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Arzneimittel-Check beim Hausarzt fördert viele ungeeignete Medikamente zu Tage

Arzneimittel-Check zeigt erste Resultate: Ein großer Teil aller verordneten Medikamente ist bei dem jeweiligen Patienten unwirksam

05.06.2012

Gleichzeitig sind unerwünschte Nebenwirkungen für vermeidbare Belastungen verantwortlich und sorgen dazu noch für einen wirtschaftlichen Schaden. Gerade ältere Patienten erhalten häufig viel zu viele Medikamente. Der Grund: Nicht nur der Hausarzt verordnet Medikamente, sondern auch die beteiligten Fachärzte. Die Gesamtmedikation aber ist dem Hausarzt in vielen Fällen nicht bekannt. Um dies aufzuhellen, haben die AOK Rheinland/Hamburg und die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) den hamburgischen Vertragsärzten im Rahmen des Hausarztmodells seit Mitte 2011 die Möglichkeit geboten, sich in Form eines Arzneimittelchecks einen Überblick über die Gesamtmedikation ihrer Patienten zu verschaffen.

Erste Ergebnisse zur Entwicklung der Arzneimittel-Therapiesicherheit besagen: Vor allem die Anzahl der dauerhaft verordneten sogenannten Priscus-Arzneimittel, die für ältere Menschen ungeeignet sein können, ist durch die durchgeführte Bewertung und Beratung der Hausärzte um 34 Prozent rückläufig. Auch die Häufigkeit der in die Analysen einbezogenen Risiken für unerwünschte Wechselwirkungen wird geringer (- 22 Prozent). Analysen der Durchschnittswerte ergaben zudem, dass jeweils vier Ärzte an Verordnungen der Gesamtmedikation der beteiligten Patienten beteiligt waren, die mindestens drei verschiedenen Fachgruppen angehörten. Die Patienten erhielten bis zu 16 verschiedene Wirkstoffe und davon jeweils mindestens ein Arzneimittel aus der Priscus-Liste (Mittel, die für ältere Menschen als ungeeignet gelten). Auffällig war, dass an der Abgabe der Arzneimittel im Durchschnitt vier verschiedene Apotheken beteiligt waren.

Wilfried Jacobs, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, erklärte: „Es ist bemerkenswert, dass sich  bereits ein halbes Jahr nach Durchführung des Arzneimittelchecks erste Veränderungen im Sinne der Verbesserung der Therapiesicherheit für die einbezogenen Patientinnen und Patienten abzeichnen. Sollte sich diese Tendenz auch nach Evaluierung weiterer Daten fortsetzen, kann man von einem echten Erfolg sprechen.“

Beim Arzneimittelcheck durch den Hausarzt werden vor allem ältere Menschen eingebunden, die besonders viele Arzneimittel zeitgleich einnehmen müssen. Der Arzneimittelcheck soll für eine bessere Transparenz und Optimierung  der Medikation im Sinne der Arzneimittel-Therapiesicherheit der Patientinnen und  Patienten sorgen.

Horst Baltzer, Hamburgs Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg, betonte: „Dank der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg konnte eine Vielzahl von Hausärzten für die Beteiligung am Arzneimittelcheck gewonnen werden. Dieser Check sorgt für mehr Transparenz und bringt den Patienten mehr Qualität in der Versorgung mit Medikamenten.“

Seit April 2012 ist der Arzneimittelcheck auch im Rheinland im Rahmen des Hausarztmodells mit der KV Nordrhein einbezogen worden.

Hintergrund: Die Priscus-Liste enthält 83 Wirkstoffe, auf die im Alter möglichst verzichtet werden sollte. Trotzdem erhält etwa jeder vierte Patient mindestens eines der potenziell gefährlichen Arzneimittel. Die Priscus-Liste wurde von einem Forschungsverbund aus mehreren Hochschulen in Deutschland, Österreich sowie der Schweiz entwickelt und 2010 zum ersten Mal veröffentlicht. Sie führt zu jedem als ungünstig bewerteten Wirkstoff Alternativen auf, die Wirkstoffsubstitutionen ebenso wie nicht-medikamentöse Therapien umfassen.

Pressekontakt

AOK Rheinland/Hamburg
Die Gesundheitskasse
Stabsstelle Presse
André Maßmann
E-Mail: andre.massmann@rh.aok.de
Telefon: 0211 8791-1262
Telefax: 0211 8791-1232