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Mehr Zeit fürs Gespräch, weniger Medikamente: Kinder mit ADHS bekommen eine bessere Behandlung

Gemeinsame Pressemitteilung der AOK Rheinland/Hamburg und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein

Über 600.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden an ADHS. Hinter dem „Zappelphilipp“ steckt aber oft eine ungesicherte Diagnose des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivi- tätssyndroms (ADHS), die dazu verleiten kann, die Erkrankung vorschnell mit Medikamenten zu behandeln. Von ADHS betroffene Kinder – meist Jungen – zeigen eine ziellose Überaktivität bei verkürzter Aufmerksamkeitsfähigkeit. Ein neuer Versorgungsvertrag für Kinder und Jugendliche mit ADHS zwischen der AOK Rheinland/Hamburg, der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein (BVKJ) und dem Bündnis der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Nordrhein-Westfalen (für Vertragsmodule) macht jetzt eine strukturierte, interdisziplinäre Behandlung möglich. Einer der Kernpunkte lautet, die Behandlung zunächst ohne Medikamente zu versuchen. In Nordrhein leiden etwa 40.000 Kinder und Jugendliche unter dem Aufmerksamkeitsdefizit- (ADS) bzw. Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS).

Der neue Vertrag für Patienten von sechs bis 17 Jahren beinhaltet vor allem eine verbesserte Diagnostik, Elternschulungen, eine koordinierte Zusammenarbeit von Ärzten und Psychotherapeuten, einen leichteren Zugang zu psychotherapeutischer Behandlung und einen streng kontrollierten Medikamenteneinsatz.

Cornelia Prüfer-Storcks, Mitglied des Vorstandes der AOK Rheinland/Hamburg, erklärte: „Wir suchen die Zusammenarbeit mit besonders erfahrenen Kinder- und Jugendärzten und Psychotherapeuten, um die Versorgung der Kinder und Jugendlichen deutlich zu verbessern. Im Vordergrund steht mehr Zeit für die Patienten und ihre Familie statt vorschneller Medikamentengabe.“

„Die von ADHS betroffenen Kinder brauchen ein umfassendes Betreuungskonzept“, so Bernhard Brautmeier, Vorstand der KV Nordrhein. „Der neue Vertrag sieht daher eine enge Zusammenarbeit zwischen Pädiatern und Psychotherapeuten vor. Auch die Eltern werden einbezogen.“

„Der Kinder- und Jugendarzt ist die erste Anlaufstelle für betroffene Kinder und ihre Eltern“, betonte Dr. Thomas Fischbach, Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein der Kinder- und Jugendärzte. Er übernehme daher die Koordinierung der Behandlung. Die Kinder und Jugendlichen würden dazu in den Vertrag eingeschrieben.

„Zu wenige Kinder bekommen die notwendige abgestimmte psychosoziale Betreuung, zu wenige eine Psychotherapie“, sagte Bernhard Moors, Sprecher des Bündnisses Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, KJP. „Wir begrüßen, dass Patienten in diesem Vertrag sich auch direkt an einen Psychotherapeuten ihres Vertrauens wenden und ihn zum festen Ansprechpartner wählen können.“

Kinder- und Jugendpsychotherapeuten sowie Psychologische Psychotherapeuten mit einer entsprechenden Ausbildung werden in die Versorgung einbezogen. Die teilnehmenden Psychotherapeuten bieten zudem eine Samstagssprechstunde für die eingeschriebenen Kinder und Jugendlichen an. Ein weiteres Ziel des Vertrages ist es, nicht nur mehr Zeit für das Patientengespräch zu schaffen, sondern auch einen größeren Austausch unter den Behandlern zu ermöglichen.

Die teilnehmenden Ärzte und anderen Behandler erhalten für die ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen eine zusätzliche Vergütung.

Der neue Versorgungsvertrag der AOK Rheinland/Hamburg mit seinen Schwerpunkten unterstreicht eine aktuelle Bewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu ADHS. Der G-BA, das entscheidende Gremium von Krankenkassen, Ärzten, Psychotherapeuten und Krankenhäusern zur Festlegung des Leistungskatalogs in der gesetzlichen Krankenversicherung, hat im September eine Richtlinie zum Gebrauch von methylphenidat-haltigen Arzneimitteln geändert. Dieser Wirkstoff ist häufig in Medikamenten zur Behandlung von ADHS zu finden, das bekannteste davon ist Ritalin. Der G-BA hat jetzt einerseits festgelegt, dass sich die Diagnose von ADHS nicht nur auf ein oder mehrere Symptome stützen darf, sondern u.a. eine vollständige Anamnese umfassen muss. Andererseits dürfen Medikamente mit Methylphenidat nur von Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern, zum Beispiel den Fachärzten für Kinder- und Jugendmedizin, verordnet werden. Zudem müssen regelmäßig medikamentenfreie Zeitabschnitte eingelegt werden.
AOK Rheinland/Hamburg
Die Gesundheitskasse
Stabsstelle Presse
Kontakt: André Maßmann
E-Mail: andre.massmann@rh.aok.de
Telefon: 0211 8791-1262
Telefax: 0211 8791-1125

Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein
Frank Naundorf
Telefon: 0211 5970-8108