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Ambulantes Netzwerk für psychisch Kranke vermeidet Klinikaufenthalte

Der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt: Auch in 2012 haben Fehlzeiten aufgrund psychischer Diagnosen weiter zugenommen

23.05.2013

Mittlerweile machen in Nordrhein-Westfalen psychisch bedingte Fehlzeiten über 18 Prozent aller Krankschreibungen aus. Das heißt, jeder fünfter Arbeitsunfähigkeitstag läuft unter einer psychischen Erkrankung. Bisher werden viele dieser Patienten im Krankenhaus behandelt. Doch nach ihrer Entlassung fehlt es häufig an konkreter Unterstützung, so dass sie bei der nächsten Krise wieder Hilfe in der Klinik suchen. Die AOK Rheinland/Hamburg macht jetzt zusammen mit der TK und der KKH ein neues Angebot.

Um den "Drehtüreffekt" zu verhindern und die ambulante Versorgung psychisch Kranker zu verbessern, hat die TK das "NetzWerk psychische Gesundheit" (NWpG) ins Leben gerufen. In mehreren Städten im Rheinland nimmt bereits eine Vielzahl von Patienten an dem Programm teil. Gemeinsam mit dem Hauptpartner, der Gesellschaft für psychische Gesundheit in Nordrhein-Westfalen (GpG NRW), hat die TK mit einem sozialen Träger einen kompetenten Kooperationspartner vor Ort gefunden. Das Netzwerk besteht in Duisburg, Essen, Köln, Leverkusen, Mettmann, Mülheim, Oberhausen und Solingen.

Bei diesem ambulanten Angebot arbeiten erfahrene Fachärzte, Sozialarbeiter, Fachpfleger und Therapeuten mit dem behandelnden Arzt Hand in Hand - wenn nötig rund um die Uhr. "Sie unterstützen die Patienten möglichst so, dass diese trotz ihrer psychischen Erkrankung im gewohnten familiären, beruflichen und sozialen Umfeld bleiben können. Bei Bedarf erhalten auch Angehörige Hilfe", beschreibt Ulrich Adler, Leiter regionales Vertragswesen der TK in NRW, den zentralen Ansatzpunkt des Netzes. "In Notfällen ist es möglich, den Patient auf Wunsch auch in seinen eigenen vier Wänden zu betreuen." Darüber hinaus gibt es als Alternative zu einer stationären Aufnahme Rückzugräume beim sozialen Träger vor Ort, die in einer Krise als geschützte Umgebung genutzt werden können. Ziel der ambulanten Behandlung sei es, Klinikaufenthalte zu vermeiden, das Risiko einer erneuten psychischen Krise herabzusetzen oder die Gefahr einer Chronifizierung zu vermindern.

Auch die AOK Rheinland/Hamburg und die KKH möchten ihren Versicherten eine gute ambulante Betreuung ermöglichen und sind dem Netz beigetreten. Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg, betonte: „Die psychiatrische Versorgung in Deutschland ist vom stationären Sektor dominiert – ganz anders als beispielsweise in den skandinavischen Ländern oder den Niederlanden. Wir wollen nicht zuletzt der Hospitalisierung entgegenwirken.“

„Wer feststellt, dass seine Seele aus dem Gleichgewicht geraten ist, tut sich meist schwer damit, sich ein psychisches Leiden einzugestehen“, weiß Dr. Elisabeth Siegmund-Schultze, Abteilungsleiterin Versorgungsmanagement bei der KKH. „Dabei ist ein offener Umgang damit der erste entscheidende Schritt in die richtige Richtung, denn Freunden oder Angehörigen fallen diese Veränderungen oder Belastungen nicht immer auf.“

Von Beginn an hat der Anbieter vor Ort das Netzwerk mit extra dafür geschulten Fachkräften aufgebaut und so zu einer gelungenen Umsetzung beigetragen.

Erste Rückmeldungen von Teilnehmenden zeigen eine hohe Zufriedenheit mit dem neuen Behandlungskonzept. Besonders die Möglichkeit, in einer akuten Krise 24 Stunden täglich Fachpersonal zu erreichen oder den Rückzugraum aufsuchen zu können, bietet hohe Sicherheit, betonen die Kooperationspartner.

Nils Greve, Geschäftsführer der GpG NRW ist Mitinitiator des "NetzWerk psychische Gesundheit" und sieht darin  einige große Chancen zur Verbesserung der Behandlungssituation sowie für generelle Strukturänderungen in der Versorgungslandschaft für psychisch Kranke Menschen: „Aus unseren Erfahrungen sind die weiteren Schritte klar ersichtlich. Um die starren Sektoren ambulanter und stationärer Behandlung aufzulösen, müssen alle Beteiligten aufeinander zugehen, Vertrauen aufbauen und ihre Angebote miteinander vernetzen.“

Pressekontakt

Techniker Krankenkasse
Beate Hanak
E-Mail: beate.hanak@tk.de
Telefon: 0211 93600-37

KKH
Daniela Preußer
E-Mail: presse@kkh-allianz.de
Telefon: 0511 2802-1620

AOK Rheinland/Hamburg
André Maßmann
E-Mail: andre.massmann@rh.aok.de
Telefon: 0211 8791-1262