Angebot anzeigen für:
Kontakt zu meiner AOK Rheinland/Hamburg
Ort/Kasse korrigieren
Seitenpfad

Sozioökonomisch benachteiligte Menschen erkranken im Schnitt sieben Jahre früher an Krebs

Individuelle Gesundheitschancen haben einen maßgeblichen Einfluss auf den Zeitpunkt der Entstehung von Krebs: Männer und Frauen mit niedrigem sozioökonomischen Status erkranken durchschnittlich sieben Jahre früher als Menschen mit höherem sozioökonomischen Status. Der Unterschied zeigt sich ausnahmslos bei allen Krebsarten. Dies ist eine Erkenntnis des Onkologie-Reports der AOK Rheinland/Hamburg, der heute veröffentlicht wurde.

Onkologie-Report zeigt Zusammenhang zwischen sozialem Status und Krebserkrankungen

Ein niedriger sozioökonomischer Status geht oft einher mit höheren Gesundheitsbelastungen und schlechteren Gesundheitschancen, beispielsweise einer niedrigeren Gesundheitskompetenz. Wesentliche Risikofaktoren bei Menschen mit niedrigem sozioökonomischen Status sind der höhere Anteil an Raucherinnen und Rauchern, weniger sportliche Aktivität, ein ungünstiges Ernährungsverhalten und die stärkere Verbreitung von Adipositas. „Wir möchten für alle Menschen dieselben Gesundheitschancen schaffen, unabhängig von ihrem sozialen Status“, sagt Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg. „Mit Angeboten wie dem Gesundheitskiosk in Hamburg-Billstedt und dem Gesundheitsnetzwerk dieKümmerei in Köln-Chorweiler fördern wir einen niedrigschwelligen Zugang zu medizinischen und sozialen Leistungen und zielen auf eine verbesserte Gesundheitsförderung und -kompetenz.“

Quelle: Onkologie-Report 2021, AOK Rheinland/Hamburg
Gesetzliche Früherkennung wird zu selten oder gar nicht genutzt

Früherkennungsmaßnahmen können Krebserkrankungen in der Regel nicht verhindern, helfen aber, sie früh zu entdecken und zu behandeln und damit die Heilungschancen zu verbessern. Der Onkologie-Report zeigt jedoch, dass der Großteil der Versicherten die gesetzlichen Programme zur Krebsfrüherkennung nicht oder zumindest nicht im empfohlenen Zeitraum nutzt. Bei allen Programmen liegt die Teilnahmequote (oftmals deutlich) unter 50 Prozent.

Die Gründe dafür, nicht am Screening teilzunehmen, sind unterschiedlich. Aus einer repräsentativen Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen (WIdO) geht hervor, dass dem Großteil der Bevölkerung die Programme bekannt sind. Auch grundsätzliche Vorbehalte gegen Früherkennungsuntersuchungen sind eher selten. Am häufigsten gaben die Befragten an, dass sie sich gesund fühlten und daher eine Untersuchung persönlich nicht für erforderlich hielten. „Das Screening auf Krebserkrankungen richtet sich an alle, auch an gesunde und beschwerdefreie Personen“, sagt Rolf Buchwitz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg. „Es ist wichtig, dass die Menschen über die Vor- und Nachteile der Früherkennung aufgeklärt werden, damit sie eine informierte Entscheidung treffen können. Wird Krebs früh erkannt, kann das Leben retten.“

Knapp jede zweite anspruchsberechtigte Frau nutzt das Angebot des Mammographie-Screenings und 39 Prozent nehmen an der Krebsfrüherkennungsuntersuchung teil. Die Krebsfrüherkennung beim Mann nutzt demgegenüber nur jeder fünfte Anspruchsberechtigte.

Die Früherkennungskoloskopie (Darmspiegelung) leistet einen großen Beitrag, Darmkrebs frühzeitig zu erkennen. Die Teilnahme ist für alle Personen ab 55 Jahren empfohlen – für Männer wurde die Altersgrenze kürzlich auf 50 Jahre gesenkt. Allerdings nehmen gerade einmal 14 Prozent der Versicherten in den ersten fünf Jahren nach der Anspruchsberechtigung einen Termin für eine Früherkennungskoloskopie wahr.

Versorgung während der Corona-Pandemie

Die Pandemie hat die onkologische Versorgung vor große Herausforderungen gestellt. Krebserkrankte haben ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe und ein größeres Risiko, an den Folgen einer Covid-19-Infektion zu versterben. Aufgrund der allgemeinen Einschränkungen war die Zahl der Arztkontakte während der Pandemie deutlich niedriger als in den Vorjahren. Gleiches gilt für die Teilnahme an Screening-Programmen: Sie ist im Jahr 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 um bis zu 20 Prozent zurückgegangen. Insbesondere im ersten und zweiten Quartal des Jahres sind die Fallzahlen zumeist deutlich eingebrochen.

Der Anstieg im dritten und vierten Quartal im Vergleich zu den Vorjahren legt nahe, dass viele Versicherte ihre verschobene Früherkennungsuntersuchung nachgeholt haben. Insbesondere bei der Krebsfrüherkennung der Frau konnte durch diese nachholende Entwicklung das Vorjahresniveau wieder erreicht werden. Hingegen bleibt im Jahr 2020 bei der Krebsfrüherkennung beim Mann, beim Mammographie-Screening und vor allem bei der Hautkrebsfrüherkennung ein deutliches Minus. „Es zeigt sich, dass gerade bei Männern noch erhebliches Potenzial besteht, das Bewusstsein für die Bedeutung der Früherkennung zu schärfen. Mit einer zielgruppengerechten Ansprache, aber auch über das persönliche Einladungsverfahren der gesetzlichen Krankenkassen, können wir hier einen wichtigen Beitrag leisten“, so Günter Wältermann.    

Bedingt durch die verminderte Screening-Teilnahme blieben im Jahr 2020 rechnerisch 4,1 Brustkrebs-Erkrankungen, 4,5 Prostatakrebs-Erkrankungen, 1,9 Darmkrebs-Erkrankungen und 6,9 Hautkrebs-Erkrankungen je 100.000 Versicherte unerkannt. Bei den gynäkologischen Malignomen gab es keine Veränderung zum Vorjahr.

Durch die allgemeinen Einschränkungen im Gesundheitswesen seit Pandemiebeginn wurden auch außerhalb der Screening-Programme weniger Krebserkrankungen entdeckt. Insgesamt wurden 169 neue Krebserkrankungen je 100.000 Versicherte weniger diagnostiziert als im Durchschnitt der Vorjahre. Dies ist ein Rückgang um 10,6 Prozent. In absoluten Zahlen war der Rückgang bei Brustkrebs und Prostatakrebs am stärksten. Prozentual zeigt sich die stärkste Abnahme beim Hautkrebs, beim Darmkrebs und bei den Kopf-Hals-Malignomen.

Quelle: Onkologie-Report 2021, AOK Rheinland/Hamburg
„Deutschland, wir müssen über Gesundheit reden“

Mit einer Präventionskampagne möchte die AOK das Thema Krebsfrüherkennung noch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und die Menschen motivieren, die gesetzlich vorgesehenen Untersuchungen wahrzunehmen. Eine aktuelle Forsa-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes zeigt, dass es sich hier oft um schambesetzte Untersuchungen handelt, zu denen sich viele Menschen überwinden müssen und über die sie nicht gern sprechen. „Wir wollen mit einer unkonventionellen Ansprache dazu beitragen, Barrieren abzubauen und die Beschäftigung mit dem Thema Früherkennung und Vorsorge aus der Tabuzone zu holen“, so Rolf Buchwitz. Die Kampagne umfasst TV-Spots und Anzeigen.

Hintergrund

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 490.000 Menschen an Krebs. Dies entspricht 560 Krebsdiagnosen je 100.000 Frauen und 637 Diagnosen je 100.000 Männer. Die Diagnose markiert für die Betroffenen einen existenziellen Lebenseinschnitt und ist für die Erkrankten und ihr persönliches Umfeld eine äußerst belastende Situation. Der Onkologie-Report der AOK Rheinland/Hamburg hat es sich zum Ziel gesetzt, die onkologische Versorgung im Rheinland und in Hamburg zu analysieren. Er liefert Zahlen, Daten und Fakten zu Krebsinzidenzen, zur Früherkennung und zur Inanspruchnahme von entsprechenden Programmen sowie zur Versorgung von Krebspatienten in der Corona-Pandemie. Beleuchtet werden auch die Primärbehandlung, die Palliativ-Versorgung und Rehabilitationsmaßnahmen nach der Krebsbehandlung.

Download

Sie haben Fragen? Wir helfen Ihnen.