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Bundesweit erster Qualitätsvertrag zur Prävention des postoperativen Delirs geschlossen

Die AOK Rheinland/Hamburg und das Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg haben zum Jahresbeginn den bundesweit ersten Qualitätsvertrag zur Vermeidung des postoperativen Delirs geschlossen. Das Delir ist eine akute Funktionsstörung des Gehirns, die durch Desorientierung, Verwirrtheit und Halluzinationen gekennzeichnet ist. Es zählt zu den häufigsten Komplikationen bei geriatrischen Patienten im stationären Bereich.

Versorgung geriatrischer Patienten verbessern

Matthias Mohrmann, Mitglied des Vorstandes der AOK Rheinland/Hamburg, erläutert: „Mit dem Vertrag wollen wir einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Versorgung älterer Patienten zu verbessern und die Delir-Rate nach Operationen messbar zu senken.“ Carsten Jochum, Geschäftsführer des Malteser Krankenhauses, ergänzt: „Der alte Mensch ist schon lange im Fokus unseres Krankenhauses, so wurde bereits Mitte der 70er Jahre eine der ersten geriatrischen Stationen in Deutschland am Malteser Krankenhaus aufgebaut. Daran anknüpfend wird es mit dem Vertrag gelingen, die Versorgungsqualität unserer Patienten weiter zu verbessern.“

Lange Zeit galten im Rahmen eines Krankenhausaufenthaltes auftretende Delire als eine zwangsläufige Begleiterscheinung, mittlerweile werden sie als psychiatrische Notfälle anerkannt. Untersuchungen zeigen, dass Delire mit einer erhöhten Erkrankungs- und Sterberate verbunden sind und auch langfristig negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Patienten haben. Studien belegen, dass 41 Prozent der Patienten 12 Monate nach Auftreten eines Delirs immer noch an geistigen Ausfällen leiden, die die Aktivitäten des täglichen Lebens einschränken. Infolgedessen sind viele Patienten auf Pflege angewiesen, was eine Rückkehr in die gewohnte Umgebung erschwert bzw. unmöglich macht.

Der zwischen AOK Rheinland/Hamburg und dem Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg geschlossene Qualitätsvertrag verfolgt das Ziel, die Selbstständigkeit der Patienten zu erhalten bzw. wiederherzustellen und eine Pflegebedürftigkeit vermeiden. Dies soll durch eine umfassende Dokumentation der Versor­gungs­situation sowie durch ein systematisches Screening aller Patienten ab dem 65. Lebensjahr vor Operationen erreicht werden. Liegen auffällige Befunde und damit ein erhöhtes Delir-Risiko vor, kümmert sich ein speziell geschulter Patientenbegleitdienst im Rahmen einer 1:1-Betreuung intensiv um den Risikopatienten. Im Falle eines eintretenden Delirs kommen verschiedene Maßnahmen zur Neu-Orientierung, Gestaltung des Tagesablaufes, Verbesserung des Tag-Nacht-Rhythmus sowie eine adäquate Schmerztherapie zum Einsatz. PD Dr. Albert Lukas, Chefarzt der Geriatrie des Malteser Krankenhauses und gleichzeitig wissenschaftlicher Leiter des Delir-Projektes, geht nach aktuellem Wissensstand davon aus, dass auf diesem Wege eine Delir-Reduktion um bis zu 30 Prozent möglich ist.

Zum Hintergrund

Die Möglichkeit eines Qualitätsvertrags nach § 110a SGB V besteht in vier verschiedenen Leistungsbereichen. Dabei schließen Krankenhausträger und Krankenkassen zeitlich befristete Verträge, in denen sie Qualitätsziele und -anforderungen für die stationäre Behandlung festlegen. Nach drei bis fünf Jahren untersucht das Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) die Versorgungsformen und deren Qualität. Danach wird entschieden, ob die Leistung in die Regelversorgung gelangen kann.

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