Gehirn & Nerven

Leben mit Multipler Sklerose: Was eine MS-Diagnose bedeutet

Veröffentlicht am:29.07.2026

10 Minuten Lesedauer

von Volker Zapf

Die Diagnose „Multiple Sklerose” wirft viele Fragen auf. Müssen Betroffene nun ihr ganzes Leben ändern? Was kann behandelt werden? Welche therapeutischen Heilmittel und Hilfsmöglichkeiten gibt es? Einige Antworten auf wichtige Fragen.

An einem Tisch in einem Büro sitzen vier Personen. Ein Mann ist im Profil, ein anderer frontal aufgenommen. Beide lächeln. Zwei Personen sind nur ausschnittsweise und verschwommen erfasst.

© iStock / skynesher

Was ist Multiple Sklerose (MS)?

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass das Immunsystem fehlgesteuert ist und gesunde körpereigene Strukturen angreift. Bei MS entstehen dadurch an verschiedenen Stellen des zentralen Nervensystems – im Gehirn, im Rückenmark und/oder den Sehnerven – akute Entzündungen.

Nach Abheilung der Entzündungsherde bleibt eine Verhärtung zurück und es kommt zu einer Schädigung der sogenannten Myelinscheiden, die die Nervenfasern umhüllen. Dadurch können die betroffenen Nerven ihre Signale schlechter übertragen, was zu Störungen des Nervensystems führt.

Multiple Sklerose tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf und verläuft sehr unterschiedlich. Welche konkreten Beschwerden und Krankheitszeichen auftreten, hängt davon ab, welche Stelle des zentralen Nervensystems betroffen ist. Entweder treten die Beschwerden von Beginn an auf oder sie nehmen, was häufig der Fall ist, im Verlauf der Erkrankung langsam und in Schüben zu.

Mit welchen Symptomen müssen MS-Erkrankte rechnen?

Die konkreten Symptome lassen sich schwer vorhersagen. Das Beschwerdebild bei MS ist breit gefächert und variiert von Mensch zu Mensch. Je nach Schweregrad können MS-bedingte Funktionsstörungen nahezu unbemerkt bleiben oder das tägliche Leben erheblich einschränken.

Häufige Symptome bei Multipler Sklerose sind:

  • Sehstörungen
  • Schwäche, Lähmungen oder Zittern in einzelnen oder mehreren Körperteilen
  • Taubheitsgefühle oder Kribbeln
  • Koordinationsprobleme bei Bewegungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • schnelle und wiederkehrende Erschöpfung (Fatigue)
  • Schmerzen, beispielsweise Brennen oder schmerzhaftes Kältegefühl in Füßen oder Händen
  • mangelnde Kontrolle über die Blasen- und Darmfunktion

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MS-Diagnose: Was nun?

Die Diagnose „Multiple Sklerose“ ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen oft ein Schock, denn die chronische Nervenerkrankung ist nicht heilbar. Betroffene müssen akzeptieren, dass die Krankheit bestehen bleibt und lernen, mit ihr und den möglichen Einschränkungen zu leben.

Kann man den Verlauf einer MS beeinflussen?

Der Verlauf von Multipler Sklerose lässt sich heute gut beeinflussen. Spezielle Medikamente verlangsamen das Fortschreiten der Erkrankung und lindern bestehende Symptome. Zudem können moderne Therapien akute Schübe abmildern, ihre Häufigkeit verringern oder manchmal sogar ganz verhindern.

Bedeutet eine MS-Erkrankung immer eine körperliche Behinderung?

Auch 15 bis 20 Jahre nach der Diagnose sind die meisten MS-Erkrankten körperlich nur mäßig eingeschränkt. Bei etwa 20 Prozent kommt es zu einem höheren Behinderungsgrad, so dass sie beispielsweise auch für kurze Strecken eine Gehhilfe benötigen. Nur wenige sind jedoch auf einen Rollstuhl angewiesen.

Die meisten Betroffenen können noch sehr lange ein weitgehend normales Leben führen und Beschwerden gut kontrollieren. Einige haben dagegen von Anfang an schwerwiegende Probleme. Wie stark sich das Leben durch die MS-Diagnose verändert, hängt vom Einzelfall ab. Zuverlässige Prognosen sind meist nicht möglich.

Im Video erklärt Doc Felix, wie Resilienz bei einer chronischen Erkrankung helfen kann.

Welche unterstützenden Therapien gibt es für Menschen mit MS?

Abgesehen von der medikamentösen Behandlung einer MS lassen sich viele körperliche Beeinträchtigungen, wie Lähmungen, Koordinations- oder Gleichgewichtsstörungen, mit unterschiedlichen Maßnahmen gezielt verbessern oder kontrollieren.

  • Sport und körperliches Training

    Ein ärztlich abgesprochenes und individuell abgestimmtes Trainingsprogramm, beispielsweise Muskel- und Krafttraining, kann sich positiv auf die Muskelfunktion und Beweglichkeit auswirken.

    Für alle Menschen ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben – für MS-Erkrankte ganz besonders. Zur Verbesserung von Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit wird die sogenannte Trainings- und Bewegungstherapie angewandt: Hierzu gehören beispielsweise Wandern, Nordic Walking, Schwimmen oder Bogenschießen.

    MS und Sport: So wichtig ist Sport bei Multipler Sklerose

  • Physiotherapie

    Krankengymnastik ist sowohl während der Schübe als auch in den ruhigen Phasen der Multiplen Sklerose hilfreich. Sie kann MS-Erkrankten dabei helfen, ihre körperlichen Fähigkeiten zu stabilisieren. Nach akuten Schüben kann Physiotherapie körperliche Einschränkungen durch Nervenschäden mindern.

  • Funktionstraining

    Beim Funktionstraining für Menschen mit MS handelt es sich um ein Gruppentraining mit bewegungstherapeutischen Übungen, die speziell für diese Zielgruppe entwickelt wurden. Es kann zu einer Verbesserung der Lebensqualität und einer Reduktion der Symptomatik beitragen.

    Durch die bewegungstherapeutischen Übungen können Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit gefördert werden, wodurch die Bewältigung alltäglicher Herausforderungen erleichtert werden kann.

    Funktionstraining bei MS: Infos und Anmeldeoptionen bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft

  • Ergotherapie

    Ergotherapie unterstützt Menschen mit MS dabei, Aktivitäten des täglichen Lebens möglichst selbstständig auszuführen. Sie ist ein alltagsorientiertes Training. Zielgerichtet, individuell und symptomorientiert werden Waschen, Ankleiden, Toilettengänge, Essen und Trinken, Schreiben oder Arbeiten im Haushalt geübt.

    Ein Ziel ist außerdem, schlechten Haltungs- und Bewegungsmustern entgegenzuwirken. Gegebenenfalls steht auch der Umgang mit Hilfsmitteln auf dem Programm. Außerdem kann Ergotherapie dabei helfen, weiterhin oder wieder beruflich tätig zu sein.

Auf einer Bank in einem Behandlungszimmer sitzt ein junger Mann mit zur Seite ausgestreckten Armen, In den Händen hält er je eine Hantel. Ein älterer Mann im grünen Schlupfkasack stützt einen seiner Arme ab.

© iStock / mixetto

Nach einer MS-Diagnose kann sich Muskel- und Krafttraining positiv auf die Muskelfunktion und Beweglichkeit auswirken.

Welche Hilfsmittel gibt es für MS-Erkrankte mit körperlichen Einschränkungen?

Auch wenn die meisten MS-Erkrankten nur geringfügig in ihrer körperlichen Beweglichkeit eingeschränkt sind, sind manche es eben doch. Für diese Menschen gibt es zahlreiche technische Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern.

Welches Hilfsmittel für Sie persönlich medizinisch sinnvoll ist, klären Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Es gibt Hilfsmittel für die Mobilität oder solche, die es erleichtern, selbstständig im eigenen Haushalt zu leben oder einer Arbeit nachzugehen. Bei der Anbieterwahl hilft Ihnen die AOK-Hilfsmittelsuche.

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Wie wichtig ist die Ernährung für Menschen mit Multipler Sklerose?

Neben körperlicher Aktivität spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle, um das Leben mit MS zu verbessern. Es ist bekannt, dass Mikronährstoffe wie Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine sowie sekundäre Pflanzenstoffe unter anderem entzündliche Prozesse im Körper beeinflussen.

Eine spezielle „MS-Diät“ gibt es jedoch nicht. Wichtig ist eine ausgewogene, fettreduzierte Ernährung mit allen notwendigen Mikronährstoffen.

Orientierung bieten die 11 Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Der Kern der Botschaft: viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse, aber wenig Fleisch und tierische Fette.

Wo gibt es Hilfe für MS-Erkrankte?

Für viele Menschen mit chronischen Erkrankungen ist neben einer professionellen medizinischen Versorgung auch die Unterstützung durch die Familie sowie der Austausch mit anderen Betroffenen sehr wichtig.

Erfahren, wie es anderen geht, was anderen hilft, Tipps austauschen – und einfach unter Menschen zu sein, die aufgrund gleicher Erfahrungen die eigenen Bedürfnisse und Probleme besser verstehen als Nicht-Betroffene: Das leisten Selbsthilfegruppen.

Vielleicht gibt es in Ihrer Nähe eine Gruppe. Das können Sie über Ihren Landesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) oder die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (NAKOS) herausfinden. Ergänzend gibt es mit „ms connect 2.0” eine Austausch-Plattform für Menschen mit MS der DMSG.

Fachlich geprüft
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