Organe
COPD: die verbreitete Lungenkrankheit lässt sich oft verhindern
Veröffentlicht am:24.06.2026
15 Minuten Lesedauer
„Nur“ ein vermeintlich harmloser Raucherhusten oder bereits COPD? Die Krankheit zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen und hat einen Hauptrisikofaktor: Rauchen. Woran man eine COPD erkennt und warum Nichtrauchen immer eine gute Idee ist.

© iStock / FilippoBacci
Inhalte im Überblick
- Lungenkrankheit COPD: Was ist das?
- COPD ist nicht gleich COPD – welche Formen gibt es?
- COPD-Symptome: Was sind die ersten Anzeichen einer COPD?
- Was löst bei COPD die Symptome aus?
- Was sind die Ursachen und Risikofaktoren bei COPD?
- Lässt sich eine COPD vorbeugen?
- Behandlung und Lebenserwartung bei COPD: Kann sich die Lunge wieder erholen?
Lungenkrankheit COPD: Was ist das?
COPD ist die Abkürzung für den englischen Ausdruck chronic obstructive pulmonary disease, was auf Deutsch chronisch obstruktive Lungenerkrankung bedeutet:
- chronisch, weil die Krankheit nicht einfach wieder abklingt, sondern in der Regel lebenslang bestehen bleibt;
- obstruktiv, weil sich bei COPD meist Atemwege in den Lungen (Bronchien) verengen und Obstruktion der medizinische Fachausdruck für die Verengung oder den Verschluss von Gefäßen oder Kanälen ist.
Wie lautet die Definition von COPD?
Zusammengefasst lässt sich die COPD so beschreiben: Es handelt sich um eine fortschreitende und nicht heilbare Krankheit der Lungen. Die Lunge ist langfristig geschädigt und es kann bereits bei alltäglichen Aktivitäten wie Treppensteigen zu Atemnot kommen.
Wie häufig ist eine COPD?
COPD ist eine der häufigsten Erkrankungen weltweit. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 5 bis 10 von 100 Menschen über 40 Jahren an COPD.
Passende Artikel zum Thema
COPD ist nicht gleich COPD – welche Formen gibt es?
Der Oberbegriff COPD umfasst zwei unterschiedliche Phänomene:
- Eine chronische Bronchitis ist eine anhaltende Entzündung der Schleimhaut in den Bronchien. Kommt es auch zu einer Verengung der Bronchien, spricht man von einer chronisch-obstruktiven Bronchitis – ein typisches Merkmal von COPD.
- Außerdem fällt eine Veränderung der Lungenbläschen unter den Begriff COPD: ein sogenanntes Lungenemphysem, bei dem sich die Lungenbläschen überblähen. Dadurch funktioniert der Gasaustausch in der Lunge nicht mehr richtig.
An COPD-Erkrankte können von nur einer oder von beiden krankhaften Veränderungen betroffen sein. Wenn verengte Bronchien und ein Emphysem zusammentreffen, verstärken sich die gesundheitlichen Folgen meist gegenseitig.
COPD-Symptome: Was sind die ersten Anzeichen einer COPD?
Eine COPD entsteht nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich langsam über Jahre hinweg. Häufig beginnt die Krankheit mit einer chronischen Bronchitis. Die begleitenden Beschwerden nehmen an Intensität zu, werden aber oft nicht als Anzeichen einer ernsthaften Erkrankung erkannt.
Welches sind die häufigsten Beschwerden bei COPD?
Typische COPD-Symptome sind:
- Atemnot bei körperlicher Belastung (bei fortgeschrittener COPD schon in Ruhe)
- täglicher Husten über einen längeren Zeitraum
- Auswurf beim Husten
- Atemgeräusche wie Pfeifen oder Brummen
- stärkere Beschwerden bei Atemwegsinfektionen und Grippeerkrankungen
Atemnot, Husten und Auswurf sind die drei zentralen COPD-Merkmale. Abgeleitet von deren Anfangsbuchstaben sprechen Fachleute auch von der AHA-Symptomatik.
Welche 4 Stadien von COPD gibt es?
COPD wird in vier Stufen (GOLD 1-4) eingeteilt. GOLD steht für Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease. GOLD 1 bezeichnet eine leichte und GOLD 4 eine sehr schwere Obstruktion. Der Obstruktionsgrad allein sagt jedoch noch nichts über die Stärke der Beschwerden aus.
Für die Behandlung von COPD sind deshalb neben den Stufen 1-4 auch die drei Gruppen A, B und E von großer Bedeutung. Die jeweilige Gruppe kennzeichnet die Schwere der Symptome und gibt an, wie oft akute Verschlechterungen eintreten (sogenannte Exazerbationen). Der beste COPD-Grad nach beiden Systemen ist GOLD 1A, der schlechteste GOLD 4E.
Warum muss eine COPD behandelt werden?
Die Anfangssymptome sind oft wenig belastend – „Raucherhusten“ eben. Im fortgeschrittenen Stadium versorgt die Lunge den Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff. Dies führt zu einer stark abnehmenden körperlichen Belastbarkeit. Schon Alltagstätigkeiten wie Treppensteigen werden zur unüberwindbaren Hürde.
Da körperliche Anstrengungen Menschen mit COPD schwerfallen, bewegen sie sich oft weniger. Dadurch nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit weiter ab. Außerdem können schon leichte Infektionen der Atemwege bei COPD zu starken Beschwerden führen, die oft eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich machen. Es kommt oft zu schweren Verläufen mit der Notwendigkeit zur Beatmung.
Wie wird eine COPD diagnostiziert?
Anhaltender Husten und häufige Atemnot können Anzeichen einer COPD sein. Bei solchen Symptomen sollten Sie zunächst Ihre hausärztliche Praxis aufsuchen. Möglicherweise werden Sie an eine pneumologische (lungenheilkundliche) Spezialpraxis überwiesen.
Dort sind spezielle Lungenuntersuchungen und Lungenfunktionstests möglich. Weiterführende Untersuchungen dienen dazu, andere Erkrankungen wie Asthma, Herzschwäche oder Lungenkrebs auszuschließen. Ein weiteres Ziel ist, den Schweregrad der COPD zu ermitteln. Das ist für die Behandlung sehr wichtig.

© iStock / Svitlana Hulko
Was löst bei COPD die Symptome aus?
Der unmittelbare Auslöser der Atemnot ist der schlechtere Gasaustausch in der Lunge, der eine Folge der chronischen Entzündung und des Lungenemphysems ist. Außerdem zerstört die chronische Entzündung der Schleimhäute die Flimmerhärchen in den Bronchien.
Diese Härchen bedecken die Innenwand der Bronchien. Staub und Krankheitskeime aus der Atemluft bleiben in der Regel in den gesunden Härchen kleben und gelangen dadurch nicht in tiefere Lungenabschnitte. Die Flimmerhärchen transportieren die Fremdkörper in Form von Schleim wieder aus den Bronchien heraus.
Diese Funktion ist für die Gesundheit der Lunge sehr wichtig. Ohne intakte Flimmerhärchen fehlt die Schutzfunktion und Schleim kann nicht abtransportiert werden. Die Folgen sind verstopfte Bronchien, anhaltender Husten und eine erhöhte Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen.
Was sind die Ursachen und Risikofaktoren bei COPD?
Doch wodurch kommt es zu einer Zerstörung der Flimmerhärchen oder einer Überblähung der Lungenbläschen? Es gibt ein Hauptrisiko für die Entwicklung von COPD: das Rauchen.
Zwar erkrankt nicht jeder Raucher und jede Raucherin an COPD, aber die meisten Menschen, die an COPD leiden, rauchen oder haben früher geraucht. Umgekehrt ausgedrückt: Gerade einmal zehn bis zwanzig Prozent aller Betroffenen haben nie geraucht.
Auch andere Faktoren, die Entzündungen in der Lunge begünstigen, erhöhen das COPD-Risiko. In der Gesamtbetrachtung spielen sie jedoch eine untergeordnete Rolle:
- Luftverschmutzung
- Feinstaubbelastung, insbesondere am Arbeitsplatz
- Infektionen der Atemwege in der Kindheit
- genetische Veranlagungen (wie zum Beispiel Störungen der Lungenentwicklung durch den seltenen Alpha1-Antitrypsin-Mangel)
Lässt sich eine COPD vorbeugen?
In den meisten Fällen ist die Antwort ein klares Ja: Die beste Vorbeugung gegen COPD ist es, gar nicht erst mit dem Rauchen zu beginnen oder sofort damit aufzuhören. Für Menschen, die beruflich in schadstoffbelasteten Umfeldern tätig sind, ist es wichtig, dass ihre Arbeitgeber für wirksamen Arbeitsschutz sorgen.
Wer bereits an COPD leidet, sollte darauf achten, sich vor Atemwegsinfektionen und Grippe zu schützen. Diese begünstigen nämlich akute Verschlimmerungen (Exazerbationen) einer COPD.
Gerade während der Erkältungssaison ist es wichtig, sich vor Ansteckung zu schützen. Meiden Sie den Kontakt zu erkälteten Personen oder größere Menschenansammlungen. Zudem kann eine Impfung gegen Grippe, Covid-19 oder Pneumokokken, die Erreger einer Lungenentzündung, hilfreich sein.
Behandlung und Lebenserwartung bei COPD: Kann sich die Lunge wieder erholen?
Die Verengung der Bronchien geht durch eine Behandlung nicht oder zumindest nicht vollständig zurück. Auch die Überblähung der Lungenbläschen ist unumkehrbar. Eine COPD lässt sich nicht heilen, sondern nur kontrollieren. Das Ziel der Behandlung besteht daher in erster Linie darin, die Symptome und Beschwerden zu lindern.
Außerdem geht es darum, das Fortschreiten der COPD zu verlangsamen, Exazerbationen zu verhindern und Organschäden durch Sauerstoffmangel zu vermeiden. Alle Maßnahmen zusammen sollen das Alltagsleben Erkrankter erleichtern, die Lebensqualität insgesamt verbessern und die Lebenserwartung erhöhen.
Eine COPD kann hinsichtlich der Schwere der Symptome, möglicher Begleiterkrankungen und individueller Risiken sehr unterschiedlich verlaufen. Deshalb ist ein differenzierter und auf die Bedürfnisse der einzelnen Betroffenen abgestimmter Therapieplan entscheidend für den Therapieerfolg.
Welches ist die wichtigste therapeutische Maßnahme bei COPD?
Der erste Schritt ist, das Rauchen einzustellen. Wer trotz COPD weiter raucht, muss mit einem schlechteren Krankheitsverlauf rechnen. Ein Rauchstopp bedeutet seltenere Exazerbationen und Krankenhausaufenthalte. Denn Rauchen schwächt die Abwehrkräfte, weshalb Rauchende anfälliger für Infekte sind.
Rauchende benötigen oft mehr oder stärkere Medikamente, um Beschwerden zu lindern. Damit steigt das Risiko für Nebenwirkungen. Letztlich geht es darum, einen frühzeitigen Tod zu verhindern. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin hilft Ihnen beim Aufhören. Es gibt wirksame Verhaltenstherapien, Nikotinersatzmittel und Medikamente.
Wieso ist körperliches Training wichtig?
Bewegung im Alltag und Sport können dazu beitragen, dass Menschen mit COPD belastbar bleiben und Atemnot gelindert wird. Wichtig ist Regelmäßigkeit, zum Beispiel durch Ausdauersportarten wie Schwimmen, Fahrradfahren oder Nordic Walking. Besprechen Sie Ihr Bewegungsprogramm am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Es gibt außerdem bestimmte Selbsthilfetechniken, die das Atmen in Situationen mit akuter Atemnot erleichtern, bis Hilfe eintrifft. Diese Techniken sind erlernbar. Dazu gehören beispielsweise atmungserleichternde Körperstellungen oder konkrete Atemübungen. Auch eine gezielte Atemphysiotherapie kann hilfreich sein.
Gibt es wirksame Medikamente bei COPD?
Zahlreiche Medikamente können die Beschwerden von Menschen mit COPD lindern und Exazerbationen sowie Notfälle verhindern. Viele werden inhaliert, zum Beispiel in Form von Sprays oder über spezielle Inhaliergeräte. Es gibt Dauermedikamente zur regelmäßigen Einnahme und Bedarfsmedikamente bei akuten Beschwerden.
Wichtige Wirkstoffe sind Beta-Mimetika und Anticholinergika. Beide sorgen dafür, dass sich die Atemwege weiten und das Atmen leichter fällt. Weitere mögliche Mittel sind spezielle entzündungshemmende Wirkstoffe (sogenannte PDE-4-Hemmer), Cortisonpräparate, Schleimlöser oder Hustenstiller.
Wann kommt eine Sauerstoff-Therapie in Frage?
Eine Langzeit-Sauerstoff-Therapie (LTOT) ist angezeigt, wenn die Lunge nicht mehr ausreichend Sauerstoff aufnimmt und es zu Sauerstoffmangel im Blut kommt. Über einen dünnen Schlauch unterhalb der Nase, der an ein stationäres oder tragbares Gerät angeschlossen ist, erhalten Betroffene mehrere Stunden pro Tag oder durchgehend Sauerstoff.
Die LTOT verbessert bei einer schweren COPD die Sauerstoffversorgung des Körpers. Eine andere Möglichkeit zur Atemunterstützung ist die Heimbeatmung mit speziellen Masken oder Helmen. Was im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von der individuellen Sauerstoffversorgung und den verbliebenen Reserven des Körpers ab.
Wann kommt eine Operation bei COPD in Betracht?
Wenn bei einem schweren Lungenemphysem alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, ist für einen kleinen Teil der Betroffenen auch eine Operation möglich. Die operativen Verfahren heißen Lungenvolumenreduktion und Bullektomie. Es geht jeweils darum, die überblähten Teile der Lunge zu verkleinern, um die Atmung zu erleichtern.
In Einzelfällen unter besonderen Voraussetzungen kann bei Patienten und Patientinnen mit sehr schwerer COPD eine Lungentransplantation als allerletzte Möglichkeit in Betracht gezogen werden.
Worauf kommt es bei der COPD-Therapie an?
Um COPD erfolgreich zu kontrollieren, sind zwei Aspekte besonders wichtig: ein sorgfältiger und individueller Therapieplan sowie Eigeninitiative auf Seiten der Patienten und Patientinnen. Eine medikamentöse Behandlung muss beispielsweise sorgfältig geplant sein, um Neben- und Wechselwirkungen zu minimieren.
Medikamente allein helfen jedoch wenig, wenn die Betroffenen ihren Lebensstil nicht an die Krankheit anpassen. Das heißt vor allem: Nichtrauchen und körperlich aktiv sein. Die AOK unterstützt ihre Versicherten mit speziellen Behandlungsprogrammen für chronisch Kranke (Disease-Management-Programme – DMP).
Weiterführende Links zum Thema
AOK-Curaplan COPD
Menschen mit COPD können selbst einiges tun, um das Voranschreiten der Erkrankung aufzuhalten und die Symptome zu lindern. Die AOK hilft Ihnen dabei.
Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.








