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„AOK im Dialog“: Minister Spahn, Virologe Streeck und die Gesundheitspolitiker Klein-Schmeink und Lauterbach ziehen Lehren aus der Pandemie

Fazit: Corona hat die soziale Ungleichheit verschärft. Eine hohe Durchimpfungsrate ist der einzige Weg, die Zahl der Infektionen niedrigzuhalten. Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung zur Bewältigung der sozialen Folgen der Pandemie. Aufklärung und Impfangebote für Menschen in schwierigen Lebensverhältnissen müssen auf Augenhöhe erfolgen.

Ein Fazit von "AOK im Dialog": Corona hat die soziale Ungleichheit verschärft

Düsseldorf/Korschenbroich, 01.07.2021 Hochkarätige Gäste aus Politik und Wissenschaft begrüßte die AOK Rheinland/Hamburg am Mittwoch in Korschenbroich. Unter dem Titel „Deutschland in der Pandemie – was lernen wir für die Zukunft?“ diskutierten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Maria Klein-Schmeink (MdB, Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Karl Lauterbach (MdB, SPD) und Prof. Hendrik Streeck (Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn) über die Situation der Gesundheitsversorgung in der Pandemie. Die Pandemie hat gezeigt, welche Bedeutung Gesundheit für uns alle hat und wie leicht sie gefährdet ist", so Rolf Buchwitz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Gesundheitskasse im Vorfeld der Veranstaltung.

Zum Auftakt sprachen der aus Berlin zugeschaltete Minister Jens Spahn und Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, mit Moderator Jens Olesen über die Digitalisierungsfortschritte im Gesundheitswesen, die Rolle der Krankenkassen in der Pandemiebekämpfung und die nachhaltige Finanzierung der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.

Krankenkassen als aktive Gestalter in der Gesundheitsversorgung

Der Minister lobte das starke Gesundheitswesen in Deutschland, das weltweit führend sei – wo sonst erhielten Kinder früherer Gastarbeiter dieselbe medizinische Versorgung wie Regierungschefs? Die Krankenkassen seien wichtige Ansprechpartner für ihre Versicherten, gemeinsam mit ihnen habe man in der Pandemie kurzfristig sehr viel erreicht. Diese Vorlage nahm AOK-Vorstand Günter Wältermann auf und wünschte sich eine noch aktivere Rolle im Impfgeschehen, wie man es etwa in Israel gesehen habe. Dazu, so Wältermann, brauche es aber qualitätsgesicherte und tagesaktuelle Daten, die den Krankenkassen aktuell nicht vorlägen. Wältermann wies darauf hin, dass es wichtig sei, Schnittstellen zu schaffen, um Patienten durch das komplexe Versorgungssystem zu lotsen und zum Beispiel eine Brücke zwischen der Akutbehandlung und Rehabilitationsmaßnahmen zu schlagen. Die Krankenkassen könnten ihre Lotsenfunktion für Versicherte noch weiter ausbauen und punktgenaue Hilfestellungen geben. Die Erfahrung zeige, dass eine Patientenbegleitung in unserem komplexen System zwingend erforderlich sei.

Einig waren sich beide, dass die Pandemie bestehende Schwächen im Gesundheitssystem noch einmal deutlich zu Tage treten lassen habe. Das Thema Datenschutz hatte beispielsweise bei der Kontaktnachverfolgung und der Entwicklung der Corona-Warn-App immer wieder für Zündstoff gesorgt. Im Gespräch bezeichnete Spahn die App aber als „eine der erfolgreichsten Corona-Warn-Apps der Welt“. Sie sei fast 30 Millionen Mal heruntergeladen worden. Der Minister forderte insgesamt mehr Mut mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitssystem. Das Datenschutzrecht mache viel mehr möglich, als wir uns trauten. Es sei gerade im Medizin- und Versorgungsbereich ein großer Vorteil, wenn Daten schneller zusammengeführt werden könnten. Wältermann betonte, dass die Menschen mitgenommen werden müssten und der Nutzen deutlicher gemacht werden müsse. Die digitale Gesundheitskompetenz gelte es dabei zu stärken.

Finanzielle Sicherung der Sozialsysteme

Schließlich ging es um nicht weniger als die zukünftige Finanzierung in der gesetzlichen Krankenversicherung. „Sozialsysteme sind der Kitt, der die Gesellschaft auch in schwierigen Zeiten zusammenhält“, sagte Günter Wältermann. Er sorge sich jedoch, wie man dieses hohe Gut auch in angespannter finanzieller Situation schützen könne, ohne dass es Leistungskürzungen für die Versicherten gäbe. Nur ein stabiles und verlässliches finanzielles Umfeld ermögliche auch erforderliche Investitionen in die Zukunft. Der Minister versprach zum Abschluss des Gesprächs dafür zu sorgen, dass es in den Jahren 2022 bis 2024 eine verlässliche und faire Finanzierung geben wird. 

Forderung nach einem interdisziplinären Pandemierat

Im Anschluss diskutierten die weiteren Gäste aus Politik und Medizin über die Einbindung der Wissenschaft in den politischen Entscheidungsprozess. Maria Klein-Schmeink forderte die Einberufung eines Pandemierats aus Expertinnen und Experten verschiedenster Disziplinen, um durch wissenschaftliche Aufklärung eine weitere Verunsicherung der Bevölkerung zu verhindern. Hendrik Streeck bekräftigte dies und berichtete von seiner Beteiligung am nordrhein-westfälischen Expertenrat, dem es in der Vergangenheit gelungen sei, die pandemische Situation aus vielen Perspektiven zu beleuchten und Grundlagen für politische Entscheidungen zu bilden.

Unterstützung für Kinder, Jugendliche und besonders gefährdete Gruppen

Diskutiert wurde auch die Situation der Kinder und Jugendlichen, die von den Folgen der Corona-Maßnahmen besonders stark betroffen waren. Aber nicht nur Nutzen und Risiken der Impfung für die älteren Kinder, auch die sozialen Folgen der Pandemie müssten angemessen berücksichtigt werden, forderte Maria Klein-Schmeink. AOK-Vorstandsmitglied Matthias Mohrmann ergänzte, dass insbesondere Menschen in sozioökonomisch schlechter gestellten Stadtteilen wie etwa in Köln-Chorweiler, Duisburg-Marxloh, im Essener Norden oder in Hamburg-Billstedt/Horn auf sie zugeschnittene Angebote auf Augenhöhe bräuchten. „Wir müssen die Impfstoffe auf die Supermarkt-Parkplätze, direkt in das Lebensumfeld der Menschen, bringen und vor Ort eine verständliche Impfberatung anbieten. Wo es sinnvoll ist, in verschiedenen Sprachen. Plakate allein helfen nicht“, so Mohrmann. Im Hinblick auf die sich rasch verbreitende Delta-Variante mahnte Karl Lauterbach, die Notwendigkeit weiterer Impfungen besonders für Ältere und Risikopatienten zu prüfen. Es sei noch nicht sicher zu sagen, wie lange die Wirkung der Impfungen anhalte. Corona werde die Gesellschaft noch längere Zeit beschäftigen, Delta nicht die letzte Variante des Virus sein.

Krankenhauslandschaft: mehr Spezialisierung wagen

In der Pandemie habe sich gezeigt, so Lauterbach weiter, dass spezialisierte Krankenhäuser bessere Ergebnisse bei der Behandlung von Corona-Patienten erzielt hätten. Auch im Hinblick auf den zukünftig zunehmenden Mangel an medizinischem und pflegerischem Fachpersonal stelle sich daher die bereits bekannte Frage nach einer Konzentration innerhalb der Kliniklandschaft. Diesen Ball nahm Matthias Mohrmann sogleich auf und plädierte für eine intelligente Vernetzung der Maximalversorger mit kleineren Häusern in der Fläche. Eine bloße Schließungsdiskussion sei keine Lösung, vielmehr ginge es um eine Neudefinition von Versorgerrollen. Die in Deutschland noch sehr starre Trennung der Sektoren ambulant und stationär müsse dafür dringend aufgehoben werden.

Über „AOK im Dialog“

Mit dem Format „AOK im Dialog" tritt die Gesundheitskasse mit ihren Gästen in einen lebendigen Austausch zu aktuellen Themen aus der Gesundheitspolitik und Versorgung. Die Veranstaltung wird künftig regelmäßig - virtuell und vor Ort - eine Bühne bereitstellen, auf der Akteure aus Politik, Wissenschaft, Gesundheitswesen und Gesellschaft diskutieren.

Video „AOK im Dialog“

Den Mitschnitt des Videos „AOK im Dialog“ finden Sie in der Mediathek der AOK Rheinland/Hamburg.

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