Angebot anzeigen für:
Kontakt zu meiner AOK Rheinland/Hamburg
Ort/Kasse korrigieren
Seitenpfad

AOK-Gesundheitsreport 2021: Regionale Unterschiede bei der Corona-Sterblichkeit. Außerdem: Mehr als jeder Vierte leidet unter chronischen Schmerzen.

Hunderttausende Corona-Infizierte, eine angespannte Lage in einigen Krankenhäusern, ein spürbarer Rückgang der Vorsorgeuntersuchungen aus Angst vor Ansteckung: Der neue Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg veranschaulicht die Dimensionen der Pandemie an Rhein und Ruhr.

Bei der Behandlung chronischer Schmerzen werden häufig Maßnahmen gewählt, die keinen nachgewiesenen Nutzen haben.

Rund 9.300 Menschen sind hier bislang an Covid-19 gestorben. Die Corona-Sterblichkeit in der Region liegt damit bei 96 Toten je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, dieses entspricht 2,1 Prozent der registrierten Erkrankten.

Der Gesundheitsreport 2021 gibt einen umfangreichen Überblick über Entwicklungen in der regionalen Gesundheits- und Versorgungssituation. Fazit: Die Corona-Pandemie hat unser Gesundheitswesen vor große Herausforderungen gestellt, aber auch gezeigt, dass das System in einer Ausnahmesituation grundsätzlich sehr leistungsfähig ist.

Fallzahlrückgänge ausgewählter Untersuchungen und Diagnosen von März 2020 bis Januar 2021 im Vergleich zum Vorjahr im Rheinland und in Hamburg.

Corona: Deutliche regionale Unterschiede bei der Zahl der Sterbefälle

Nach Berechnungen des Robert-Koch-Instituts versterben Corona-Erkrankte im Schnitt rund 9,6 Jahre früher als ihre Lebenserwartung es hätte erwarten lassen. Seit Beginn der Pandemie wurde bei rund 444.000 Menschen im Rheinland eine Infektion mit dem Corona-Virus nachgewiesen. Dies entspricht 4,6 Prozent der Bevölkerung. Der Anteil der nicht erfassten Infektionen liegt aber vermutlich weitaus höher. Regional bestehen signifikante Unterschiede in der Sterblichkeit: Während Oberhausen pro 100.000 Einwohner 164 Sterbefälle im Zusammenhang mit Covid-19 verzeichnet, sind es im Rheinisch-Bergischen Kreis 51.

„Das Risiko für schwere Krankheitsverläufe ist insbesondere bei sozial schwächer gestellten Menschen deutlich erhöht. Armut ist ein Gesundheitsrisiko“, sagt Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg. „Zum einen haben sozioökonomisch benachteiligte Bevölkerungsgruppen aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit sowie ihrer Wohn- und Lebensverhältnisse oftmals ein höheres Infektionsrisiko. Zum anderen leiden sie häufiger an Vorerkrankungen und weiteren Faktoren, die schwere Krankheitsverläufe begünstigen.“

Der neue Gesundheitsreport zeigt: Jeder vierte Bewohner Nordrhein-Westfalens ist chronisch krank und damit einem höheren Risiko für einen schweren Corona-Verlauf ausgesetzt. Seit Beginn der Pandemie wurden 707 je 100.000 Versicherte der AOK Rheinland/Hamburg mit einer Corona-Erkrankung im Krankenhaus behandelt, 16 Prozent von ihnen auf einer Intensivstation. 13,5 Prozent der Covid-19-Erkrankten sind während des Krankenhausaufenthaltes verstorben. Bei äußerst schweren Krankheitsverläufen, die eine Beatmung erforderlich machten, lag die Sterblichkeit mit 40 Prozent deutlich höher als bei den nicht beatmeten Patientinnen und Patienten (9 Prozent).

Hälfte der Kliniken hat rund 80 Prozent der Corona-Patienten versorgt

Obwohl die Situation in den Krankenhäusern einzelner Kreise zeitweise angespannt war, stand bislang eine ausreichende Zahl an Intensivbetten zur Verfügung. Intensivfälle ohne Corona-Bezug waren weiterhin für den Großteil des Behandlungsgeschehens verantwortlich. Insgesamt haben 144 Krankenhäuser an Rhein und Ruhr Corona-Patienten versorgt. Dabei hat sich in der Pandemie eine klare Fokussierung auf die Häuser mit der größten Erfahrung ergeben: Die Hälfte der Kliniken hat sich um 79 Prozent aller Covid-19-Fälle und um 81 Prozent der Intensivfälle gekümmert.

„Gerade die Pandemie zeigt, wie wichtig es ist, dass der Patient in ein Krankenhaus mit einer hohen Expertise in der Behandlung kommt. Dies gilt nicht nur für Corona. Deshalb ist es wichtig, die Krankenhausstrukturen unter Qualitätsgesichtspunkten weiterzuentwickeln. Dazu gehören immer auch eine leistungsfähige ambulante Versorgung, eine optimale Vernetzung der Kliniken in der Fläche mit den Zentren und eine leistungsfähige Notfallversorgung“, sagt Matthias Mohrmann, Mitglied des Vorstands der AOK Rheinland/Hamburg.

Die Auswertungen belegen außerdem, dass die allgemeinen Einschränkungen während der Pandemie und die Verunsicherung in der Bevölkerung die medizinische Versorgung generell erschwert haben. Seit März 2020 ist das Gesundheitssystem jenseits von Corona deutlich weniger in Anspruch genommen worden. Das macht sich bei den Vorsorgeuntersuchungen bemerkbar: Von März bis Mai 2020 ist die Zahl der Check-ups im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 50 Prozent gesunken, in den Monaten Juni bis Oktober 2020 sogar um 79 Prozent. Einen regelrechten Boom hat dagegen die Videosprechstunde erlebt, die nach einem zuvor eher niedrigen Ausgangslevel in der Spitze um über 1.000 Prozent mehr nachgefragt wurde als vor der Pandemie. 

Mehr als jeder Vierte leidet unter chronischen Schmerzen

Zu den inhaltlichen Schwerpunkten des Gesundheitsreports zählt in diesem Jahr unter anderem die Belastung vieler Menschen durch chronische Schmerzen. Mehr als jeder vierte Versicherte ist davon betroffen, in vielen Fällen wird die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt, weil die Betroffenen beispielsweise unter anhaltenden Rückenschmerzen (13 Prozent) oder Problemen mit Knie und Hüfte (11,5 Prozent) leiden. Auch dauerhafte Nervenschmerzen (6,6 Prozent) oder Kopfschmerzen (5,1 Prozent) plagen etliche Versicherte. Jede bzw. jeder Zweite kämpft sogar gegen mehrfache Schmerzen an. Das heißt: In diesen Fällen sind verschiedene Körperregionen parallel betroffen.

Anzahl der Versicherten mit einer Schmerzdiagnose in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen.

Chronische Schmerzen erfolgreich zu behandeln, zählt zu den großen therapeutischen Herausforderungen. Der Leidensdruck der Patientinnen und Patienten ist hoch, ebenso wie der Wunsch der Mediziner, sie davon zu befreien und geeignete Therapiemittel zu finden. Der Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg zeigt aber auch, dass zu häufig Maßnahmen gewählt werden, die keinen nachgewiesenen Nutzen haben.

So wird beispielsweise zu oft und zu früh operiert: Bei mehr als jeder sechsten Operation an Rücken, Knie oder Hüfte ist ein halbes Jahr vor dem Eingriff keine ärztlich verordnete konservative Therapie eingesetzt worden, wie die Abrechnungsdaten der AOK belegen. Dabei sollte gemäß den medizinischen Leitlinien genau das zunächst versucht werden, akute Problemlagen und Notfälle sind davon natürlich ausgenommen. „Erst, wenn mit einer konservativen Behandlung keine zufriedenstellende Besserung erzielt werden kann, sollte ein operativer Eingriff erwogen werden. Der Anteil unnötiger Operationen ist zu groß“, sagt Matthias Mohrmann.

Knie- und Hüft-Arthrose: Viele Kliniken operieren sofort

Im neue Gesundheitsreport wird darüber hinaus das unterschiedliche Vorgehen der Krankenhäuser verdeutlicht. Während einige Kliniken fast ausschließlich Patientinnen und Patienten operieren, bei denen konservative Behandlungsversuche nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben, nehmen andere Häuser jeden fünften Eingriff ohne einen solchen Versuch vor. Besonders deutlich wird das am Beispiel der Knie- und Hüft-Operationen. Fast 28 Prozent der Versicherten mit Knieschmerzen aufgrund einer Arthrose haben in der Region Rhein/Ruhr ein künstliches Gelenk bekommen, ohne dass vorher eine konservative Therapie gewählt worden wäre. Im Falle der Hüfte gilt das für knapp 19 Prozent der Betroffenen.

Doch auch die medikamentöse Behandlung chronischer Schmerzen steht im Gesundheitsreport 2021 im Fokus. Hier geht es vor allem um die ärztliche Versorgung neuropathischer Schmerzen, also solcher Schmerzen, die durch ein geschädigtes Nervensystem hervorgerufen werden. Erkrankungen wie Diabetes, Gürtelrose, Bandscheibenvorfälle oder Schlaganfälle können solche Schädigungen auslösen. Hier werden häufig Medikamente zur Behandlung von Depressionen oder Epilepsie gewählt, um die Schmerzen zu lindern. Doch es zeigt sich, dass fast jeder dritte Patient Medikamente erhält, die nicht oder nur in Einzelfällen eingesetzt werden sollten. Die medizinischen Experten der AOK Rheinland/Hamburg befürworten daher, die Aus- und Weiterbildung in der Schmerztherapie zu stärken.

Opioid-Therapie: Qualitätsmanagement in der Schmerzversorgung stärken

Opioide werden zur Behandlung chronischer Kreuzschmerzen, arthrosebedingter Schmerzen oder neuropathischer Schmerzen eingesetzt. Sie gelten aufgrund der hohen Abhängigkeitsgefahr als letzter medikamentöser Therapieversuch, wenn andere Optionen ausgeschöpft worden sind. 13 Prozent der chronischen Schmerzpatienten bei der AOK Rheinland/Hamburg erhalten Opioide. Die Erhebungen zeigen, dass in den meisten Fällen die Opioide bereits im Quartal der ersten Schmerzdiagnose verschrieben und langfristig eingesetzt werden.

Bei ungefähr einem von einhundert Versicherten mit chronischen Schmerzen, die mit einer langfristigen Opioid-Therapie behandelt werden, wurde im Erhebungszeitraum eine Opioid-Abhängigkeit ärztlich vermerkt. „Von einer Opioid-Krise wie in den USA, wo eine breite Abgabe dieser Mittel an Schmerzpatienten zu einem starken Anstieg von Drogenabhängigen und Todesfällen geführt hat, ist unsere Region noch weit entfernt. Dennoch sollte das Qualitätsmanagement bei der Versorgung von Schmerzpatienten kontinuierlich verbessert werden“, sagt der Vorstandsvorsitzende Günter Wältermann.

Sie haben Fragen? Wir helfen Ihnen.