirklich hilft

    Aber kann Kurkuma in dieser Konzentration wirklich wie oft behauptet eine Geheimwaffe gegen Diabetes, Arthrose, Alzheimer oder sogar Krebs sein? Der Inhaltsstoff Curcumin wurde in hunderten von wissenschaftlichen Untersuchungen getestet – und in vielen davon gab es durchaus erfolgversprechende Effekte.

    Professor Chrubasik-Hausmann: „In Versuchen in der Petrischale mit Krebszellen wirkt Kurkuma wachstumshemmend und löst den frühzeitigen Zelltod aus. In Tierversuchen bessert Curcumin die Hirnleistung und verhindert experimentell erzeugte Alzheimer-Veränderungen im Gehirn. Darüber hinaus sind antientzündliche, knorpelschützende und cholesterinsenkende Eigenschaften nachgewiesen.“

    Allerdings handelt es sich dabei meist um reine Laborexperimente und Tierversuche – oder die Arbeiten weisen eine geringe Teilnehmerzahl auf. Das heißt, eine aussagekräftige Wirkung lässt sich beim Menschen nicht ableiten.

    Ein weiteres Problem: „In den meisten klinischen Studien wurden sehr viel höhere Tagesdosierungen eingesetzt – bis acht Gramm des Pulvers oder ein Gramm des Wirkstoffs Curcumin “, sagt Professor Chrubasik-Hausmann. „Denn mit der von den Gesundheitsbehörden empfohlenen Menge lassen sich die meisten Krankheiten de facto nicht behandeln.“ Mit zwei Ausnahmen:  

    Ein Gewürz braucht Gesellschaft

    Aber wieso setzt die Expertin in ihrer Praxis Kurkuma als Heilmittel überhaupt ein, wenn die Wirkung für die meisten Leiden gar nicht belegt ist? „Sein Extrakt hat ein enorm hohes Potenzial“, sagt Professor Chrubasik-Hausmann, „und dieses gilt es zu nutzen.“

    Dennoch rät die Expertin dazu, Kurkuma in erster Linie als Vorsorgemaßnahme oder zur unterstützenden Behandlung bei Krankheiten zu nutzen. Sie selbst kombiniert Kurkuma-Präparate mit anderen Pflanzenwirkstoffen, um die Heilwirkung des Curcumins zu steigern und damit Beschwerden und Erkrankungen zu lindern.

    „Bei Arthrose verabreiche ich Curcumin zusammen mit Hagebuttenpulver, bei Lebererkrankungen mit Mariendistel, bei Durchblutungsstörungen mit Ginkgoextrakt und bei Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen zum Beispiel mit dem Schwarzkümmel-Wirkstoff, einem sogenannten Drug-Enhancer, der die Wirkung von Curcumin verstärkt.“

    Auch im Alltag kann jeder die Wirkung von Kurkuma potenzieren. Tipp der Expertin: „Wer vom Gewürz profitieren möchte, sollte am besten zum Curry greifen. Das haben die Inder schon sehr früh erkannt. Die Mischung von Gelbwurz mit anderen Gewürzen im Curry wie Pfeffer, Anis oder Bockshornklee steigert dessen Aufnahme im menschlichen Körper und seine Verwertbarkeit.“

    Vor allem durch den Inhaltsstoff Piperin aus dem schwarzen Pfeffer kann 20 Mal mehr Curcumin in den Körper gelangen, um dort zu wirken, wo es gebraucht wird. Die Allgemeinmedizinerin empfiehlt, den Mahlzeiten jeden Tag einen Teelöffel Curry beizumischen – zur Vorbeugung von Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes sowie Bluthochdruck. In üblichen (Gewürz-)Mengen gegessen gilt Kurkuma als sicheres Lebensmittel.

    Wichtig: Wer an Gallensteinen leidet, sollte auf die Einnahme von Curcumin-Extrakten verzichten. Diese können die Gallensaftproduktion fördern – und so eine Gallenkolik auslösen. Wer Curcumin als Heilmittel nutzen möchte, sollte sich vom Arzt zum Produkt, der Höhe der Dosierung und zu möglichen Nebenwirkungen beraten lassen.

    Was wirkt besser – Gewürz oder Nahrungsergänzung?

    Da der Körper den wertvollen Inhaltsstoff des Kurkumas nur sehr schlecht aufnimmt, wird das Curcumin auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln wie Kapseln, Pulver, Öl oder Sirup angeboten.

    Hier kann der Pflanzenstoff mithilfe neuer Technologien besser verwertbar gemacht werden. Umhüllt etwa mit einem speziellen Zuckerring („Cyclodextrin“) kann das Curcumin so die Darmwand passieren – und in den Körper gelangen. 

    Hilfreich bei Entzündungen?

    In Tierversuchen ist die antientzündliche Wirkung von Kurkuma eindeutig nachgewiesen. Vermutlich bindet Curcumin an Enzyme, die an Entzündungsvorgängen im Körper beteiligt sind, und blockiert diese.

    Doch nur in sehr hohen Dosen (meist rund 1 Gramm Curcumin am Tag) zeigte der Wirkstoff in Studien auch Effekte beim Menschen – etwa bei entzündlichen Darmkrankheiten (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) und Gelenkentzündungen (Arthritis).

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