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Einwohner von NRW-Städten wie Remscheid, Essen, Düsseldorf oder Köln leiden häufiger an der Lungenerkrankung COPD

In der Region Nordrhein leiden deutlich mehr Menschen an der schweren Lungenerkrankung COPD als im deutschlandweiten Durchschnitt. Die Abkürzung COPD steht für chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Während in der nordrhein-westfälischen Metro-polregion, zu der Großstädte wie Köln, Düsseldorf und Essen gehören, insgesamt 8,5 Prozent der Menschen ab 40 Jahren betroffen sind, sind es bundesweit 7,1 Prozent.

Rauchen gilt als Risikofaktor Nummer eins. Aber auch die Feinstaubbelastung spielt eine Rolle

Das zeigt der „Gesundheitsatlas COPD“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), den die AOK Rheinland/Hamburg vor dem Weltnichtrauchertag am 31. Mai veröffentlicht hat.

Tabakrauch gilt als Risikofaktor Nummer eins und auch die Feinstaubbelastung der Luft kann COPD begünstigen. Bei COPD handelt es sich um eine chronische Erkrankung der Lungen, die zu einer Verengung der Atemwege führt. Zu den typischen Symptomen zählen Atemnot, Husten oder Auswurf. Meist verschlimmert sich die Krankheit im Laufe der Jahre. Experten gehen davon aus, dass 80 bis 90 Prozent der COPD-Patienten Raucher sind oder waren. Zigarettenrauchen erhöht das Risiko um das 13-Fache.

Insgesamt waren im Jahr 2019 fast eine halbe Million Menschen ab 40 Jahren im Gebiet der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein an einer COPD erkrankt, nämlich rund 464.000. Die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter. Bei den Männern haben in dieser Region 19 Prozent der 85- bis 89-Jährigen die Diagnose COPD bekommen, bei den Frauen trifft es mit 13,6 Prozent die Gruppe der 80- bis 84-Jährigen verhältnismäßig am stärksten. „Die unterschiedlichen Werte können durch das Rauchverhalten von Männern und Frauen erklärt werden“, sagt Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg. „Statistiken belegen, dass in den vergangenen Jahren stets mehr Männer als Frauen geraucht haben.“

Der Gesundheitsatlas veranschaulicht diesen Zusammenhang zwischen Tabakkonsum und den Lungenbeschwerden: Die COPD-Häufigkeit nimmt mit dem Anteil rauchender Menschen in einer Region auffällig zu. „Daher sind Angebote und Kurse zum Rauchverzicht eine der wichtigsten Maßnahmen zur Bekämpfung von COPD“, so Günter Wältermann.  Nach Angaben aus dem Tabakatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums raucht in Nordrhein-Westfalen fast jeder vierte Erwachsene (23,3 Prozent). Deutschlandweit sieht es ähnlich aus (23,0 Prozent).

Den negativen Spitzenwert erreicht Remscheid, aber auch Essen und Düsseldorf schneiden eher schlecht ab

Der „Gesundheitsatlas Nordrhein“ verdeutlicht sehr große Unterschiede zwischen den oft eher ländlich geprägten Kreisen und den größeren Städten in der Region. Während im Rhein-Sieg-Kreis der Anteil von COPD-Erkrankten bei den Menschen über 40 Jahren bei 6,7 Prozent liegt und damit unter dem Bundesdurchschnitt von 7,1 Prozent, liegt er in Remscheid bei 11,2 Prozent – ein negativer Spitzenwert in der Region.

Aber auch andere Großstädte in der KV-Region Nordrhein schneiden eher schlecht ab: Essen mit 10,2 Prozent COPD-Häufigkeit, Düsseldorf (9,2 Prozent) und Köln (8,6 Prozent) liegen ebenfalls über dem Bundesdurchschnitt. So hoch wie in Essen ist der Anteil COPD-Erkrankter in keiner anderen deutschen Großstadt mit über 500.000 Einwohnern. Hinter Essen und Düsseldorf folgen in dieser Kategorie republikweit Dortmund (9,0), Berlin und Köln (beide 8,6 Prozent). 

Neben dem Tabakkonsum spielt auch die Feinstaubbelastung eine Rolle bei den COPD-Erkrankungen: Deutschlandweit beträgt die Prävalenz in den Regionen mit der niedrigsten Feinstaubbelastung laut Gesundheitsatlas lediglich 6,7 Prozent. „Luftschadstoffe können zur Entstehung einer COPD beitragen oder die Symptomatik bei Erkrankten verschlimmern. Die Auswirkungen von Feinstaub auf den Gesundheitszustand und auf die Sterblichkeit bei COPD-Erkrankten sind durch Studien belegt“, erläutert Prof. Dr. med. Georg Sabin, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Experte des Medizinischen Kompetenz Centrums (MKC) der AOK Rheinland/Hamburg.

Corona: COPD-Patienten zählen zur Risikogruppe

Zudem zeigt der Gesundheitsatlas auch einen Zusammenhang zwischen der COPD-Häufigkeit und der sozialen Struktur der Regionen: Menschen aus materiell und sozial benachteiligten Regionen sind häufiger betroffen als Menschen aus vergleichsweise wohlhabenden Regionen mit einem hohen sozialen Status.

Die AOK Rheinland/Hamburg engagiert sich seit Jahren für eine bessere und strukturierte medizinische Versorgung ihrer Versicherten mit einer COPD. So ist das Disease-Management-Programm (DMP) „AOK-Curaplan“ für COPD-Patienten seit fast 15 Jahren ein fester Bestandteil. „Das wichtigste Ziel bei der Versorgung der Erkrankten ist es, die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten“, sagt Günter Wältermann. „Neben dem Rauchverzicht wird im DMP ein körperliches Training angestrebt. Zudem sollen akute Verschlechterungen des Gesundheitszustands und Krankenhausaufenthalte vermieden werden, sodass Patienten in ihrem Alltag möglichst wenig eingeschränkt sind.“

Im Verlaufe der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass COPD-Patienten zu der Risikogruppe gehören, die häufiger von schweren Corona-Verläufen betroffen ist. Günter Wältermann: „Es hat sich herausgestellt, dass auch das Risiko für einen Krankenhaus-Aufenthalt bei COPD-Erkrankten leicht erhöht ist. Die Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Behandlung, der Gabe von Sauerstoff oder einer invasiven Beatmung war etwa doppelt so hoch.“

Gesundheitsatlas liefert Daten bis auf die lokale Ebene

Für den Gesundheitsatlas wurde ein Verfahren verwendet, das vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Universität Trier entwickelt wurde. Es erlaubt auf Basis der Abrechnungsdaten der AOK-Versicherten zuverlässige Aussagen zu Krankheitshäufigkeiten in der Gesamtbevölkerung Deutschlands bis auf die regionale Ebene. Ziel dieser Analysen ist es, den Akteuren vor Ort fundierte Informationen über das Krankheitsgeschehen in ihrer Region bereitzustellen.

Der „Gesundheitsatlas Nordrhein“ zur chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD steht zum kostenlosen Download zur Verfügung.

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